Cabeza Lavastrom erreicht das Meer

Lava - Cabeza Lavastrom

1000° C heißer Cabeza Lavastrom stürzt in den Atlantik –

Endlich hat der Cabeza Lavastrom den Atlantik erreicht und stürzt ins Meer. In der vergangenen Nacht um 23.03 Uhr fielen die ersten Lavabrocken über die 90 Meter hohe Steilklippe in das 20° kalte Wasser. Dass eine fast 1000° C heiße Lavamassen damit chemische Reaktionen auslöst, war klar. Viel Wasserdampf durch den thermischen Schock, aber auch eine Reihe von giftigen Verbindungen steigt nun auf.

Schwefel- und Salzsäure haltigen Dämpfe die für Mensch und Tier nicht gut verträglich sind ziehen an der Küste entlang. Es ist das erwartete Gebiet von Playa del Perdido, in der Nähe von Playa de Los Guirres, in der Gemeinde Tazacorte auf der Westseite von La Palma.

„Eine perfekte goldene Pyramide, die sich am Fuß der Klippe ansammelt“, beschreibt Eugenio Fraile vom ozeanischen Schiff Ramón Margalef das nächtliche Schauspiel. Es gilt eine 2 Kilometer große Sperrzone zu Wasser und an Land um den ins Meer stürzenden Cabeza Lavastrom.

Alles Meeresleben wird dabei getötet

Die gesamte Fauna und Flora am Meeresgrund wird aufgrund des Eindringens des magmatischen Materials sterben. Aber sie wird sich in einem oder zwei Jahren schnell wieder erholen, wie wir das 2011 vor La Restinga auf El Hierro einst erlebt haben. Artenreicher mit mehr Fischbesatz, in einer bisher unbekannten Vielfalt (siehe El Hierro Beiträge).

 

Vulkan

Live Aufnahme von heute Morgen von RTVC

Der Vulkan zerstört alles, schafft aber auch neues Leben. Ein natürlicher Vorgang der neue Mineralien und Nährstoffe bringt und das Leben auf La Palma überhaupt erst möglich gemacht hat. 

Jetzt sitzt der Schock natürlich tief, vor allem bei den Menschen die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Es waren aber wir Menschen, die in diesen vulkanischen Lebensraum eingedrungen sind und jederzeit mit einem Vulkanausbruch zu rechnen hatten. Die Natur lässt sich nicht bändigen. La Palma ist eine junge Insel von gerade einmal 1,8 Mio. Jahren und noch im Wachstum. Es wird auch in Zukunft alle 30 bis 40 Jahre eine Vulkaneruption geben.

Auch jetzt wird vielleicht bei Tazacorte eine neue Halbinsel oder zumindest eine Ausbeulung, wie damals La Bombilla beim San Juan Ausbruch entstehen. Eine neue Fläche und mehr Lebensraum um Bananen oder andere Früchte anzubauen.

Die Bebenserie hält weiter an

Erdbeben - Cabeza LavastromAuch in der Nacht gab es wieder eine ganze Reihe von Erdbeben aus der Magmakammer in 9 bis 14 Kilometer Tiefe.

Die Auswirkungen werden heute am Vulkan Cabeza seh- und spürbar sein. Schon in der Nacht gingen die kleinen Explosionen und Lavaauswürfe ohne Unterbrechung weiter.

Noch mehr Lava wird er auswerfen und zur Küste transportieren. Zumindest besteht jetzt nicht mehr die Gefahr, dass sich der Lavastrom verbreitert und weitere Häuser und Gärten in seinem Strom versenkt.

Es sind natürliche Pumpvorgänge wie es bei vielen aktiven Vulkanen zu beobachten ist. Neue Magma wird aus noch viel tiefer liegenden Reservoirs in die Kammer befördert. Engstellen werden unter Druck und extremer Hitze „weggesprengt“ und erzeugen Beben.

Letztendlich wird die ausgetretene Lava neues fruchtbares Land schaffen.

Vielleicht entsteht auch eine „Lavainsel“ wie in Pozo de Las Calcosas im Norden von El Hierro. Heute ein Gebiet mit Wochenendhäusern und ein imposantes Freizeitgebiet mit natürlichen Meerwasserpools.

