Das weiße Gold von La Palma –
Kalkofen La Palma: Wer an La Palma denkt, hat meistens grüne Urwälder oder tiefschwarze Lavaströme im Kopf. Aber wusstet ihr, dass die Insel früher eine ganz andere Farbe hatte? Weiß. Und zwar strahlend weiß. Das lag nicht an plötzlichem Schneefall, sondern an den Kalköfen, die wie industrielle Festungen an unseren Küsten thronten.
Heute nehme ich euch mit auf eine Reise in eine Zeit, in der Kalk nicht nur für den Hausbau, sondern sogar für den Kaffee (na gut, für den Zucker) entscheidend war.
Logistik für Fortgeschrittene: Kalk kommt selten allein
Kalköfen waren früher so etwas wie die modernen Logistikzentren – nur mit mehr Feuer und weniger WLAN. Man baute sie bevorzugt in Meeresnähe. Warum? Ganz einfach: Die riesigen Kalkblöcke waren so schwer, dass selbst der stärkste Esel der Gemeinde beim Anblick der Fracht sofort den Dienst quittiert hätte.
Also kamen die rohen Kalkblöcke per Schiff, meistens von der Nachbarinsel Fuerteventura, und wurden direkt am Kai von Las Lajes entladen. Ein Katzensprung für die Steine, ein Segen für die Arbeiter.

Der Kalkofen an der Mündung der Schlucht Barranco del Agua, 1903
Wozu das Ganze? Von Häusern und süßen Sünden
In unserer Gemeinde wurde der Kalk für alles Mögliche gebraucht:
- Hausbau: Damit die Hütte auch bei Wind und Wetter stehen bleibt.
- Teiche & Mühlen: Wasser ist auf La Palma kostbar – da musste alles dicht sein.
- Zucker-Wellness: Jetzt wird es kurios. Kalk wurde zum Bleichen von Zucker verwendet! Die beiden Mühlen Adelantado und Comendador Benavente waren quasi die Schönheitsfarmen für Rohrzucker, damit dieser strahlend weiß auf den Tisch kam.
Der Star unter den Öfen: „The Canal“ und die Wasser-Retter
An der Mündung des Barranco del Agua steht ein ganz besonderes Exemplar. Errichtet wurde er von der Firma „Hijos de Juan Yanes“. Diese Herrschaften erhielten 1903 per königlichem Erlass das Recht, das kostbare Wasser der Quellen Marcos und Cordero zu bändigen.
Früher versickerte das Wasser einfach im Schluchtbett – ein Skandal für jeden durstigen Landwirt! Die Firma (später bekannt als „The Canal“) baute Tunnel und Kanäle, um das Wasser nach „La Tomada“ zu leiten. Und genau dafür brauchten sie den Kalkofen: Ohne Kalk kein Mörtel, ohne Mörtel keine stabilen Wassertunnel. So einfach war das.
Die dunkle Seite: Von Kalköfen und vergessenen Katakomben
Aber jetzt wird es richtig spannend (und ein bisschen unheimlich). Wenn man sich die massiven Bauwerke und die Tunnel ansieht, merkt man schnell: La Palma hat ein zweites Gesicht unter der Erde.
In meinem Beitrag über die vergessenen Katakomben von La Palma habe ich bereits beschrieben, dass die Insel unter ihrer Oberfläche mehr Löcher hat als ein Schweizer Käse. Diese unterirdischen Gänge, oft im Zusammenhang mit der Wassergewinnung und dem Bergbau entstanden, wirken heute wie vergessene Katakomben. Wer weiß schon genau, was in den dunklen Winkeln der alten Kanäle und Stollen noch alles schlummert? Vielleicht der Geist eines Arbeiters, der immer noch auf seine Kalk-Lieferung aus Fuerteventura wartet?
Einen renovierten Kalkofen La Palma findest du am Wanderweg von San Andres Richtung Charco Azul und der Rum Destillerie Aldea.
Mehr als nur alte Steine
Die Kalköfen sind die stummen Zeugen einer Zeit, in der Wasser mit Gold aufgewogen wurde und Zucker weißer sein musste als die Wolken über dem Roque de los Muchachos. Wenn ihr das nächste Mal an einem alten Ofen vorbeikommt, haltet kurz inne. Ihr steht vor dem Motor des damaligen Fortschritts – und vielleicht direkt über einem der mysteriösen Tunnel, die La Palma im Inneren durchziehen.



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