PEVOLCA-Protokolle: Warum die Wahrheit unter Verschluss bleibt

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Ein Kommentar zur ständigen Erinnerung: Gegen das politische Vergessen und für echte Transparenz auf La Palma!

Wer mich und meine Berichte kennt, weiß: Ich schätze die Arbeit von Einsatzkräften zutiefst. Wer bei Wind und Wetter Vulkane beobachtet, Waldbrände löscht, Evakuierungen koordiniert und Straßen freischaufelt, verdient Respekt.

Was ich allerdings deutlich weniger schätze, ist politische Hütchenspielerei. Und genau die erleben wir auf La Palma bei der Nachbereitung des Tajogaite-Ausbruchs seit Jahren in Perfektion.

Da stehen hunderte Betroffene im Aridane-Tal vor den Trümmern ihrer Existenz. Sie haben nicht nur ihre Häuser an die Lava verloren – was als unabwendbare Naturgewalt schon bitter genug ist –, sondern im Chaos der letzten Minuten oft auch ihren gesamten Hausrat, Papiere, Fahrzeuge oder Ernten. Warum? Weil die Evakuierungsanordnung schlichtweg zu spät kam.

Der Tresor von Santa Cruz: Transparenz auf Kanarisch

Man sollte meinen, in einer funktionierenden Demokratie klopft man den Entscheidungsträgern nach so einem Desaster gründlich auf die Finger. Man setzt sich zusammen, öffnet die Mitschriften des wissenschaftlichen Beirats der PEVOLCA und fragt sachlich: „Wer wusste am 17. und 18. September was – und warum blieb die Ampel trotzdem auf Gelb?“

Aber weit gefehlt! Die entscheidenden Tonaufnahmen und Wortprotokolle der PEVOLCA-Sitzungen werden gehütet wie das Rezept von Coca-Cola. Initiativen wie Tierra Bonita müssen sich seit Jahren durch die Instanzen klagen, um einfache Akteneinsicht zu bekommen. Transparenz? Fehlanzeige. Das hauseigene Transparenzgesetz der Behörden scheint ab gewissen Brisanz-Stufen eine automatische Selbstzerstörung eingebaut zu haben.

Man muss kein Hellseher sein, um zu verstehen, woher diese plötzliche Liebe zur Geheimhaltung kommt:

  • Angst vor der Regresswelle: Müssten die Behörden einräumen, dass Warnungen der Geologen vor dem unmittelbaren Ausbruch ignoriert wurden, stünden Schadensersatzforderungen im Raum, die jedes Budget sprengen.

  • Das Zerbröseln der Heldensage: Die offizielle Erzählung von der „perfekt gemeisterten Krise“ bekäme tiefste Risse, wenn öffentlich würde, wie sehr hinter den Kulissen gerungen – oder gar gemauert – wurde.

Erst die Mauern, dann das Lametta

Aber der eigentliche Gipfel des Ganzen kommt ja erst noch. Während die Betroffenen bis heute auf lückenlose Aufklärung und volle Entschädigungen warten, klopft sich die Führungsetage der damaligen Einsatzleitung erst einmal selbst auf die Schultern. Da werden Orden verteilt, Verdienstmedaillen an Spitzenpolitiker überreicht und Feierstunden abgehalten.

Da stehst du also am Rand des Lavafeldes, darfst deine Akten nicht sehen, weißt nicht, warum dir damals keiner 24 Stunden früher Bescheid gesagt hat – und siehst im Fernsehen, wie sich die Verantwortlichen gegenseitig Lametta an die Brust heften. Das hat schon eine ganz spezielle Form von Humor. Leider keinen besonders lustigen.

Warum wir das Thema nicht ruhen lassen dürfen

Ein Haus lässt sich vor der Lava nicht evakuieren. Aber die Würde der Bürger und das Vertrauen in den Staat lassen sich sehr wohl schützen – durch ehrliche Aufarbeitung.

Demokratie lebt nicht davon, dass Politiker sich unfehlbar geben und Akten wegschließen. Sie lebt davon, dass Fehler benannt, daraus gelernt und Verantwortung übernommen wird. Solange die PEVOLCA-Protokolle unter Verschluss bleiben, bleibt ein ganz fader Beigeschmack im Tal zurück. Und den spült auch der beste Insel-Rum nicht so leicht weg.

  • Spätestens bei den nächsten Wahlen kommt die Quittung. So einfach wird dieses Verhalten nicht vergessen!

Was meint Ihr dazu? Schreibt mir Eure Gedanken gerne unten in die Kommentare – denn im Gegensatz zum PEVOLCA-Ausschuss wird hier nichts zensiert!

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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