 

Calcosas

10.30 Uhr – Die Lava des Vulkans Cabeza habe begonnen, an der Küste von Tazacorte ein Delta zu bilden, das „nach und nach vom Meer an Boden gewinnt“, hat das Spanische Institut für Ozeanographie (IEO) in seinem Twitter-Account gemeldet.

Der Salvamar Alphard de Salvamento Marítimo, am Strand von Los Guirres, wacht über die Einhaltung der Sperrzone an der Küste von Tazacorte.

10.45 Uhr – Der Flughafen Mazo ist weiter geschlossen bzw. ohne Betrieb. Zu viel Vulkanasche ist in der Luft unterwegs und ein Anflug zu gefährlich.

In eigener Sache: Ich danke den vielen Kommentatoren und freue mich natürlich über das rege Interesse. Nur weil ich Rentner bin, kann ich den ganzen Tag vor dem Computer hocken und ihn mit Informationen füttern. Gut es ist mein Hobby und Vulkanologie ein spezielles Interessengebiet. Zum Glück ist der Vulkan jetzt ausgebrochen.

Ab November bin ich wieder mit Gästen von AIDA und TUI Mein Schiff auf Ausflugstouren. Vielleicht auch schon zum neuen Vulkan Cabeza. Dann bin ich nur noch „Halbrentner“ und habe nicht mehr so viel Zeit.

11.30 Uhr Als wenn es nicht schon reicht: Die staatliche Wetterbehörde (Aemet) hat an diesem Mittwoch die gelbe Warnung durch starke Winde im Westen und dem Gipfel von La Palma aktiviert und die Warnung vor Küstenphänomenen (hoher Wellengang) im Westen und Osten der Insel bis Donnerstag verlängert. Böen bis 70 km/h vor allem in der Gemeinde El Paso sowie der äußerste Nordwesten und Südosten der Insel.

12.00 Uhr – Hier noch einige Fotos aus Tazacorte von gestern Abend (Danke an Neil/ Guardia Civil)

12.10 Uhr – Jetzt wird der Cabeza richtig munter. Werft mal einen Blick auf die LIVE-Cam.

13.00 Uhr Alle Straßenverbindungen ab Los Llanos oder El Paso Richtung Süden sind gekappt. Die einzige verbleibende Möglichkeit besteht darin, die Insel auf der Ostseite zu umrunden und über Mazo und Fuencaliente in den südlichen Teil des Aridane-Tals auf der anderen Seite des Lavastroms zu gelangen.

13.05 Uhr Neues Land entsteht. Noch wird es Delta genannt. Es wird weiter wachsen. Aufnahmen vom Schiff.

13.15 UhrKein Trinkwasser – Das komplette Bewässerungssystem in Puerto Naos, El Remo und Las Hoyas ist lahmgelegt. Auch die Bananen können nur noch mit den Vorräten aus den Tanks bewässert werden.

13.20 Uhr – Das Cabildo de La Palma hat an diesem Mittwoch die Bewohnern von Tazacorte empfohlen, ihre Häuser nicht zu verlassen und außerhalb der Sperrzone zu bleiben, und fügte hinzu, dass der Zugang in evakuierte Bereiche nicht gestattet ist.

13.25 Uhr – Der erste Binter Inselhüpfer ist soeben sicher auf dem Flughafen Mazo gelandet.

14.10 Uhr -Die Guardia Civil hat in einem Bananenlager im Aridane-Tal interveniert, um angesichts der drohenden Ankunft von Lava so schnell wie möglich 10 Tonnen giftiger chemischer Produkte zu entfernen.

Heute Morgen wurden eine beträchtliche Anzahl von Lastwagen mit chemischen Produkten wie Ammoniumnitrat, Schwefel sowie anderen phytosanitären Komponenten aus dem Lager beladen, das weniger als 90 Meter von dem Lavastrom des Vulkans entfernt liegt. Die Ladung wurde über die Ostseite in den Süden von La Palma geschafft.

14.45 Uhr – Die Erdbeben halten weiter an. Das stärkste Beben heute um 11.13 Uhr mit ML3.3 in Fuencaliente aus 11 km Tiefe. Der Vulkan Cabeza erhält weiter Magma-Nachschub und wird weiter kräftig spucken.

