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Von Spaniern gebracht, streng bewacht und flüssiges Gold im Glas – Wer die Riesen auf 700 Metern heute schützt
Wenn der Herbst auf La Palma Einzug hält, verwandelt sich die mittlere Höhenlage zwischen 600 und 800 Metern in ein feuriges Meer aus Gold und Braun. Wer in diesen Wochen durch El Paso, Puntagorda oder Mazo fährt, riecht ihn überall: den Duft von frisch gerösteten Castañas, die traditionell mit einem Schluck neuem Landwein serviert werden.
Doch wer abseits der Straßen spaziert und spontan ein paar Nüsse vom Boden aufheben möchte, stößt schnell auf ein ungeschriebenes Gesetz der Insel: Es gibt auf La Palma keine „freien“ Kastanienbäume. Jedes Exemplar – egal wie verknorzt oder abgelegen – hat einen Besitzer. Und das aus gutem Grund!
Wann, wie und warum kamen die Kastanien nach La Palma?
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Die Herkunft (16. & 17. Jahrhundert): Die Edelkastanie (Castanea sativa) ist auf La Palma kein urheimischer Baum. Sie wurde nach der kastilischen Eroberung ab dem 16. Jahrhundert von den spanischen und portugiesischen Siedlern auf die Insel gebracht.
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Der „Brotbaum“ der Berge: Bevor die Kartoffel ihren Siegeszug antrat, war die Kastanie das überlebenswichtige Hauptnahrungsmittel in den kanarischen Bergen. Die Nüsse wurden getrocknet, zu Mehl verarbeitet (Harina de Castaña) oder geröstet. Wo Getreide an den steilen Hängen versagte, spross die Kastanie im feuchten Mikroklima der Passatwolken prächtig.
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Wirtschaftsholz und Weinfassbau: Neben den Früchten war das Kastanienholz begehrt: Es ist biegsam, zäh und reich an Gerbstoffen. Während das extrem schwere Tea-Holz (das harzige Kernholz der Kanarischen Kiefer) für die großen Dachstühle, Balkone und Riesenfässer reserviert war, fertigte man aus Kastanienholz vor allem kleinere Weinfässer, die typischen Ernte-Körbe (Cestos) sowie langlebige Zäune und Werkzeugstiele.
Das flüssige Gold der Imker: Der Kastanienhonig
Wer im Frühjahr und Frühsommer durch die Kastanienwälder wandert, hört es kräftig summen. Wenn die Kastanienbäume blühen, läuft die lokale Imkerei zur Hochform auf.
Der daraus gewonnene Kastanienhonig (Miel de Castaño) ist ein absolutes Naturwunder:
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Farbe & Konsistenz: Tiefdunkelbraun, fast bernsteinfarben und angenehm zähflüssig.
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Geschmack: Nicht einfach nur süß, sondern kräftig, malzig, leicht herb und extrem aromatisch – perfekt zu kräftigem kanarischem Ziegenkäse (Queso Palmero) oder frischem Landbrot.
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Besonderheit: Durch den hohen Fruchtzuckergehalt bleibt er besonders lange flüssig und kristallisiert kaum. Wer auf dem Mercadillo ein Glas davon ergattert, hält die geballte Würze der Höhenlagen in den Händen!
Warum heute niemand den Baum einfach gewähren lässt
Dass alle Bäume bis heute in privater Hand oder festen Finca-Strukturen verankert sind, zeugt von der tiefen Wertschätzung der Palmeros. Aber die alten Riesen stehen vor neuen Herausforderungen: Trockenheit, Vernachlässigung alter Terrassen und die drohende Waldbrandgefahr in den heißen Sommern.
Dass die Kastanienkultur auf der Insel nicht verkümmerte, ist auch engagierten Menschen vor Ort zu verdanken. Wie sich nachhaltige Pflege, Tradition und moderner Brandschutz verbinden lassen, zeigt beispielsweise der Verein ASAT (mit meinem Freund Dani) in El Paso. Statt brennbarer Verbuschung setzen sie auf gepflegte Kastaniengürtel als natürliche Schutzschilde gegen Feuer.

Freunde von ASAT beim Sammeln von Kastanien im Wald bei El Paso
(Mehr zu diesem inspirierenden Projekt liest du in meinem ausführlichen Bericht: Kastanien statt Brandschneise – Zu Besuch beim Verein ASAT auf La Palma)
Fazit fürs Gemüt:
Wenn du das nächste Mal unter dem Blätterdach auf 700 Metern Höhe stehst: Genieße den Anblick, kauf dir auf dem Bauernmarkt ein Glas dunklen Kastanienhonig sowie ein Tütchen frisch geröstete Nüsse – und lass die Früchte am Wegesrand liegen. Schließlich wacht irgendwo im Hintergrund sicher schon der stolze Besitzer! 😉
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