Inhalt
Viel Geschrei um nichts?
Der Ausbruch des Vulkans Tajogaite auf La Palma im Jahr 2021 hielt die Welt monatelang in Atem. Neben den sichtbaren, zerstörerischen Lavaströmen sorgte vor allem eine unsichtbare Gefahr im Nachgang für große Besorgnis und hitzige Diskussionen in der Bevölkerung: das radioaktive Edelgas Radon. Eine bahnbrechende wissenschaftliche Untersuchung der Universität La Laguna (ULL) bringt nun endlich Klarheit – und gibt eine umfassende Entwarnung für die öffentliche Gesundheit.
Die wissenschaftlichen Fakten im Überblick
Wochenlang prägten Sorgen über Spätfolgen und giftige Emissionen die Berichterstattung über das Aridane-Tal. Doch die Ergebnisse der großangelegten Studie, die kürzlich im renommierten Fachmagazin Journal of Hazardous Materials veröffentlicht wurde, sprechen eine deutliche Sprache.
Unter der Leitung des Labors für Medizinische Physik und Umweltradioaktivität (FIMERALL-SEGAI) der ULL sowie des Instituts für Technologie und Erneuerbare Energien (ITER) schlossen die Forscher ein ernsthaftes langfristiges Gesundheitsrisiko für die lokale Bevölkerung dezidiert aus. Zwar wurde ein signifikanter Anstieg der Radonkonzentration nahe des Eruptionszentrums gemessen, die tatsächlich aufgenommene Strahlendosis blieb jedoch in einem unbedenklichen Rahmen.
Was ist Radon und warum ist es in Vulkanregionen so brisant?
Radon ist ein natürlich vorkommendes, unsichtbares, geschmacks- und geruchloses radioaktives Gas. Es entsteht beim kontinuierlichen Zerfall von Uran, das tief im vulkanischen Gestein und den Böden der Kanaren vorhanden ist. Die Überwachung dieses Gases ist von elementarer Bedeutung, da Radon weltweit nach dem Rauchen als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs gilt.
Während des Ausbruchs öffneten sich unzählige neue Erdspalten, und die Durchlässigkeit des Bodens im Aridane-Tal nahm massiv zu. Diese Faktoren wirkten wie ein Katalysator und erleichterten dem tief sitzenden Gas den schnellen Aufstieg an die Oberfläche.
Die gemessenen Emissionsraten waren auf den ersten Blick monumental: Die Forscher schätzen, dass der Tajogaite rund 30 Millionen Becquerel pro Quadratmeter und Tag ausstieß. Dieser Wert liegt etwa 160-mal höher als das Niveau aktiver Vulkane in einer typischen Ruhephase und bis zu einer Million Mal höher als in normalen Böden.
Das Zusammenspiel von Wetter, Häusern und Grenzwerten
Die Studie bestätigt, dass die Gaskonzentration mit zunehmender Entfernung vom vulkanischen Hauptzentrum rapide abnahm. Dennoch führten meteorologische Besonderheiten im Aridane-Tal temporär zu auffälligen Spitzenwerten in bewohnten Gebieten. Schwache Winde und bodennahe thermische Inversionsschichten fungierten wie eine unsichtbare Glocke, blockierten die natürliche Ausbreitung in der Atmosphäre und begünstigten die Ansammlung in Bodennähe sowie in Häusern.
In den dem Vulkan am nächsten gelegenen Zonen überschritt rund ein Viertel (25 %) der in Innenräumen vorgenommenen Messungen den gesetzlichen gesundheitlichen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter. Ein Umstand, der verständlicherweise für Verunsicherung sorgte.
Die entscheidende Entwarnung: Warum die Strahlendosis unbedenklich blieb
Trotz dieser punktuell erhöhten Raumluft-Konzentrationen gibt die Belastungsberechnung der Wissenschaftler endgültige Entwarnung. Für die gesamte dreimonatige Dauer der Eruption belief sich die geschätzte Dosis ionisierender Strahlung für die Bewohner des Aridane-Tals auf lediglich 0,3 Millisievert (mSv).