15.00 Uhr – Beeindruckende Bilder von der Kraft und Intensität unseres neuen Vulkan auf La Palma – Webcam

16.00 UhrMitteilung der IGN: In den letzten 24 Stunden wurden auf der Insel La Palma 21 Erdbeben in einer Tiefe zwischen 9 und 14 km im selben Gebiet lokalisiert, in dem die Intrusion am 11. September begann. Die maximale aufgezeichnete Magnitude beträgt 3,3 (mbLg), was 4 der Erdbeben entspricht, von denen eines von der Bevölkerung mit einer maximalen Intensität von III in der Epizentralzone wahrgenommen wurde.

Die mittlere Amplitude des vulkanischen Bebens ist in den letzten 24 Stunden in allen Stationen der Insel sehr stabil geblieben, in einem mittleren bis niedrigen Wertebereich in Bezug auf die seit Beginn des Ausbruchs beobachteten Werte.

Das Netz der permanenten GNSS-Stationen der Insel weist bei Station LP03 leichte Erhebungen und Verformungen in Richtung Südwesten und bei LP04 in geringerem Maße auf.

Heute Morgen hat das IGN aufgrund der Höhenabnahme der Eruptionssäule eine neue VONA (Volcano Observatory Notice for Aviation) herausgegeben, die die aktuelle Säulenhöhe von 3.500 m über NN mitteilt. Diese VONA wurde, wie in den Protokollen der Internationalen Zivilluftfahrt festgelegt, an das VAAC (Volcanic Ash Advisory Center) von Toulouse, das ACC Canarias (Area Control Center) und die AEMET (State Meteorological Agency) gesendet.

16.20 Uhr – Die Direktion PEVOLCA hat heute neue Daten über den Zustand und die Schäden veröffentlicht, die der Vulkan La Palma in diesen 11 Tagen des Ausbruchs verursacht hat. Diesen Daten zufolge zerstörte die Lava, bevor die Lava das Meer erreichte, 744 Gebäude (88 davon teilweise) und begrub 476 Hektar Land.

18.10 Uhr – Die gemessene Schwefeldioxid-Emissionsrate ist auf 10.757 Tonnen pro Tag gestiegen. Die neue Insel oder das Delta in Tazacorte hat bereits eine Breite von fast 500 Meter.

18.15 Uhr Binter Airways hat den Flugbetrieb mit La Palma wieder aufgenommen.

19.30 Uhr – Heute haben sich Millionen Kubikmeter vulkanisches Material (bis vor 24 Stunden wurden fast 50 Millionen Kubikmeter durch die Emission emittiertes Material gezählt) in dem Bereich der Küste vor Tazacorte abgelagert.  In den nächsten Tagen wird die Insel (Delta) weiter wachsen, solange die Eruption noch aktiv ist und der Lavastrom weiterhin in Richtung derselben Route austritt.

  • Fortsetzung folgt

 

 

Literatur zu La Palma

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Wetter La Palma

65 Kommentare zu "Cabeza Lavastrom erreicht das Meer"

  1. Sehr geehrte Superschlaumeier insbes. Herr Körner,
    ein Vulkan kann auch nach Jahrhunderten oder gar JAhrtausenden wieder aktiv werden, Nach Ihrer bestechenden Logik hätte man Neapel nie bauen dürfen und – Stichwort Erdbeben – eigentlich den gesamten Mittelmeerraum auch nicht und Japan und ….
    … und La Palma schon gleich gar nicht – nirgends! Wann wäre denn ihrer „Experten“meinung nach dann eine Baugenehmigung zu erteilen? Nach 100, 200 oder 1000 Jahren? Typisch deutsche Besserwisserei!

    • Richtig….ein ganz Schlauer!!!!!

      Hoffentlich setzt er sich nicht in ein Auto, denn da ist die Gefahr noch grösser….

      • An alle erhitzen Gemüter,
        beschränkt euch auf das Wesentliche, ein Vulkanausbruch mit all seinen schwerwiegenden Folgen für die Bevölkerung.

        Und wer es ganz lieb meint unterstützt auch noch ganz direkt einen Betroffenen, ob mit oder ohne Spendenbescheinigung.

        • Genau darum geht es….um Hilfe … und zwar spontan und gleich…
          Es ist wie es ist…schrecklich…und man muss handeln….

