Mehr Kreisverkehre als Ideen? Warum La Palma dringend einen neuen Kurs braucht!

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Nicht nur meckern, machen: Wie echte Alternativen für La Palma aussehen!

Zukunftsmodell La Palma Tourismus Wirtschaft: Ich liebe diese Insel. Aber mal ehrlich: Wenn man sich anschaut, was hier politisch seit Jahrzehnten getrieben wird, schlägt man doch glatt die Hände über dem Kopf zusammen!

Der Wirtschaftswissenschaftler Pedro Higinio Álvarez Rodríguez hat es kürzlich wunderbar auf den Punkt gebracht: Seit 60 Jahren wird La Palma mit Studien, Raumnutzungsplänen und Entwicklungsberichten zugeschüttet. Das konkrete Ergebnis nach sechs Jahrzehnten Gehirnschmalz? Ungefähr null.

Statt einer echten Vision baut das Cabildo munter weiter an Straßen, erweitert Häfen, an denen kaum ein Schiff anlegt, und spendiert uns gigantische Kreisverkehre. Sogar vor der einmaligen Naturkulisse um die Pino de La Virgen in El Paso macht der Umgestaltungswahn nicht halt. Und wenn die Gemüter mal hochkochen? Dann sponsern die Gemeinden schnell das nächste Dorffest oder Musik-Event. Schöne Partys auf Steuerzahlerkosten, damit bloß niemand auf die Idee kommt, unbequeme Fragen zu stellen. Populismus in Reinkultur!

Die Illusion vom Tourismus als Allheilmittel

Seit den 1970ern geistert das Gespenst durch die Köpfe der Lokalpolitik, der Tourismus müsse der große Retter sein. Seit dem Vulkanausbruch 2021 dient das Modewort „Wiederaufbau“ als Freifahrtschein für alles. Die Traummarke der Politik: 30.000 Touristenbetten.

Schauen wir doch mal auf unsere Nachbarinseln: Über 18 Millionen Besucher strömen jährlich auf die Kanaren. Die Folgen? Akute Wohnungsnot, überlastete Infrastruktur, Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt, psychischer Notstand bei vielen Familien und eine gefährliche Abhängigkeit vom Ausland bei Nahrung und Energie. Wer auf La Palma auf 30.000 Betten setzt, baut keine Zukunft – er legt der Insel eine sanfte Schlinge um den Hals.

Bananen, Beton und der verpasste Wandel

Verstehen wir uns nicht falsch: Die Landwirtschaft ist unsere Identität. Aber der Bananenanbau in seiner bisherigen Form steht vor dem Aus. Gegen die Konkurrenz aus Südamerika und Afrika sowie wackelnde EU-Subventionen können wir nicht ewig an alten Mustern festhalten.

Wir brauchen keinen verblendeten Beton-Glaube, sondern einen durchdachten Wandel:

  • Schluss mit Plastikwüsten: Keine neuen Gewächshäuser mehr, sondern Prämien für den Rückbau und Anreize für ökologische Vielfalt.

  • Ernährungssouveränität stärken: Eine Landwirtschaft und Viehzucht, die primär uns Inselbewohner versorgt. Das sichert auch das Leben im Mittelland (Medianías).

  • Inselpakt für Bodenschutz: Fruchtbarer Boden gehört den Bauern und der Umwelt – nicht Spekulanten für die nächste Apartmentanlage.

Meine eigenen Gedanken: Den Mut haben, kleiner & schlauer zu denken

Ich stimme der Analyse von Álvarez Rodríguez vollkommen zu, möchte aber noch eins ergänzen: La Palmas wahre Stärke war nie die Masse, sondern der Charakter.

Wenn wir versuchen, Teneriffa oder Gran Canaria im Kleinen nachzueifern, verlieren wir genau das, was Einheimische wie Besucher an unserer Insel schätzen: die Ruhe, die Echtheit, die spektakuläre Natur. Wir brauchen kein Betten-Wettrüsten. Wir brauchen echte Smart-Island-Konzepte:

  • Dezentrale Solarenergie auf jedem Dach und ein Geothermieprojekt

  • Eine ehrliche Kreislaufwirtschaft statt unserer aktuellen Müll-Farce.

  • Konsequenter Schutz von Wohnraum für die Menschen, die hier leben und arbeiten.

Und ganz ehrlich: Braucht eine Insel mit knapp 85.000 Einwohnern wirklich 14 eigenständige Gemeinden mit 14 Rathäusern, 14 Bürgermeistern und unzähligen Wasserköpfen? Der Vorschlag, La Palma auf höchstens drei starke, ausgewogene Gemeinden zusammenzulegen, klingt im ersten Moment radikal – ist aber veraltungstechnisch und finanziell ein absolut vernünftiger Schritt! Das gesparte Geld könnten wir direkt in den Nahverkehr, die Müllverwertung und bezahlbare Wohnungen stecken.

