Bettenburgen statt bezahlbarer Wohnraum: Der 2.000-Betten-Wahnsinn in Puerto Naos

Geplanter Hotelkomplex in Puerto Naos

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Sieben Etagen Sarkasmus: Wie die Politik an den Sorgen der Palmeros vorbeiplant!

Puerto Naos Bettenburgen bezahlbarer Wohnraum La Palma. Ich gebe es offen zu: Manchmal reibe ich mir morgens die Augen, wenn ich die Lokalpresse aufschlage, und frage mich, ob wir hier auf La Palma in einem Paralleluniversum leben.

Während unzählige Familien im Aridanetal jahrelang nach der Vulkankrise verzweifelt nach einer bezahlbaren Mietwohnung suchen, die Preise für das bisschen freien Wohnraum astronomische Höhen erreichen und man für eine kleine Bleibe gefühlt eine Niere verpfänden muss, präsentiert uns die Politik in Los Llanos de Aridane die Rettung unserer Insel: Über 2.000 neue Touristenbetten in Puerto Naos!

Genau das hat den Palmeros noch gefehlt. Wer braucht schon ein Dach über dem Kopf für die eigene Bevölkerung, wenn er stattdessen Betonklötze für Urlauber an die Küste pflastern kann? Siehe dazu auch meinen Beitrag „La Palma siegt, Teneriffa verliert“.

Sieben Etagen Sarkasmus: Wie die Politik an den Sorgen der Palmeros vorbeiplant

Schauen wir uns die Fakten aus dem neuen Entwurf (Instrumento de Planificación Singular Turístico) doch einmal genauer an – mit einer großen Dosis Humor, denn anders hält man das kaum noch aus:

  • 2.109 neue Schlafplätze für Urlauber: Verteilt auf sechs gigantische Gebäudekomplexe südlich von Puerto Naos.

  • Bis zu 7 Stockwerke hoch: Stolze 28 Meter ragt der Betontraum dann in den Himmel. Zum Vergleich: Das bisherige Hotel in Puerto Naos sieht daneben aus wie eine kleine Strandhütte.

  • Tschüss Platanos, hallo Betonschick: Dafür sollen knapp 28 Hektar ertragreiches Bananenland weichen. Weil Bananen ja überbewertet sind – Beton wirft schließlich mehr Rendite ab!

  • Die Begründung der Planer: Das sei ein Modell mit „maximaler ökologischer Integration“ und „minimalem visuellen Impact“. Man will nämlich eine „Massivwand“ an der Küste vermeiden. Na, da bin ich aber beruhigt! Wenn man 28 Meter hohe Blöcke mit ein bisschen Grünzeug an der Fassade bepflanzt, sieht man die Siebengeschosser bestimmt gar nicht mehr. Das ist keine Betonwüste, das ist ein „vertikaler Garten“!

Man muss diese sprachliche Akrobatik einfach bewundern. Die Planer wollen uns allen Ernstes verkaufen, dass siebenstöckige Klötze im Grunde Natur pur sind.

Planungsskizze

Ein Schlag ins Gesicht für die Bevölkerung

Jetzt mal im Ernst und ohne Zynismus: Für wen wird hier eigentlich Politik gemacht?

Die Menschen auf La Palma kämpfen Tag für Tag mit den Folgen der Vulkankrise. Junge Palmeros können sich keine eigene Existenz mehr aufbauen, Familien finden keine Mietwohnungen, Rentner werden aus ihren Wohnungen gedrängt. Und die Antwort des Rathauses und der Inselpolitik ist nicht etwa ein massiver sozialen Wohnungsbau oder Gründstücksfreigaben für Einheimische – nein, man kramt lieber Baupläne aus den 1960er Jahren wieder aus!

Das ist kein Fortschritt, das ist ein gesellschaftlicher Verrat an den Menschen, die dieses Eiland nach der Katastrophe wieder aufgebaut haben und hier leben wollen.

Wer 2.000 Betten bauen kann, der hat auch die Ressourcen, die Flächen und die Genehmigungen für 500 bezahlbare Mietwohnungen für die eigenen Bürger. Wer aber lieber Investoren den roten Teppich ausrollt, während die eigene Bevölkerung im Tal im Wohnungsnotstand erstickt, hat den Schuss schlichtweg nicht gehört.

Wir brauchen keine siebengeschossigen Urlauber-Paläste an der Küste. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für die Menschen, die hier arbeiten, Steuern zahlen und das Leben auf La Palma überhaupt erst ausmachen!

Was denkst Du darüber?

Jetzt ist Deine Meinung gefragt: Ist dieser 2.000-Betten-Plan der dringend benötigte wirtschaftliche Befreiungsschlag für die Insel – oder der endgültige Ausverkauf der Heimat auf dem Rücken der einheimischen Bevölkerung?

Schreib es mir in die Kommentare und diskutiere mit!