          In den Bergen sind’s die Lawienen, an Flüssen Hochwasser, muränenabgänge ,Erdrutsch die Häuser wegspülen usw.

      • Vertreter: „Ma’am, mit diesem Staubsauger haben Sie nur noch halb so viel Arbeit.“ Sie darauf: „Fantastisch! Dann nehme ich gleich zwei davon …“

    • „ein Vulkan kann auch nach Jahrhunderten oder gar JAhrtausenden wieder aktiv werden (…)“

      Danke für diese Info, das dürfte dann wohl vielen nicht bekannt gewesen sein. Nun ernsthaft: Es geht halt darum in der eigenen Lebenszeit gewisse Risiken einzuschätzen, wenn Entscheidungen anstehen und da lässt sich sehr wohl anhand vernünftiger Abwägung(en) das Risiko minimieren. Wie auch La Palma unterschiedliche Risikozonen hat, die selbstverständlich zu unterscheiden sind.

      „Typisch deutsche Besserwisserei!“
      Das schreiben dann immer jene ‚Deutsche‘, auf die (falls überhaupt!) diese Zuschreibung selbst zutreffen mag. Als ob die Vernunft kein positives Merkmal mehr wäre.

  2. Die Karte auf OSM (https://www.openstreetmap.org/relation/13249829#map=14/28.6154/-17.8966) wurde wieder aktualisiert. Und der Lavastrom „verschoben“, sprich aktualisiert. Danach ist es wohl doch jetzt so, dass die Lava nicht weitgehend an Pampillo vorbei ist, sondern mitten durch. Mindestens 50 größere Gebäude. Zwar hätten die Häuser auch 50 oder 100 Meter neben dem glühenden Strom wohl sowieso keine Chance gehabt (anders als bei der Blocklava der letzten Tage), aber dennoch.

  3. Gibt es eigentlich eine Übersichtskarte vom Lavastrom, sprich welchen Weg er genommen hat.

  4. Bezüglich der Spenden.
    Kennt jemand eine deutsche Organisation die für La Palma spenden entgegen nimmt die man absetzen kann. Steuerrechtlich muss es eine Organisation sein die von der deutschen Steuerbehörde für die Annahme von Spenden registriert ist?
    Spenden an spanische Organisationen sind erstmal nicht absetzbar.

    • Typisch deutsch….!….
      Einfach spenden …….ist doch nicht so schwierig …auch mal ohne Bescheinigung…
      Die Menschen haben alles verloren….und brauchen schnelle Hilfe.da überlegt man nicht lange…Einfach tun…

      • Ich als Fragender spende viel (meist mehr als 1000 Euro pro Jahr).
        Wenn ich nun als Steuerempfänger von gespendeten 100 Euro davon 38 Euro zurückbekomme habe ich das in meine Spendenentscheidung bereits mit berücksichtigt.

        Es gibt weltweit soviele bedürftige Menschen, sodass ich meine Spenden so effektiv wie möglich einsetzen will – und ich finde es sinnvoll dass der deutsche Staat sich an meinen Spenden beteiligt und dadurch meine Spendenhöhe insgesamt auch erhöht.

        Meine Frage war wertneutral – warum soll ich eine Spende nicht absetzen können – ich kann mir nicht vorstellen, daß ein spanischer steuerpflichtiger Bürger das nicht auch in Spanien machen kann.

        Typisch Deutsch ist Ihre Unterstellung.

        • Wenn ich was spende, dann spende ICH, um den Menschen schnell zu helfen und zu unterstützen.
          Und erwarte nicht vom Staat eine Mitbeteiligung oder einer teilweisen Erstattung …..so traurig….

      • Mit Verlaub, es gibt menschliche Existenzen, welchen bei Ausgaben ohne Beleg die Belangung für Veruntreuung oder Bilanzierungsprobleme drohen. Vielleicht sind in dem Beitrag auch ganz andere Bedürfnisse gemeint, die sich uns einfach nicht erschließen. Ist aber auch egal – es geht ja echt um nichts Unsittliches.

