Ein deutscher Blick auf eine stille Tragödie -
Venezuela: Wer als Deutscher nach La Palma kommt, sucht meist die Ruhe, die unberührte Natur und die Abgeschiedenheit vom Trubel Zentraleuropas. Wir sehen die grünen Lorbeerwälder und die majestätische Caldera. Doch wer genauer hinsieht und hinhört – in den Cafés von El Paso oder beim Warten beim Bäcker in Los Llanos –, merkt schnell: Diese Insel hat ihr Herz nicht nur hier im Atlantik, sondern zur Hälfte in Venezuela.
Es ist eine Verbindung, die uns Europäern oft verborgen bleibt, bis eine Krise sie schmerzhaft an die Oberfläche spült.
Wenn das „Schwesterland“ brennt
In den letzten Wochen ist die Anspannung auf der Insel greifbar. Die Nachrichten über Explosionen in Caracas und die sich zuspitzende politische Lage in Venezuela werden hier nicht als ferne Auslandsmeldungen konsumiert. Sie werden wie Lokalnachrichten aufgenommen.
Warum uns das als Deutsche so bewegt? Weil es uns zeigt, wie relativ das Konzept von „Heimat“ ist. Während wir oft über Migration als ein Phänomen der Gegenwart sprechen, lebt La Palma eine Migration der Geschichte. Zwischen 1940 und 1950 flohen über 50.000 Canarios vor der Not nach Venezuela. Sie suchten dort das, was wir heute oft bei uns in Deutschland suchen: Sicherheit und Wohlstand.
Die „Achte Insel“ in den Köpfen
In Venezuela bauten sie sich ein neues Leben auf, doch die Wurzeln blieben in der palmerischen Erde. Man nennt Venezuela hier ehrfürchtig die „Achte Insel“.
Als deutscher Beobachter ist es faszinierend und bedrückend zugleich, diese tiefe familiäre Verflechtung zu sehen:
- Fast jeder Palmero hat einen Onkel, eine Cousine oder einen Bruder in Caracas oder Maracaibo.
- Über 3.000 Venezolaner leben heute auf La Palma – viele sind „Rückkehrer“, die nun in der Heimat ihrer Vorfahren Schutz suchen.
- Die doppelte Staatsbürgerschaft ist hier keine bürokratische Randnotiz, sondern eine Lebensader.

Grafik El Time: Wie viele Venezolaner leben auf La Palma?
Ein Spiegel unserer eigenen Geschichte?
Vielleicht berührt uns das Thema auch deshalb, weil wir Deutschen selbst eine Geschichte der Auswanderung und der Teilung haben. Doch auf La Palma ist die „Teilung“ eine geografische, die durch den Ozean und nun durch die politische Instabilität Venezuelas zementiert wird.
Wenn in Caracas die Lichter ausgehen, spürt man die Dunkelheit auch in den Gesichtern der Menschen hier auf den Kanaren. Es ist ein kollektives Warten auf ein Lebenszeichen, ein Hoffen, dass die Brücke, die über Jahrzehnte so stabil war, nicht endgültig einbricht.
Fazit: Solidarität über den Ozean hinweg
La Palma lehrt uns in diesen Tagen, dass Solidarität keine Grenzen kennt. Es ist nicht „deren“ Problem dort drüben in Lateinamerika. Es ist ein palmerisches Problem. Und damit ist es auch ein europäisches.
Gestern Abend wurde ich durch ein Feuerwerk in meiner Nähe aufgeschreckt. Silvester längst vorbei? Es war ein Jubelschrei von hier lebendenden Venozolanern über das Ende der Maduro Diktatur.
Wenn wir das nächste Mal den Cortado im Schatten der Palmen genießen, sollten wir daran denken, dass für viele Menschen hier der Blick nach Westen nicht nur dem Sonnenuntergang gilt, sondern der Sorge um ihre Liebsten in einem Land, das einmal ihr Paradies war.
Wie nimmst du die Stimmung auf der Insel wahr? Hast du im Gespräch mit Einheimischen diese tiefe Sehnsucht und Sorge auch gespürt? Schreibe es in die Kommentare.


Besser als Daniel könnte ich es auch nicht sagen. 100%Zustimmung.
Wir haben in den vergangenen Jahren auch einige Menschen aus Venezuela kennengelernt. Alle waren dankbar dafür, dass sie auf La Palma in Sicherheit waren, aber sie hatten auch Heimweh und waren in Sorge um Angehörige und Freunde. Und die Sorgen werden erst einmal nicht geringer werden.
ich hab erstmal ein paar freunde mit direktem bezug auf der insel nach ihrer meinung gefragt.… die invasion wurde von denen eher positiv bewertet, allerdings mit klarem blick auf die beweggründe der usa.… die auch m.m haupstächlich erdöl sind. eine m.a. auch realistische meinung: nix ist halt umsonst.…. ich persönlich hab das gefühl dass weltpolitisch halt aufgeteilt wird: usa venezuela und evtl grönland, russland die ukraine und china krallt sich taiwan. hinter den „deals“ stecken knallharte wirtschaftliche interessen de mit der macht des stärkeren erzwungen werden. seit der steinzeit hat sich wohl – ausser den werkzeugen – wenig geändert.