La Palma: Das wahre Zentrum des Universums?

Observatorium Roque de los Muchachos, Modell TMT TeleskopModell des Dreißig-Meter-Teleskops (TMT)

Wie ein galaktischer Zwerg und ein 30-Meter-Riese unsere Insel zum Astronomie-Rockstar machen!

Weißt du, was ich tue, wenn ich nachts nicht schlafen kann? Ich schaue in den Himmel. Während die meisten Menschen Schafe zählen, zähle ich Galaxien. Na gut, ehrlicherweise überlasse ich das Zählen lieber den Profis oben auf dem Roque de los Muchachos. Aber was sich dort in den letzten Monaten abgespielt hat, stellt selbst jede galaktische Seifenoper in den Schatten. Wenn du dachtest, auf unserer schönen Insel gäbe es nur Bananen, Vulkane und Traumstrände, dann schnall dich jetzt besser an. La Palma ist der unangefochtene Rockstar der weltweiten Astronomie.

Die schüchternste Galaxie des Universums (And XXXVI)

Fangen wir mit einer aktuellen Erfolgsgeschichte an, die mich gleichermaßen fasziniert und amüsiert. Dem Grantecan (Gran Telescopio Canarias) – dem aktuell größten optischen Teleskop der Welt – ist zusammen mit dem Institut für Astrophysik der Kanarischen Inseln (IAC) ein echter Coup gelungen. Sie haben eine neue Zwerggalaxie entdeckt. Ihr Name: And XXXVI.

Jetzt muss man wissen: Diese Galaxie ist nicht einfach nur weit weg, sie ist extrem lichtschwach. Sie versteckt sich im Schatten der riesigen Andromeda-Galaxie und ist so etwas wie der schüchterne Teenager auf einer kosmischen Party, der sich hinter der Zimmerpflanze verbirgt. Laut der Hauptautorin der Studie, Joanna Sakowska, ist die Kleine stolze 12,5 Milliarden Jahre alt und extrem arm an schweren Elementen. Quasi ein kosmisches Urgestein im Minimalismus-Trend.

Zwerggalaxie Andromeda

Aufgenommen mit OSIRIS+ vom GTC von And XXXVI. IAC

Warum das wichtig ist? Ohne das gigantische Auge des Grantecan auf La Palma hätten wir diesen kosmischen Winzling vermutlich nie gefunden. Es zeigt, dass das Observatorium Roque de los Muchachos die absolute Speerspitze der Forschung ist, wenn es darum geht, das unsichtbare Universum sichtbar zu machen. Für die genaue Altersbestimmung müssen wir zwar bald das James-Webb Weltraumteleskop um Hilfe bitten, aber den ersten Schritt hat unsere Insel gemacht!

Der 1-Milliarde-Euro-Poker um das TMT Teleskop

Als wäre eine Sensationsentdeckung nicht genug, brodelt hinter den Kulissen ein astronomischer Wirtschaftskrimi, bei dem es um nichts Geringeres als die Zukunft der Astronomie auf der Nordhalbkugel geht. Es geht um das TMT (Thirty Meter Telescope). Ein geplantes Megateleskop mit einem 30-Meter-Spiegel. Ein echtes Monsterteil.

Eigentlich sollte das TMT auf Hawaii gebaut werden. Doch dort gibt es seit Jahren völlig verständliche Proteste der Ureinwohner, die den Berg Mauna Kea als heilig betrachten. Hinzu kamen drastische Budgetkürzungen der US-Regierung unter Trump, weshalb die National Science Foundation (NSF) das Projekt offiziell aus der finalen US-Förderphase gestrichen hat. Hawaii ist quasi raus. Und wer steht mit offenen Armen und einem breiten Lächeln bereit? Richtig, Spanien und La Palma!

Und Spanien meint es verdammt ernst: Zu den bereits angekündigten 400 Millionen Euro Fördergeldern legt der Staat nun eine Schippe drauf. Dank einer Garantie für ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank steht ein Gesamtpaket von sagenhaften 1 Milliarde Euro im Raum, falls das Megateleskop an unserem Observatorium installiert wird. Die Gesamtkosten für das geplante Thirty Meter Telescope (TMT) werden auf rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt

Die Uhr tickt – Ein galaktischer Wettlauf gegen die Bürokratie

Das internationale Konsortium prüft das spanische Angebot bereits gründlich und zeigt sich begeistert. Auf La Palma ist praktisch alles für den Einzug des neuen Riesenauges vorbereitet. Es gibt nur ein klitzekleines, typisch irdisches Problem: die Bürokratie.

Die mühsam erkämpften Baugenehmigungen für das TMT auf La Palma laufen nämlich Ende September aus. Wenn wir es bis dahin nicht schaffen, die Verträge zu fixieren, droht ein Verlängerungsverfahren von bis zu zwei Jahren. Und im High-Tech-Sektor der Astronomie wartet niemand zwei Jahre auf einen Stempel vom Amt. Wir müssen uns also sputen!

Warum das Observatorium für La Palma die Lebensversicherung der Zukunft ist

Wenn wir das TMT nach La Palma holen, krönen wir den Roque de los Muchachos endgültig zum wichtigsten astronomischen Zentrum der Erde. Neben dem Grantecan hätten wir dann auch das absolute Megateleskop der nächsten Generation direkt vor unserer Haustür.

Für unsere Insel bedeutet das nicht nur unbezahlbares wissenschaftliches Prestige, sondern auch hochqualifizierte Arbeitsplätze, Technologieinvestitionen und eine Absicherung des Astrotourismus für die nächsten Jahrzehnte. Das Observatorium ist kein elitärer Elfenbeinturm – es ist unser Fenster zum Universum und ein wirtschaftlicher Motor. Drücken wir also die Daumen, dass die Bürokratie schneller arbeitet als das Licht, und wir bald das TMT auf unserem Gipfel begrüßen dürfen. Bis dahin halte ich nachts weiter Ausschau nach And XXXVI – auch wenn ich ohne das Grantecan wahrscheinlich nur Flecken auf meiner Brille sehe.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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