        • Ich verstehe es einfach nicht…dieses kleinkarierte…es geht um Hilfe für Menschen in Not…schnelle Hilfe…
          Und da hab ich meinen Beleg der Überweisung..da steht alles drauf…mir recht das…denn ich werde ,wenn ich spende nicht den Staat auch noch mit ins Boot holen.
          Aber da ist jeder anders…..traurig…

    • Ich finde die Reaktion samt Abwerten etwas übertrieben. Da möchte jemand helfen, vielleicht sogar mit größerer Summe, fragt eigens nach, und wird gleich abgewatscht. Was ist mit all denen, die nicht spenden? Was ist schlimm daran, wenn sich der Staat an der Spende beteiligt? Das ist nicht „typisch deutsch“, das ist legitim. Ebenso könnte man der Frau, die gestern Kinderkleidung angeboten hat, einen Shitstorm anhängen a la „ach, das abgetragene Zeug soll gespendet werden, mehr haben Sie nicht übrig?“. So gehts nicht – andere demotivieren und damit Hilfe verhindern! Jede Form von Hilfe ist gut, und die Bereitschaft sowieso. Typisch deutsch ist wohl eher das Herummäkeln an anderen, während man selbst nichts tut (so wie ein Fleischesser, der einen Vegetarier kritisiert, weil der noch Eier isst…)

      • Geht’s noch….
        Ich habe bereits gespendet…auch beim Feuer….ohne Spendenbeleg….stellen Sie sich vor das geht auch
        Einfach tun.. und nicht immer alles belegen, hinterfragen usw

  5. Müller Rüdiger | 29. September 2021 um 14:14 | Antworten

    Hallo Herr Betzwieser,

    ich habe Ihre Internetseite schon vor Jahren, bei den Aktivitäten auf El Hierro Monatelang verfolgt. Sie machen das einfach klasse.
    Ihre Querverweise zu anderen Internetseiten wie Web Cam, geologischen Instituten und vieles mehr sind immer sehr hilfreich.

    Vielen Herzlichen Dank dafür.

  6. Yvonne Zimmermann | 29. September 2021 um 14:06 | Antworten

    Ich finde die Mächtigkeit der Natur hier, die uns unsere Grenzen aufzeigt, faszinierend und natürlich muss man immer mit solchen Ausbrüchen rechnen, so wie man hier mit Überschwemmungen rechnen muss. Das hat auch mit Fehlern in der Bauplanung zu tun. Doch wo ist es auf einer Vulkaninsel wirklich sicher? Feuer und Wasser suchen sich ihren Weg. Gut, dass es bisher wohl keine Toten gegeben hat. Allerdings tun mir die Menschen leid, die alles verloren haben, bzw. Deren Lebensgrundlagen vernichtet wurden und die Tiere, die nun herumirren oder gestorben sind. Ich selbst war 2x in Todoque und habe schöne Wanderungen auf La Palma unternommen. Von daher finde ich es schlimm, dass nun auch die Kirche und der Platz fallen mussten. Vielen Dank für die Berichterstattung.

    • Danke. Beruhigend. Stufe 2 = kaum zu spüren, Stufe 3 = leichte Erschütterungen. Es rumpelt halt seit Tagen, aber Erdbeben kann man das nicht nennen.

  7. Vielen Dank wieder für den tagesakutellen Bericht. WEnn ich sie richtig verstehe, wird sich die „neue“ Lava an dem Strom der im Meer ist orientieren??? Das wäre ja eine Erleichterung für alle die inzwischen tagelang um Ihr Hab und Gut bangen, der Schaden ist eh schon gewaltig

    • Sieht so aus, als würde die jetzt sehr dünnflüssige Lava durch eine „Lavatube“ sausen und dann ein einem verhältnismäßig schmalen „Fluß“ südlich des alten Kegels ins Meer. Aber wenn man die OSM-Karten alle paar Stunden vergleicht (https://www.openstreetmap.org/relation/13249829 – woher auch immer die die Detailangaben haben), sieht man auch, dass die Flanken der Lavawalze der letzten Tage auch noch voran kommt, immer wieder verschwinden kleinere Flächen, so heute am Tälchen an der Schule von Todoque. Und solange der Vulkan keine Ruhe gibt, ist keine Entwarnung angesagt. Will nicht unken, aber wenn die Lava wieder dickflüssiger wird, der Schlot einstürzt und den Abfluss blockiert, oder ein paar Tage Ruhe einkehren in denen der Lavatunnel erstarrt, kann alles von vorne losgehen, sogar mit neuen Lavaflüssen von ganz oben. Also weiter bangen und nicht zu früh Entwarnung geben.