Wir haben noch Zeit – aber die Uhr tickt!

Die massiven Demonstrationen vom 20. April 2024 auf den gesamten Kanaren haben eines unmissverständlich gezeigt: Wir Bürger haben die Nase voll vom Dauer-Beton und dem ständigen Verscherbeln unserer Zukunft. Noch ist es auf La Palma nicht zu spät, um das Heft selbst in der Hand zu behalten, bevor die Insel im Massentourismus kollabiert.

Aber Meckern allein reicht nicht – wir brauchen echte Alternativen, die heute schon funktionieren!

In den nächsten Tagen werde ich dir hier auf Lapalma1 ein spannendes Projekt vorstellen: ein Vereinsmodell, das sich ganz konkret mit der Wiederbelebung traditioneller Trockenfeldkulturen und der Förderung lokaler, ökologischer und saisonaler Lebensmittel beschäftigt. Denn genau dort fängt echte Unabhängigkeit an!

Wie siehst du das?

Glaubst du, dass wir auf La Palma noch rechtzeitig die Kurve kriegen – und welche Initiativen wünschst du dir für die Insel? Schreib mir deine Meinung unten in die Kommentare, ich bin gespannt auf die Diskussion!

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

8 Kommentare zu "Mehr Kreisverkehre als Ideen? Warum La Palma dringend einen neuen Kurs braucht!"

  1. Meine Frau und ich besuchen als „Greenhorn“ die Insel erst seit 8 Jahren. Dabei überwiegend, wer hätt’s gedacht, im Dezember+Januar.
    2 mal in Los Cancajos, ansonsten auf der Westseite, überwiegend in Charco Verde.

    Dem Text als auch den Kommentaren kann ich absolut zustimmen.
    Was ich mich jedoch frage ist, ob Einheimische diese Sichtweise ebenfalls so unterschreiben würden.
    Ihr werdet Euch sicherlich erinnern, dass es auf der Ostseite mal den Plan zu diesem unsäglichen Golf-Ressort gegeben hat.
    Dazu hatten wir uns mal mit einigen Einheimischen unterhalten. Es kristalisierte sich dabei heraus, dass man schon auch sehen sollte, dass es Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung geben würde.

    Mich hat das zum Nachdenken angeregt ob das, was ich so sehe und bewerte immer alles auch im Sinne der Bewohner ist, oder ob ich da doch etwas zu kurz denke.

    Ich warte gespannt auf das Model, dass Du vorstellen willst.

    • Hallo Wolfgang,

      ein absolut berechtigter und reflektierter Einwand! Genau dieses Spannungsfeld zwischen „Wir wollen die Insel bewahren“ und „Von was sollen die jungen Leute morgen leben?“ ist der Kern der ganzen Debatte.

      Das Versprechen von Arbeitsplätzen bei Großprojekten wie Golfplätzen zieht natürlich – vor allem, wenn die Alternative oft nur Abwanderung heißt. Die Kehrseite sehen wir leider auf den Nachbarinseln: Die Arbeitsplätze im Massentourismus sind meist schlecht bezahlt, und gleichzeitig steigen die Mieten so extrem, dass sich die Einheimischen das Leben kaum noch leisten können. Am Ende bleibt oft nicht Aufschwung, sondern nur Ausbeutung und Beton.

      Aber du musst gar nicht länger warten! Das alternative Vereinsmodell, das genau hier ansetzt – nämlich echte, nachhaltige Wertschöpfung und Brandschutz im Mittelland zu schaffen –, habe ich eben frisch veröffentlicht:

      Kastanien statt Brandschneise: Zu Besuch beim Verein ASAT auf La Palma – https://lapalma1.net/2026/08/02/kastanien-statt-brandschneise-zu-besuch-beim-verein-asat-auf-la-palma-lapalma1/

      Lies gerne mal rein – ich bin sehr gespannt, wie du diesen Ansatz siehst! Danke dir fürs Mitdenken und die treuen Inselbesuche!

  2. Ich kann nur als Besucher was dazu sagen. Aber das seit 10Jahren regelmäßig . Und ich liebe die Insel auch. Allerdings schwindet auch meine Hoffnung , dass es auf La Palma dauerhaft anders bleibt als es auf Teneriffa oder Gran Canaria ist. Politiker ticken anscheinend anders als der Normalbürger egal ob in Deutschland oder Spanien. Keine Visionen für die Zukunft, sondern immer nur die nächste Wahl im Blick.
    Welcher Bürgermeister wird freiwillig zustimmen, dass er künftig überflüssig ist?
    Ansonsten volle Zustimmung zu den bisherigen Kommentaren. Insbesondere die Umgestaltung der Landwirtschaft wäre eine echte Chance für die Zukunft.