Um diese Zahl wissenschaftlich einzuordnen, rechneten die Experten die Belastung exemplarisch auf ein volles Kalenderjahr hoch:
-
Hochgerechnete Jahresdosis durch den Ausbruch: ca. 1,2 Millisievert.
-
Zum Vergleich (Normale Hintergrundstrahlung): Ein Mensch nimmt unter ganz normalen Bedingungen aus natürlichen Quellen (kosmische Strahlung, Nahrung, mineralische Böden) im Schnitt 2,4 Millisievert pro Jahr auf.
Selbst bei einer hypothetisch dauerhaften Belastung auf diesem Niveau läge der Wert bei gerade einmal der Hälfte dessen, was ein Mensch im globalen Durchschnitt ohnehin vollkommen schadlos absorbiert.
Fazit: Ein Aufatmen für das Aridane-Tal
Diese fundierten Studienergebnisse nehmen der emotionalen Debatte um das Radongas auf La Palma endgültig den Wind aus den Segeln. Für die betroffene Bevölkerung und den Tourismus ist es eine Nachricht zum Aufatmen.
🌴 Lust auf noch mehr La Palma & Kanaren-Feeling?
Ich lebe seit Jahren fest auf dieser faszinierenden Insel und habe meine Erfahrungen, Erlebnisse und echten Insider-Tipps mittlerweile in 16 Büchern festgehalten. Ob praktischer Ratgeber zum Auswandern, tiefgründige Inselgeschichten oder Maritimes – stöbere einfach mal durch meine private Bücherecke!
👉 Hier meine Bücher entdecken & auf der Autorenseite vorbeischauen
La Palma News per WhatsApp
Gratis Kanal abonnieren & Glocke an!
☕️ Dem Jubi-Insider einen Kaffee spendieren?
Dir gefällt LaPalma1.net frei von nervigen Pop-up-Bannern? Ich stecke viel Herzblut und Zeit in diese unabhängigen Berichte. Wenn du meine tägliche Arbeit und die Serverkosten mit einer kleinen, freiwilligen Wertschätzung unterstützen möchtest, kannst du das ab sofort ganz unkompliziert über meine digitale Kaffeekasse via PayPal tun. Vielen Dank für deine Unterstützung!







Moin Manfred,
Vielen Dank für deine Berichte und auch dieser zu den Gasen ist super.
Hast du nicht auch mal Lust einen Artikel zu dem Thema CO2 in Puerto Naos zu machen?
Es gibt da ja noch eine kleine Zona Negro und irgendwie bewegt sich da nix weiter.
Ich hoffe das du Lust hast da was zu veröffentlichen und ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße aus Los Cancajos,
Sascha
Moin Sascha,
vielen Dank für dein Feedback! Es freut mich riesig, dass dir die Berichte gefallen und dir auch der Artikel zu den Gasen einen echten Mehrwert geboten hat. Solche Rückmeldungen aus der Community sind einfach die beste Motivation.
Dein Vorschlag trifft den Nagel auf den Kopf. Das Thema CO2 in Puerto Naos – und speziell die verbliebene Zona Negra (die schwarzen Zonen), in denen sich die Werte stur und gefährlich hoch halten – ist nach wie vor ein riesiger wunder Punkt beim Wiederaufbau nach dem Tajogaite-Ausbruch. Während viele Bereiche schrittweise freigegeben wurden, fühlt es sich in diesen Zonen tatsächlich so an, als würde die Zeit komplett stillstehen. Für die Betroffenen vor Ort ist das eine unendliche Geduldsprobe.
Ich nehme deinen Impuls auf jeden Fall mit auf die Werkbank! Es ist absolut wichtig, da dranzubleiben, die aktuellen Messdaten verständlich einzuordnen und zu beleuchten, warum sich an manchen Ecken einfach nichts bewegt. Die vulkanische Aktivität schläft eben nicht nach Fahrplan, und die Entgasungsprozesse im Untergrund sind komplex.
Ich setze mich in den nächsten Tagen an die Recherche und den Entwurf für einen ausführlichen Beitrag auf Lapalma1.net.
Dir auch ein wunderbares, entspanntes Wochenende unten in Los Cancajos und herzliche Grüße zurück!
Manfred