  8. Sehr geehrter Herr Betzwieser, ich möchte mich bei Ihnen herzlich bedanken, dass Sie so sachkundig und ausführlich über den Vulkanausbruch und seine furchtbaren Folgen schreiben. Wir verfolgen kontinuierlich alle Informationen und Nachrichten.Normalerweise wären wir in diesem Jahr von August bis Oktober auf La Palma gewesen, haben in diesem Jahr wegen der Pandemie aber abgesagt.
    Wir kennen La Palma sehr sehr gut. Umso schmerzhafter ist es für uns, die Nachrichten zu lesen, die Bilder und Videos zu sehen. Vieles, was zerstört wurde, ist uns bekannt. (Seit 1997 verbringen mein Mann und ich unseren Urlaub in La Palma, in den letzten Jahren immer mehrere Monate am Stück. Seit vielen Jahren im Bereich Fuencaliente, davor im Bereich Las Manchas und La Punta.)
    Wir wünschen allen Menschen in La Palma viel Kraft in dieser sehr schwierigen Zeit. Unsere Gedanken sind in La Palma. Hoffen wir, dass der Vulkan bald wieder zur Ruhe kommt und La Palma und seine Menschen Stück für Stück wieder in einen – wenn auch stark veränderten – Alltag zurückkehren können.

    Noch ein kleiner Nachtrag zum eben angesprochenen Thema Bebauung im Lavagebiet: Auch wir haben uns schon sehr oft gewundert/gefragt, wie, sozusagen mitten im Gebiet der Vulkane, gebaut werden darf. Ihren Beispielen Puerto Naos und La Palma/Teneguia Prinzess kann ich mich nur anschließen. Aber auch Fuencaliente ist eine für uns unverständliche Entscheidung: Der geplante Bau des sehr großen, mehrstöckigen „Spa an der Fuenta Santa“.

  9. Hallo Herr Betzwieser, zuallererst ein Lob und ein Danke für die Berichterstattung ihrerseits. Seit dem El Hierro Ausbruch vor 10 Jahren verfolge ich recht regelmäßig ihren Blog, um mich über die Kanaren auf dem laufenden zu halten sofern wir nicht dort Urlauben 🙂 .

    Nun habe ich eine Frage an Sie bzw. würde mich Ihre Meinung interessieren: Meine Frau und ich spenden jedes Jahr kleinere Beträge an diverse Einrichtungen bzw. ausgewählte Projekte (Korallenriff „aufforsten“, unser lokalen Bärenpark usw.) jedoch bin ich kein großer Freund von den üblichen „Verdächtigen“, den großen Institutionen, wo viel Spendengelder nicht dort ankommen wo sie wirklich benötigt werden, bzw. in den eigenen Taschen verschwinden. Dieses Jahr haben wir uns dazu entschieden einen Teil davon den Vulkangeschädigten zukommen zu lassen. Welches ist Ihrer Meinung nach die sinnvollste Institution? Bzw. gibt es mehrere ausser dem Spenden Aufruf des Cabildo de la Palma?

    Vielleicht finden Sie Zeit für eine Antwort und genießen Sie die „Rente“…

    Freundliche Grüße aus dem ruhigen Schwarzwald

    • Manfred Betzwieser | 29. September 2021 um 12:26 | Antworten

      Lieber Herr Simon aus dem Schwarzwald,

      eine sehr schöne Gegend in der ich früher oft war. An Silvester in Hinterzarten oder am Titisee.
      Mit Geldspenden würde mal noch abwarten. Es gibt wohl einige Konten vom Cabildo oder der Gemeinde Los Llanos. Besser wäre direkt an einen Betroffenen zu spenden, der Haus und Hof verloren hat.

      Dazu habe ich aber noch keine Adressen. Ich bin gerne bereit zu gegebener Zeit einige wirklich Hilfsbedürftige ausfindig zu machen und die Daten, wenn gewünscht, weiterzureichen.

      Liebe Grüße
      Manfred

      • Danke für die schnelle Antwort, da stimme ich Ihnen zu und genau darauf wollte ich hinaus.