    • Hallo Frank,

      wo du recht hast, hast du recht: Welcher Politiker stimmt schon freiwillig für die eigene Abschaffung? Da müsste man wohl eher darauf hoffen, dass auf La Palma plötzlich Wasser zu Wein wird!

      Dass du als Stammgast nach 10 Jahren die Insel genau so im Herzen trägst wie wir, zeigt aber, warum sich das Kämpfen lohnt. Und was die Landwirtschaft angeht: Die Bäume und Pflanzen scheren sich zum Glück recht wenig um die nächste Wahlperiode – die wachsen einfach weiter!

      Danke dir für deine treuen Besuche und deinen ehrlichen Kommentar!

  3. Ich war vor über 50 Jahren das erste Mal in Spanien: Blanes, an der Costa Brava. Ein kleines Küstenstädtchen mit kleinem Fischereihafen und entsprechender – leckerer – Infrastruktur. Wunderbar! Etwas später: Benidorm – schon damals eine unfassbare Entgleisung in Sachen Massentourismus. Einer meiner ersten Gedanken (ehrlich): Hoffentlich macht DAS nicht Schule!! (Wer heute nach Blanes kommt, sieht genau so etwas. Fürchterlich!!!)

    Später, so in den späten 80ern: Andalusien. Auch hier noch alles wunderbar und ich hätte um ein Haar ein Domizil gekauft. Wie gut, dass ich mir das verkniffen habe! Leider hat auch dort das „System Benidorm“ zugeschlagen. Ergebnisse: Torremolinos oder Benalmadena und andere bittere Beispiele asozialer, dumpfer Investorengier.

    Ich unterschreibe ausdrücklich alle Punkte in o.s. Text. Wir leben seit 10 Jahren ganzjährig in Los Cancajos in einer sehr schönen „Urbanizacion“. Offenbar war das gerade noch rechtzeitig, um der inzwischen leider auch hier Fuß fassenden Gier noch zuvorgekommen zu sein. Wir haben unseren Schritt noch keine Sekunde bereut, sehen aber dennoch auch mit Sorge auf die derzeitigen Entwicklungen. Die wie immer zuletzt sterbende Hoffnung: Vielleicht ist/wird La Palma das erste Tourismus-Beispiel für ein „Lernen aus der Vergangenheit“.

    • Hallo Roland,

      das klingt nach einer fast identischen Reise durch die Jahrzehnte! Bei mir ging es in den 70ern ebenfalls in Blanes los, danach folgten 13 Mal Formentera, in den 90ern die Kanaren und schließlich bin ich seit 30 Jahren fest auf La Palma hängengeblieben. Wir haben die Entwicklung also quasi im Gleichschritt beobachtet!

      Benidorm war damals wirklich der beste Anschauungsunterricht dafür, wie man eine Küste nicht verbauen sollte – eine visuelle Warnung fürs Leben!

      Dass ihr es in Los Cancajos noch rechtzeitig geschafft habt, freut mich riesig. Und was deine Hoffnung angeht: Wir La-Palma-Resistenten geben die Hoffnung einfach nicht auf. Vielleicht schaffen wir es hier auf der Insel ja doch noch, den Politikern die Baupläne für die nächsten betonierte Absurditäten rechtzeitig aus der Hand zu nehmen.

      Danke dir für deinen Kommentar und die treffenden Worte!

  4. Nach mehr als 30 Jahren Spanienerfahrung habe ich ehrlich gesagt keine Hoffnung mehr, dass sich an den politischen und wirtschaftlichen Strukturen etwas Wesentliches ändern wird. #grummel

    Aber wenn ich mir etwas wünschen darf, dann sollte das Viviendaproblem endlich einmal gelöst werden. Im Westen der Insel könnte man zum Beispiel einfach die defizitären Bananenplantagen an der Straße zwischen Los Llanos und Tazacorte plattmachen. #fettgrins
    Das wäre perfekt. Wasser, Strom und Straßenverbindung wären vorhanden. Es läge sogar außerhalb der Vulkangefahrenzone. Dort könnte man vom Platz her hunderte (mit etwas gutem Willen vielleicht sogar tausende) Wohnungen bauen.
    Dann gäbe es sogar genug Wohnraum für die 20.000 Deutschen, die Dank Manfred’s Buch demnächst auf der Insel überwintern werden. #zwinker

    • Herrlich realistisch – nach 30 Jahren hat man die Kanaren-Politik durchschaut!

      Aber Vorsicht mit dem Vorschlag: Wenn du die Bananen vor Los Llanos plattmachst, wo verstreichen dann die EU-Subventionen? Da baut die Politik eher noch drei Kreisverkehre rein!

      Was meine Buch-Leser angeht: Ich habe ihnen extra gesagt, sie sollen Klappstühle und Zelte mitbringen – bei der aktuellen Lage auf dem Wohnungsmarkt sind die 20.000 Überwinterer so zumindest bestens gerüstet!

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