Rätselraten um den brennenden Frachter Cheshire

Rätselraten

Die Gefahrenquelle rückt näher zu den Inseln –

Das Rätselraten um den Kurs des Massengutfrachter CHESHIRE Richtung der Kanarischen Inseln scheint geklärt. Nicht die Meeresströmung, sondern im Schlepptau des Schleppers Red Sea Fos wird die brennende Zeitbombe näher an die Insel Gran Canaria heran geführt.

Es klingt wie ein schlechter Scherz, dass die brennende und mit 42.654 Tonnen Ammoniumnitrat beladene CHESHIRE näher an bewohnte Gebiete heran geführt wird. Es sei aber die einzige Chance, so die Bergungsfirma Resolve, das drohende Unheil abzuwenden. Stürmische See mit hohem Wellengang und die fehlende Nähe zu einem Hafen mit logistischer Unterstützung würde diese Maßnahme erforderlich machen. Das Rätselraten um das unkontrolliertes Abdriften nach Norden Richtung El Hierro und La Palma hatte also seinen Grund.

RätselratenIm Schlepptau eines Schleppers würde die explosive CHESHIRE bis maximal 70 Kilometer ( rund 40 Seemeilen) vor die Küste gebracht. Die giftigen Rauchschwaden seien im Umkreis von 4 bis fünf Seemeilen gefährlich.

Eine Gefährdung der Inseln oder der Küstenbereiche auch beim Sinken der CHESHIRE wird ausgeschlossen. Ammoniumnitrat habe die Eigenschaft sich schnell mit dem Meereswasser zu verdünnen und in südwestliche Richtung abzutreiben.

Beruhigende Worte der Bergungs- bzw. Betreiberfirma die aber in keinem offiziellen Statement gegeben werden. Überhaupt gibt es weder einen Kommentar der Kanarischen Regierung, noch aktuelle Fotos oder etwa eine größere Resonanz in der örtlichen Presse.

Viele offene Fragen und weiteres Rätselraten

Was wissen wir bisher:

Die CHESHIRE gehört dem britischen Familienunternehmen Bibby Line aus Liverpool. In der Beschreibung der Reederei heißt es „Die Bibby Line Group unterstützt nachdrücklich die Tilgung der Sklaverei sowie die Beseitigung von Knechtschaft, Zwangs- oder Pflichtarbeit und Menschenhandel“ Das fand ich schon merkwürdig  – hier zum Nachlesen.

Geladen waren 42.654 Tonnen Ammoniumnitrat aus Norwegen. Wahrscheinlich von der Firma YARA in Norwegen Als führender Produzent und Exporteur von Ammoniumnitrat hat die Firma Produktionsstandorte in Porsgrunn und Glomfjorden. Daher gesehen nichts Ungewöhnliches wegen der Verschiffung. Ammoniumnitrat wird auch als norwegischer Salpeter bezeichnet und gehandelt (Danke an Herrn Wienbeck)

Ammoniumnitrat ist hoch explosiv. Selbst der Kontakt mit Wasser kann heftige Reaktionen auslösen. Die Texas-City-Katastrophe vom 16. April 1947 begann mit einem Feuer am Vormittag und gipfelte in der Detonation von ungefähr 2.300 Tonnen Ammoniumnitrat an Bord des in Frankreich eingetragenen Schiffs Grandcamp im Hafen von Texas City, Texas. Dabei wurden 581 Menschen getötet.

„Kurz vor 09:00 Uhr wies der Kapitän seine Männer an, die Löscharbeiten zu intensivieren. Dadurch gelangten große Mengen Wasser an Bord, welches aber eine chemische Reaktion auslöste und den gegenteiligen Effekt hatte, so dass sich die explosiven Stoffe weiter erhitzten. Die überschüssige Hitze des Dampfes veranlasste das Ammoniumnitrat unten im Bauch des Schiffes, durch Wasserdampf und Stickstoffmonoxid eine Reaktion hervorzurufen, die noch mehr Hitze produzierte. Dieses führte schnell zu thermischem Durchgehen und dem Erreichen einer kritischen Temperatur“ – hier der Link zu Wikipedia (danke an Uwe)

Nach einigen Aussagen spielt sich im Rumpf der Cheshire zur Zeit eine chemische Reaktion ab. Vermutlich kein klassisches offenes Feuer. In fünf Kammern des Schiffes wird Ammoniumnitrat gelagert. Vom Brand bzw. der Reaktion sind drei Kammern betroffen. Der Deckel einer Kammer ist geöffnet und der Rest verschlossen.

Bergungs-Spezialisten am Werk

Die Bergungsfirma Resolve Marine ist ein global agierendes Unternehmen mit speziellen Bergungs und Notfall-Ressourcen. Bei vielen Schiffskatastrophen (Costa Concordia, Öltanker oder US Flugzeugträger) war sie bereits im Einsatz. Es dürften weltweit die führenden Spezialisten auf diesem Gebiet sein.

Bleibt jetzt zunächst einmal zu hoffen, dass die Standortverlagerung in ruhigere Gewässer den gewünschten Erfolg bringt. Die Explosionsgefahr oder eine großflächige Meeresverschmutzung ist damit aber nicht geringer geworden.

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Update vom Sonntag, 27. August – 10.00 Uhr

Der Brand scheint unter Kontrolle zu sein – kein Rauch mehr zu sehen. Heute sollen Spezialisten an Bord gehen und die Frachträume inspizieren.

 

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