        Vielleicht können Sie, wenn Sie solche „Schicksale“ ausfindig gemacht haben einen extra Post in Ihrem Blog dazu machen. Ich denke es gibt noch mehr Mitleser dieses Blogs, die 5/10/20/50 Euro übrig haben um einen kleinen Unterschied zu machen ausserhalb allem staatlichen. Vielleicht auch der kleine lokale Handwerker der sein Inventar oder seine komplette Lebensgrundlage durch den Ausbruch verloren hat und sich ein paar neue Werkzeuge oder Dinge zum Neustart dadurch besorgen kann. Vielleicht kann man so einen Arbeitsplatz und ein Einkommen retten oder mit der Zeit sogar noch einen dazu gewinnen. Für Essen und Dinge des Alltags wird denke ich von staatlicher Seite schon gesorgt werden, aber ohne Lebensgrundlage bzw. Arbeitsplatz und Einkommen kann sich niemand selbst helfen.

        Ist nur ein möglicher Vorschlag und fände ich persönlich eine gute Sache sofern Sie überhaupt Zeit dafür finden.

        Der Schwarzwald grüßt zurück, allerdings der Nördliche 😉

  10. Lieber Herr Betzwieser,
    ich kann keine passenden Worte finden, um meine Dankbarkeit für Ihre Berichte auszudrücken. Diese Situation beobachte ich nur von Weitem und betrifft sie mich nicht persönlich. Aber ich habe die Insel zweimal besucht. Und jetzt musste ich meine Reise nach La Palma, die für heute geplant war, stornieren. Ich habe die Tränen in den Augen und gleichzeitig ein Herz voller Liebe! Vielen Dank!

  11. Dazu auch ein sehenswertes Drohnenvideo:

    https://www.youtube.com/watch?v=e_y5-zW2AO0

    Danach sieht es auch so aus, als wenn der Lavastrom den Montana Todoque nur südlich umfließt.

  12. Mittlerweile hat sich schon eine beachtliche Fläche neuen Landes im Meer entwickelt, Tendenz stark steigend: DIRECTO #VOLCÁN | La LAVA llega al MAR en LA PALMA – YouTube

  13. Fliesst die Lava südlich und/oder nördlich des Montaña de Todoque

  14. „Es waren aber wir Menschen, die in diesen vulkanischen Lebensraum eingedrungen sind und jederzeit mit einem Vulkanausbruch zu rechnen hatten“ Gut, dass Sie das sagen als Einheimischer. Ich hatte sowas auch gestern gedacht, aber nicht getraut, das in dieser Lage zu äußern. Ohnehin ist mir unverständlich, wieso in so direkter Nähe zu den Lavaströmen des letzten Jahrhunderts überhaupt Baugenehmigungen erteilt wurden. Das ist schlicht Gefahrengebiet und unverantwortlich. Mir tun die Leute leid, die damit hereingelegt wurden und nun vor dem Nichts stehen, weil Verantwortliche solche Gebiete zur Besiedlung freigeben. So wie bei uns die Flussniederungen mit Überschwemmungsgebieten (Ahrtal) – schnell was trockenlegen und bebauen, sollen die Leute doch sehen was passiert, wenn die Natur sich meldet. Daher sollte schon aus Sicherheitsgründen und Verantwortung dieser ganze Bereich rund um die Lava und die aktiven Vulkanschlote zu einem Nationalpark werden. Das bringt auch mehr Tourismus und Arbeitsplätze als neue Bananenplantagen.

    • Manfred Betzwieser | 29. September 2021 um 11:16 | Antworten

      Hallo Stefan,

      es war und ist für mich bis heute unverständlich, daß Puerto Naos direkt neben dem alten Lavastrom des San Juan gebaut werden durfte.
      Noch gravierender das Touristendorf Princess in Fuencaliente. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der nächste Lavastrom über das Hotel hinweg geht.

      Aber Politik und Geld machen Dummheiten, die mit gesundem Menschenverstand nicht zu begreifen sind.

