Die Felsgravuren von La Palma: Als die Benahoaritas ins Gestein bloggten

Petroglyphen

Die geheimnisvollen Felsgravuren von La Palma –

Die Felsgravuren auf La Palma sind so etwas wie der prähistorische Blog der Benahoaritas – nur ohne WLAN, dafür tief in Basalt eingeritzt. Wer hier Spiralen, Mäander und Kreise hinterlassen hat, meinte es ernst: Diese Zeichen kosteten Zeit, Kraft und vermutlich auch eine gute Portion Ritual.

Formen und Motive: Spiralen mit Bedeutung

Auf La Palma stolperst du immer wieder über das gleiche „Icon-Set“ im Fels: Spiralen, Doppelspiralen, konzentrische Kreise, Zickzacklinien und parallele Rillen. Figürliche Darstellungen sind extrem selten – die Benahoaritas waren offenbar Minimalisten mit einer Vorliebe für geometrische Symbolik.
Mit harten Steinen in vulkanisches Gestein zu ritzen, macht man auch nicht „einfach so“ beim Spaziergang; das deutet auf Spezialisten und eine ziemlich ernste Botschaft.

In meinem Buch „La Palma: Rätselhafte Insel“ habe ich viele dieser Fundstellen persönlich aufgesucht, dokumentiert und mit praktischen Hinweisen für eigene Entdeckungstouren ausführlich beschrieben. Auch über neue Fundstücke wie die „Totenmaske“ oder die Geheimnisse der Guanchen Pyramiden gibt es einiges zu lesen.

Guanchen. Petroglyphen, Benahoaritas

Fundstück in Garafia: Von mir 2015 entdeckte Toten- oder Gesichtsmaske der Guanchen

Heilige Landschaft statt Einzelstein

Die Felsgravuren liegen selten zufällig in der Gegend herum, sondern oft an Stellen, die schon die Landschaft selbst hervorhebt: Quellen, Schluchten, Gipfel, markante Felsen. Belmaco, La Zarza, La Zarcita, La Fajana, El Cementerio – das klingt ein bisschen wie eine Inselrundfahrt, ist aber eher ein Parcours durch die sakralen Hotspots der Ureinwohner.
Was dort genau passierte, weiß niemand so recht: Die Palette reicht von Regenzauber und Fruchtbarkeitsritualen bis zu kosmologischen Vorstellungen – wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem, was im prähistorischen „spirituellen Angebot“ stand.

Llano de Las Lajitas: Kultplatz am Himmel von Garafía

Der Llano de Las Lajitas in der Gipfelzone von Garafía wirkt, als hätten die Benahoaritas einen Outdoor‑Tempel direkt unter den Wolken eingerichtet. Auf der kahlen Hochfläche finden sich zahlreiche niedrige Steinhaufen mit aufrecht gestellten Platten, von denen einige sorgfältig graviert sind.
In den Geröllhaufen stecken Steine mit geometrischen Motiven, umgeben von weiteren Petroglyphen auf den Kammfelsen – als hätten sie die Gipfelkante selbst in ein Ritual‑Interface verwandelt. Der Ort wirkt so bewusst gewählt, dass man fast erwartet, gleich einer alten Prozession zu begegnen, die zwischen Caldera und Nordwestküste den Göttern berichtet, wie die Saison so läuft.

Comeback im Museum: Zwei Steine packen aus

Nach rund 40 Jahren Privatverwahrung sind zwei gravierte Steine vom Llano de Las Lajitas ins Museo Arqueológico Benahoarita in Los Llanos zurückgekehrt – ein spätes, aber eindrucksvolles Comeback. Die Stücke wurden Anfang der 1980er geborgen, um sie vor Diebstahl zu schützen, verschwanden dann in sicheren, aber privaten Regalen und tauchten nun offiziell im öffentlichen Besitz wieder auf.
Für die Forschung ist das Gold wert: Die Steine können nun professionell dokumentiert, konserviert und im Kontext anderer Funde aus Garafía präsentiert werden – und Besucher sehen endlich das, was sonst nur auf windigen Gipfeln zwischen Steinhaufen schlummert.

Das MAB: Schaltzentrale der Stein-Botschaften

Das Museo Arqueológico Benahoarita in Los Llanos ist die zentrale Bühne für die archäologischen Schätze der Ureinwohner. Zwischen Keramik, Werkzeugen und Bestattungsfunden erzählen hier auch viele Felsgravuren – in Original oder als Reproduktion – von einer Insel, deren „heilige Landschaft“ weit älter ist als jedes Observatorium am Roque de los Muchachos.
Mit den beiden neuen Stücken aus Llano de Las Lajitas wird die Geschichte der Gipfelheiligtümer von Garafía noch ein bisschen greifbarer – und die Stein‑Botschaften der Benahoaritas sind einen Schritt näher daran, nicht nur Archäologen, sondern auch neugierigen Museumsbesuchern etwas ins Ohr zu flüstern.

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Über den Autor

Manfred
Manfred Betzwieser - Buchautor und begeisterter Naturliebhaber. Lebe seit 25 Jahren mit meiner Familie auf der Kanareninsel La Palma. Mehr auf meiner Autorenseite - Mein Link

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