Kussmund grüßt Roald Amundsen

Kussmund

Ein Kussmund so breit wie ein Großsegler.

KussmundWie im Ameisenhaufen ging es am Freitag in Santa Cruz de La Palma zu. Nicht nur die AIDAstella, sondern auch die P&O Cruises Oriana lagen gemeinsam im Hafen. Kussmund grüßt den kleinen Segler Roald Amundsen aus Eckernförde. Auch wenn der Zweimaster Roald Amundsen beim Stabellauf im Jahre 1952 noch als Großsegler galt, sieht er heute vor dem Kussmund der AIDAstella ziemlich klein und verlassen aus. Die Roald Amundsen mit einer Breite von 7,20 m wird vom Kussmund der AIDA noch überragt.

Zwei Welten – die klassische Vergangenheit und die Moderne liegen hier friedlich beieinander. Die Roald Amundsen spielt mit ihren 16 Mann Stammcrew und 32 Mitseglern im Gästeaufkommen auch keine große Rolle. Anders die AIDAstella mit 2700 Passagieren und 609 Crew Mitgliedern und die englische Oriana mit knapp 2800 Personen.

Roald AmundsenDie Aufmerksamkeit ist der Roald Amundsen allerdings gewiss. Fast jeder der vorbei schlendernden Gäste der Ozeanriesen schenkte ihr seine Aufmerksamkeit. Waren das noch Zeiten mit einem richtigen Großsegler die Weltmeere zu bereisen und ständig dem Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Keine vollklimatisierte Kabine, kein üppiges Speisenbuffet – nur eine kleine Kombüse und kein Pool auf dem Oberdeck. Etwas Wehmut kommt da schon auf. Wobei allerdings der heutige Luxus und die Bequemlichkeit auch nicht zu verachten ist.

 

 

 

 

 

KussmundWenn zwei solcher Ozeanriesen wie der Kussmund und die Oriana zusammen eintreffen, wird es in der Hauptstadt von La Palma schon eng.  Bei gerade einmal 17.500 Einwohnern fallen da plötzlich die rund 6.000 einfallenden Gäste schon auf. Trockenes und warmes Wetter animierten am Freitag anscheinend besonders viele Passagiere die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma aufzusuchen.

Während sonst nur unser palmerischer Slang zu hören ist, dominierte jetzt Deutsch und Englisch. Aber es war auch eine Abwechslung in der vorweihnachtlich geschmückten Stadt. Menschenmassen strömten vom nahen Hafen in die sonst mehr geruhsame Calle Real. Die Cafes und Geschäfte haben sich sicher gefreut und die restlichen Einwohner haben erstaunt beobachtet. Wissen sie doch, dass am Abend gegen 18.00 Uhr der Spuk genauso schnell sein Ende findet, wenn Kussmund &Co wieder den Hafen von La Palma verlassen haben.

 

… und wie viele Fluggästen kommen nach La Palma?

Norwegian AirlineNicht ganz so erfreulich sieht es mit den Fluggästen aus. Nach den jüngsten Zahlen der AENA – dem Flugplatzbetreiber von Mazo – gingen die internationalen Gäste aus Deutschland, Holland , Belgien oder England im November 2014 um 1,3% gegenüber November 2013 zurück. Erfasst wurden von Januar bis November 2014 -187.246 internationale Fluggäste – wobei diese Zahl mindestens halbiert werden muss – da jeder Flug, wie die An- und die Abreise, einzeln gezählt wird. Also rund 93.000 ausländische Touristen haben in diesem Jahr bisher La Palma besucht. Sie sind es, die während ihres 1 oder 2-wöchigen Urlaubsaufenthalt das Geld auf der Insel lassen.

Es nutzt auch nichts, wenn presse-wirksam neue Fluglinien oft mit befristeten Subventionen angelockt werden. Ganze 23 Gäste sassen z.B. letzte Woche in der Norwegian Airlines mit der roten Nase (Foto) von London nach La Palma – ich hatte berichtet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis „still“ dieser Flug wieder beerdigt wird.

Keine Fluggesellschaft kann es sich leisten mit Verlust unsere Insel anzufliegen. Eine Mindestauslastung von 70-75% ist notwendig. Das Interesse der Kunden muss gelockt werden, dann finden sich auch Fluggesellschaften, die ohne Subvention La Palma anfliegen. Das Angebot ist vorhanden, jetzt muss nur auf geeignete Weise das Interesse der Gäste geweckt werden. Wir haben viele Konkurrenten die auch schöne Urlaubsziele oft kostengünstiger anbieten. Mit neuen Sandstränden oder Golfplätzen können wir nicht Punkten. Hier würden wir nur unsere Nachbarinseln kopieren.

Es sind die einmaligen Dinge von La Palma, wie die grandiose Natur mit 1000 km Wanderwegen, die Caldera de Taburiente – der größte Senkkrater der Erde, das große Astro-Observatorium auf dem Roque de los Muchachos und die beeindruckenden Vulkane oder die Vulkanhöhlen. Auch die freundlichen Menschen und kein Massentourismus – das war es, was auch mich 1988 das erste Mal zu einem Besuch auf La Palma angelockt hat. Und was weiter daraus wurde, ist ja bekannt.

Das ist der Magnet und das Besondere, was unsere Insel von allen anderen Zielen unterscheidet. Ein Massenansturm würde dieses Flair zerstören. Es ist und bleibt ein Eldorado für den Individualisten … und ich hoffe, dass es auch in Zukunft weiter so bleibt.

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