    • Ganz unabhängig von „Baugenehmigungen“ liegt die Überlegung/Entscheidung aber immer noch beim Interessenten selbst und falls dort überhaupt ernsthaft bedacht, wohl nach dem Motto gehandelt wurde: „lange her, wird schon nichts passieren und falls doch, dann nicht gerade hier usw.“

      Wenn ‚wir‘ vor ~ 20 Jahren beim Umzug analog gehandelt hätten, wären wir voll im Überschwemmungsgebiet gewesen und man hätte unsere Entscheidung damals wohl belächelt. Wobei die höhere Lage eine einfache Alternative war, während auf La Palma auch an anderen Stellen Vulkane neu auftreten können, sodass vergleichbare Sicherheit letztlich nicht vorhanden ist.

      • Ich finde es zu einfach, die Verantwortung auf Bauwillige zu schieben. Wer hat schon den fachlichen Hintergrund und die Daten, um abzuschätzen, wie lange ein Vulkan schon/noch schläft, wie hoch eine Hochwassergefahr ist oder ob ein Bergrutsch droht. Es ist Aufgabe eines Staates, seine Bürger zu schützen. Die Fakten sind bekannt, die Wissenschaftler warnen, reagiert wird nicht. Dank kurzer Legislaturperioden und dass man Entscheidungsträger in der Politik nicht in Regress nehmen kann, wenn Sie im Amt den größten Unfug machen. Und in diesem Fall geht es ja auch nicht um „Wiederaufbau“ wie im Ahrtal (und selbst da wird es an einigen Stellen diskutiert), sondern um Flächen, die auf Jahre hinaus nicht nutzbar sind (so lange dauert es, bis die Lava auskühlt). Für die direkt Betroffenen bleibt sowieso nur Neuanfang an neuer Stelle. Und warum mühsam mit riesigem Aufwand Lavaströme mit Erde bedecken, um wieder umweltschädliche, wasserfressende und hoch subventionierte Bananenplantagen anzulegen, wenn der „naturbelassene“ Lavastrom zigtausende Touristen anlocken würde?

        • „Ich finde es zu einfach, die Verantwortung auf Bauwillige zu schieben.“

          Das habe ich ’so‘ nicht geschrieben. Ich kann aber mein persönliches Risiko auf ein paar Lebensjahrzehnte hinaus durchaus vernünftig reduzieren und dazu bedarf ich keiner ‚Experten‘ um zu wissen, dass in bestimmten Höhenlagen eben keine Überflutung zu erwarten ist, wie es auch ziemlich wahrscheinlich sein dürfte, dass im nördlichen Bereich von El Time aus eher nicht mit vulkanischen Aktivitäten zu rechnen ist.

          Unsere möglichen Wohnorte auf La Palma lagen deshalb auch immer außerhalb dieser Bereiche.

          Jeder kann sich heute im Netz auf wissenschaftlichen Seiten informieren (oder halt direkt mit Fachleuten sprechen), um sich davon leiten zu lassen. Und falls dann immer noch berechtigte Zweifel bleiben, dann liegt es an der Mentalität, wie man damit umgehen kann.

          • Stefan Körner | 29. September 2021 um 14:00 |

            Stimmt schon. Leider hapert es mit dem gesunden Menschenverstand bei vielen, sonst würde in solchen Regionen niemand bauen. Oder wie eine Dame vor ein paar Tagen schrieb: „Wir haben da gekauft, weil wir die Vulkanlandschaft so toll fanden“. Ist ok, wenn man das Risiko kennt und bereit ist, es zu erdulden, wenns schief geht. Wenn aber Politiker und Baulöwen naiven Leuten solche Lagen andrehen, dann halte ich das für kriminell.

          • Helmut Lahme | 29. September 2021 um 22:47 |

            Hola, dann dürfte auf den Kanaren kein Haus stehen, besonders auf La Palma und El Hierro. Aber auch nicht in der Vulkaneifel in Deutschland. Nicht an anderen aktiven Vulkanen und auch nicht an Flüssen. Es ist nicht die Politik.
            Es sind die, die sich oft das Risiko leisten können.
            In Todoque und im oberen Teil davon leben viele Residenten,
            die dort leben oder ihr Ferienhaus haben. Ansonsten wäre das Gebiet wenig besiedelt. Die Palmeros tun mir leid, die alles verloren haben, Haus, Job und mehr.
            Hören Sie doch bitte mit ihrem Blablabla auf.
            La Palma ist eine junge Vulkaninsel. Sie wird auch noch die nächsten Jahre immer wieder für Überraschungen gut sein.

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