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

4 Kommentare zu "Bettenburgen statt bezahlbarer Wohnraum: Der 2.000-Betten-Wahnsinn in Puerto Naos"

  1. Die ausführliche Erklärung, wie in Spanien die Immobilienpreise sehr profesionell nach oben getrieben werden, sprengt einfach den Rahmen eines Kommentars.

    Aber das Wichtigste für La Palma: Während auf einem normalen Immobilienmarkt ca. 35 bis 40 Prozent der leerstehenden Wohnimmobilien zur Miete oder zum Verkauf angeboten werden, sind es auf La Palma unter 5 Prozent. Bei einem geschätzen Bedarf von ca. 1.500 Viviendas gibt es ca. 12.000 leerstehende Wohneinheiten. Diese sind dazu noch quer über die Insel verteilt. Das bedeutet, dass es an Orten, wo es praktisch einen Bedarf an Wohneinheiten gibt eigendlich einen Überschuss an Viviendas gibt. Nur kommen diese nicht auf den Markt. Dies ist notwendig damit das gute Geschäft mit den Immobilien auf la Palma so weiter gehen kann. Denn würden auf einmal nur 15 Prozent der leerstehenden Viviendas angeboten werden (was immer noch weniger als die Hälfte im Vergleich zu normalen Immobilienmärkten wäre), dann gäbe es plötzlich einen Angebotsüberhang und die Preise würden purzeln.

    Daher bitte ich die Palmeros um Verständnis. Würden die Lokalpolitiker das Viviendaproblem lösen, dann wäre das ganze schöne Immobiliengeschäft im Eimer. Und das kann doch keiner ernstlich wollen!

    • Hallo Ivo,danke für Deine spitzfindige und wunderbar ironische Analyse!
      Da hast Du den Finger genau in die Wunde gelegt – wer braucht schon Angebot und Nachfrage, wenn man künstliche Verknappung haben kann?Ein kleiner, pikanter Zusatz gehört zu diesen hübschen „12.000 leerstehenden Viviendas“ aus den offiziellen Statistiken aber noch dazu: In diesen Zahlen wurde ja im Grunde jede verfallene Scheune, jeder alte Ziegenstall und jedes Häuschen ohne Dach auf der Insel mitgezählt!

      Um aus diesen romantischen Ruinen tatsächlich bewohnbare Wohnungen zu machen, müsste man erst mal ein halbes Vermögen in Sanierungen stecken. Aber klar: Bevor man den Einheimischen hilft, alte Hütten herzurichten oder echten Wohnraum zu schaffen, baut man im Rathaus lieber schnell sechs siebenstöckige Betontürme ins Gebüsch. Das geht schneller und sieht auf den bunteren Investoren-Broschüren einfach schicker aus!
      Beste Grüße und danke für deinen Beitrag!

  2. ich meine mich an ein „neujahrsinterview“ mit sergio rodriguez zum jahreswechsel 2024/25 zu erinnern, in welchem er sinngemäß auf das, auf la palma eklatante, missverhältnis zwischen hotelbetten und anderen untkunftsarten hingewiesen hat. mein erster gedanke damals war: der politiker ist für mehr hotelbetten. es scheint sich zu bestätigen.
    desweiteren gibt es ja wohl auch noch eine (fertige?) planung für einen großen komplex in las manchas.
    der wunsch nach weniger oder gleichbleibendem tourismus ohne bettenburgen könnte sich als frommer erweisen.
    wobei geplant ja noch nicht gebaut ist.

    • Hallo Heinz,vielen Dank für diesen treffsicheren Einwurf – genau da schließt sich nämlich der Kreis!Du sprichst da einen extrem wichtigen Punkt an: Wenn Politikern in Neujahrsinterviews plötzlich das „eklatante Missverhältnis“ bei den Unterkünften einfällt, weiß man meistens schon, in welche Richtung der Hase läuft.
      Da wurden im Hintergrund offenbar schon die ersten Skizzen für den 2.000-Betten-Traum gezeichnet! Und du hast völlig recht, der Blick in die Vergangenheit auf La Palma lehrt uns Gelassenheit: Geplant ist noch lange nicht gebaut.Erinnern wir uns alle nur zu gut an die glorreichen Zeiten, als gefühlt an jeder Ecke der Insel ein luxuriöser Golfplatz oder die nächste riesige „Thermal-Oase“ in Fuencaliente versprochen wurden. Was ist daraus geworden?

      Bunte Broschüren, viel Politik-Prosa und am Ende… heiße Luft. Wir dürfen gespannt sein, ob die siebenstöckigen Betongärten in Puerto Naos dasselbe Schicksal erleiden wie die damaligen Megaprojekte. Es bleibt zu hoffen, dass der Widerstand aus der Bevölkerung dieses Mal laut genug ist, damit die Prioritäten endlich wieder gedreht werden: Erst bezahlbare Wohnungen für die Menschen, die hier leben – und dann können wir meinetwegen über Urlaubsträume reden.
      Beste Grüße und danke für den Tipp!

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