Teneriffa übt den Vulkanausbruch: Ein Lehrstück in Sachen Timing (und wie man es auf La Palma erlebt hat)
Vulkanausbruch Übung Teneriffa VOLCANEX 2026: Es gibt Meldungen aus den Nachbarinseln, bei denen man als Palmero erst einmal tief durchatmen, eine Minute stumm ins Aridane-Tal blicken und sich dann kräftig am Kopf kratzen muss.
Da verkünden der Inselrat von Teneriffa und die Gemeinde Guía de Isora voller Stolz die Übung VOLCANEX Tenerife 2026. Für den 22. Oktober 2026 wird das volle Programm aufgefahren: Der kommunale Notfallplan (PEMU) wird hochgefahren, Notfallausrüstungen werden kontrolliert, Selbstschutz-Schulungen abgehalten und die Evakuierung der Bevölkerung im Ernstfall auf Herz und Nieren getestet. Der Inseldirektor für Sicherheit erklärt feierlich, dass Vorbereitung das A und O sei, um Reaktionszeiten zu verbessern.
An sich eine feine Sache! Nur fragen wir uns auf La Palma – der mit Abstand aktivsten Vulkaninsel des gesamten Archipels – mit einem gequälten Lächeln: Wo war eigentlich unsere Trockenübung vor dem Tajogaite?
Die Realität auf La Palma: Wenn die Praxis die Theorie überholt
Wir auf La Palma haben in den letzten Jahrzehnten so ziemlich jede Form der geologischen Naturkatastrophe ohne Vorab-Drehbuch mitgemacht. Eine groß angelegte, koordinierte Vulkanausbruchs-Übung für die Bevölkerung? Fehlanzeige! Wenn bei uns der Boden wackelt, gelernt wird direkt am Objekt.
Das hat bei uns traditionell Methode: Während auf Teneriffa theoretische Handlungsabläufe durchgespielt werden, durften wir im September 2021 live und in Echtzeit erleben, wie eine „Echtzeit-Evakuierung“ aussieht, wenn die Behörden vom Ernstfall scheinbar genau so überrascht werden wie die Touristen am Strand.
Was nützt die schönste Übung, wenn der Krisenstab die Alarmierung verschläft?
Man muss bei aller Vorfreude auf die Übung VOLCANEX 2026 auf Teneriffa nämlich eines ganz realistisch festhalten: Die am aufwendigsten geplante Katastrophenschutz-Übung ist keinen Cent wert, wenn die politische Führung im entscheidenden Moment den Alarm-Knopf nicht drücken will.
Erinnern wir uns an den Herbst 2021 auf La Palma:
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Schwarmbeben über Tage, der Boden hob sich um Zentimeter, Gase traten aus, Wissenschaftler schlugen Alarm.
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Und was machte der wissenschaftliche und politische PEVOLCA-Krisenstab? Man tagte, wog ab, zögerte, beruhigte – bis der Vulkan um 15:10 Uhr im Aridane-Tal einfach selbst Fakten schuf und losspuckte.
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Die Menschen wurden nicht geordnet per Notfallplan evakuiert, sondern mussten in aller Eile Hals über Kopf ihre Häuser verlassen, weil die schwarze Wand bereits auf die Straßen walzte.
Bis heute warten wir Palmeros auf die vollständige Transparenz und die Freigabe aller PEVOLCA-Protokolle aus jenen kritischen Stunden vor dem Ausbruch. Denn was nützt eine feine Checkliste in der Schublade, wenn das Notfallkomitee aus Sorge vor Panik oder Reputationsverlust den Ernstfall erst dann ausruft, wenn die Lava bereits durch die Haustür quillt?
Mein Fazit zur Teneriffa-Übung
Dass Teneriffa in Guía de Isora die Bevölkerung schult, Evakuierungswege testet und die Einsatzkräfte koordiniert, ist zweifellos richtig und vernünftig. Man kann den Nachbarn dazu nur gratulieren – Vorbeugen ist immer besser als Aufräumen.
Aber liebe Kolleginnen und Kollegen in den Madrider und kanarischen Sicherheitsbehörden: Ein Notfallplan funktioniert nur so gut wie die Zivilcourage derer, die ihn aktivieren müssen.
Wir auf La Palma drücken Teneriffa jedenfalls die Daumen für eine erfolgreiche VOLCANEX-Übung am 22. Oktober. Und sollte es auf unserer Insel mal wieder rumpeln, hoffen wir einfach, dass die Verantwortlichen im Krisenstab aus dem Drama von 2021 gelernt haben – ganz ohne vorherigen Probelauf.
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