Teil 4: Transparenz oder Risiko? Warum Geothermie auf La Palma eine Frage des Vertrauens ist –
Wenn wir über Geothermie auf La Palma sprechen, reden wir nicht über eine vage Angst vor der Natur. Die Palmeros wissen, dass sie auf einem Vulkan leben. Das eigentliche Problem ist das tiefe Misstrauen gegenüber den Institutionen, die für die Sicherheit verantwortlich sind.
Das Trauma von 2021 sitzt tief – nicht wegen der Lava, sondern wegen des Versagens des Krisenstabs (PEVOLCA). Wissenschaftliche Warnungen vor einem Ausbruch im bewohnten Südwesten wurden ignoriert oder zu spät kommuniziert. Wer damals die Augen vor den Fakten verschloss, muss heute hart arbeiten, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, wenn es um Eingriffe in den Boden geht.
Die Fakten: Es geht erst einmal nur um die Machbarkeit
Oft wird in den Medien von „Millionen für Kraftwerke“ gesprochen. Doch die Realität ist nüchterner und befindet sich in einer frühen Phase:
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Kein fertiges Kraftwerk: Wir reden aktuell ausschließlich von Machbarkeitsstudien. Ziel ist es herauszufinden, ob die Hitze in nutzbarer Tiefe überhaupt so vorliegt, wie vermutet.
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Die 53-Millionen-Euro-Förderung: Diese Summe, die oft in den Schlagzeilen auftaucht, ist ein Gesamttopf des spanischen Energierahmenplans (IDAE).
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Aufteilung: Von den Fördermitteln für die Kanaren entfällt nur ein Teil auf La Palma. Tatsächlich wurden für die Insel rund 15 Millionen Euro (aus dem Topf für Tiefengeothermie) reserviert, um sechs spezifische Projekte zu prüfen.
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Die Akteure: Zu den Begünstigten gehören das öffentliche Unternehmen Sodepal sowie private Initiativen (u.a. Energiegenossenschaften wie Energía Bonita). Auch Firmen wie Endesa (ital. Mutterkonzern Enel) werden sich dem Projekt sicher anschließen.
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Eigenanteil: Die Förderung deckt meist nur etwa 50 % der Kosten. Die Unternehmen müssen also selbst erhebliches Kapital riskieren, um überhaupt erst einmal bohren zu dürfen.
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Warum „Weiter so“ nicht funktioniert
Damit aus der Machbarkeitsstudie kein politisches Desaster wird, müssen die Fehler von 2021 als Lehre dienen. Transparenz ist hier kein Bonus, sondern die Grundvoraussetzung:
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Wissenschaft vor Politik: Das PEVOLCA-Debakel hat gezeigt, dass politische Erwägungen niemals über wissenschaftliche Daten gestellt werden dürfen. Bei den Geothermie-Bohrungen muss die Wissenschaft (z.B. Experten des INVOLCAN oder externe Prüfer) das Veto-Recht haben – ohne politische Filter.
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Echtzeit-Daten für alle: Wenn 15 Millionen Euro in die Hand genommen werden, um den Boden zu erkunden, müssen die dabei gewonnenen seismischen Daten öffentlich und in Echtzeit zugänglich sein. Vertrauen entsteht, wenn jeder Bürger auf seinem Smartphone sehen kann, dass die Bohrung keine instabilen Zustände provoziert.
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Bürger als Teilhaber: Skepsis schlägt oft dann in Akzeptanz um, wenn klar ist, dass nicht externe Konzerne die Gewinne abschöpfen, während die Insel das Risiko trägt. Die Beteiligung von Sodepal und lokalen Genossenschaften ist ein Schritt in die richtige Richtung, muss aber durch garantierte Strompreisvorteile für die Anwohner untermauert werden.
Die Daten müssen die Angst besiegen
Geothermie ist für La Palma eine enorme Chance auf echte Unabhängigkeit. Aber die Behörden müssen verstehen: Die Menschen haben nicht Angst vor der Erde – sie haben Angst vor der Intransparenz der Entscheidungsträger.
Nur wenn diese Machbarkeitsstudie mit einer neuen Kultur der Offenheit geführt wird, kann das Projekt gelingen. Transparenz bedeutet heute: Die Wissenschaft hat das erste Wort – und die Politik darf es nicht mehr eigenmächtig überstimmen.
Aus meiner Sicht ein großer und längst überfälliger Schritt, diese regenerative Energiequelle zu erforschen und bei Erfolgsaussicht auch zu nutzen.
Bisher veröffentlicht:
Teil 1: Heißes Pflaster La Palma
Teil 2: Strom aus der Tiefe
Teil 3: Grüne Chance oder Vulkan-Risiko?



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