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Krank sein auf La Palma: Mein 10-Stunden-Abenteuer für 5 Minuten Facharzt
Man sagt ja immer, Inselleben entschleunigt. Das stimmt – bis man auf La Palma zum Facharzt muss! Versteht mich nicht falsch: Ich liebe meine Wahlheimat abgöttisch, aber das Thema Gesundheitssystem fordert manchmal echten Pioniergeist. Wenn eine spezielle Routineuntersuchung auf der Insel nicht angeboten wird, heißt die Parole schlicht: Abflug Richtung Teneriffa!
Gestern war es wieder soweit. Ein ganzer Tagesausflug für gefühlte 300 Sekunden im Arztzimmer. Aber ganz ehrlich? Am Ende hat es trotz all des bürokratischen Aufwands und der Reiserei richtig Spaß gemacht. Hier kommt mein kleiner Erfahrungsbericht aus dem ganz normalen Wahnsinn des kanarischen Insel-Hüpfens für die Gesundheit.
Die Vorbereitung: Bloß keinen Zettel vergessen!
Wer glaubt, man steigt einfach ins Flugzeug und lässt sich behandeln, hat die Rechnung ohne das spanische Gesundheitssystem gemacht. Die Hausaufgaben im Vorfeld waren straff organisiert:
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Blutanalyse: Pünktlich im Centro de Salud Mazo erledigt.
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MRT-Untersuchung: Eine ordentliche Runde in der Röhre (Resonancia Magnética) in der Privatklinik Tinabana Salud in Santa Cruz de La Palma absolviert – direkt ans Insel-Krankenhaus angebunden.
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Akten-Beschaffung: Und jetzt der wichtigste Tipp für alle Insel-Patienten: Sämtliche Befunde selbst in Papierform im Hospital La Palma abholen!
Warum der Aufwand? Nun, ich habe gelernt. Mir ist es in der Vergangenheit tatsächlich schon passiert, dass ich frohgemut nach Teneriffa flog, der Facharzt mich freundlich anlächelte und meinte: „Tja, Señor, Ihre Unterlagen sind leider noch nicht im System da.“ Ergebnis: Ein Tagesausflug für absolut gar nichts. Diesmal hatte ich den dicken Ordner mit allen Kopien eisern unter den Arm geklemmt!
Binter-Lotto und das Tennis-Match im Wartesaal der HUC
Um 9:00 Uhr morgens ging es mit dem Binter-Flieger von La Palma ab an den Nordflughafen Teneriffa (Los Rodeos). Ganz wichtig bei Arztterminen auf Nachbarinseln: Bucht NIEMALS auf Kante! Wegen Nebel am Nordflughafen oder technischen Tücken fällt rasch mal ein Flug aus oder verspätet sich. Zeitpuffer sind auf den Kanaren eine Überlebensstrategie.
Mein Termin im Hospital Universitario de Canarias (HUC) in La Laguna war für 11:55 Uhr angesetzt. Pünktlich gegen 10:00 Uhr spuckte mich das Taxi (Kosten: entspannte 15 Euro) vor der Uniklinik aus. Noch fast zwei Stunden Zeit! Also erst einmal entspannt in die nächste Bar abgebogen und zwei herrliche Café cortados genossen.
Um 11:30 Uhr begann das große Zittern: Der riesige Wartesaal der HUC war mit sicher 100 anderen Patienten gefüllt. Alle Blicke starrten gebannt auf die elektronischen Anzeigetafeln an der Wand. Bei jedem „Piep“ und jeder neuen Nummer auf dem Bildschirm schnellten synchron hundert Köpfe nach oben – wie bei einem Tennis-Match in Wimbledon!
Wieder eine andere Nummer… und noch eine… Das Spiel spielten wir exakt 1 Stunde und 45 Minuten, bis endlich meine Kombination für das Arztzimmer Nr. 14 aufblitzte.
Das Ergebnis: 5 Minuten freundliches Gespräch mit dem Facharzt, einmal kurz durchgecheckt – alles bestens! Nächster Termin im April 2027. Viva la Salud!
Pasta, Studententram und Shopping-Rausch in La Laguna
Da unser Rückflug erst für 18:00 Uhr gebucht war, machten meine Begleitperson Tochter Maika und ich das Beste aus dem Tag. Immerhin übernimmt die Seguridad Social bei vorheriger Antragstellung die Flugkosten für mich und eine Begleitung (alle anderen Ausgaben wie Taxis und Verpflegung gehen natürlich auf eigene Rechnung).
Wir stiegen in die vollgepackte Straßenbahn (Metro) ein, die sich voller Studenten vorbei am Campus schob, und fuhren hoch bis zur Endstation Trinidad mitten ins Herz von San Cristóbal de La Laguna.
Unser Ziel war unser bewährtes Stammlokal La Venezia: Eine Schüssel dampfende Tagliatelle und eine herrliche Pizza 4 Queso später sah die Welt gleich noch viel besser aus! Während Maika anschließend in der wunderschönen Fußgängerzone zwischen der Kathedrale und der Iglesia de la Concepción beim Shopping erfolgreich war, genoss ich das bunte Treiben der historischen Universitätsstadt.

Wenn das Binter-Tuch zuschlägt: Das Finale am Flughafen
Um 17:00 Uhr ging es per Taxi im feierabendlichen Stau zurück zum Flughafen Los Rodeos. Und wer dachte, die Abenteuer des Tages seien vorbei, kennt die Sicherheitsschleuse auf Teneriffa Nord nicht!
Ich hatte brav Gürtel, Brille und Armbanduhr in die Plastikschale gelegt. Trotzdem beim Durchgehen: Piep! Piep! Piep!
„Einmal nach rechts zur händischen Durchsuchung, bitte!“ Der freundliche Sicherheitsbeamte tastete mich ab und stoppte an meiner Hosentasche. Was war die gefährliche Fracht? Ein unbenutztes Binter-Erfrischungstuch vom Hinflug! Die feine Aluminiumverpackung des Feuchttuchs hatte den Hochsicherheitsalarm ausgelöst. Man lernt nie aus: Binter-Tücher sind potenziell verdächtig!
Zu guter Letzt hatte unser Rückflieger noch knackige 45 Minuten Verspätung im Nebel von Los Rodeos. Doch gegen 19:30 Uhr landeten wir wieder heil, erschöpft, aber glücklich auf unserem Heimatfelsen La Palma und wurden abgeholt.
Mein Fazit
Ist es zeitaufwendig und manchmal anstrengend, für einen 5-Minuten-Arzttermin fast 12 Stunden unterwegs zu sein? Definitive Ja! Noch mehr Eskapaden und Besonderheiten auf „Sicher im Ruhestand„
Aber wenn man die kanarische Gelassenheit mitbringt, die Flüge gut durchplant, seine Papiere selbst mitnimmt und den Tag mit einem guten Essen in La Laguna verbindet, wird aus einem lästigen Pflichttermin ein richtig schöner Ausflug. Wir haben gestern jedenfalls herzlich gelacht – und (fast) gesund bin ich obendrein!
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