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IGN: „Unterhalb des Teide noch nie ein solches Signal gesehen“
Ein ungewöhnliches, tiefes Grollen in den Daten der Überwachungsnetze ließ Geologen und Vulkanologen auf den Kanaren aufhorchen: Die hochempfindlichen Sensoren des Instituto Volcanológico de Canarias (INVOLCAN) und des Instituto Geográfico Nacional (IGN) registrierten unter der majestätischen Caldera de Las Cañadas ein völlig neuartiges Signal.
In den sozialen Netzwerken brodelte die Gerüchteküche augenblicklich auf Hochtouren. Das Ereignis bettet sich in eine Phase erhöhter seismischer Aktivität ein: Allein in den vier Tagen vor dem Vorfall wurden über 100 kleinere Erschütterungen in ähnlichen Tiefen registriert. Bahnt sich unter dem höchsten Berg Spaniens etwa neues Magma seinen Weg nach oben? Steht ein frischer Vulkanausbruch bevor – der erste seit dem Ausbruch des Chinyero im Jahr 1909? Die Spekulationen schossen schneller ins Kraut als Unkraut nach einem Passatregen. Doch als die Wissenschaftler die Daten akribisch analysierten, förderte die hochpräzise Technik eine ganz andere, faszinierende Wahrheit zutage. Die täglichen Daten hier im Live-Monitoring.
Weder Erdbeben noch Vulkanschwarm: Das geheimnisvolle Signal aus der Tiefe
Das mysteriöse Phänomen passte in kein klassisches Raster. Bei einem typischen Erdbeben zerbricht Gestein – es entstehen klare P-Wellen (Primärwellen), gefolgt von S-Wellen (Sekundärwellen). Hier jedoch fehlte diese klare Phasentrennung vollständig.
Die technischen Daten sind äußerst präzise: Das Signal konzentrierte sich zwischen 8:45 und 10:15 Uhr und dauerte damit ganze 90 Minuten an – eine außergewöhnliche Länge im Vergleich zu den sonst üblichen Signalen von vier bis fünf Minuten. Es lag in einem Frequenzband zwischen 2 und 10 Hertz und wurde gleichzeitig von zehn bis fünfzehn über Ganz Teneriffa verteilten seismischen Stationen erfasst.
Gegen Ende erreichte das Phänomen seine maximale Intensität an einem schwer zu lokalisierenden Punkt in etwa zwölf Kilometern Tiefe. Auf der Oberfläche spürte niemand etwas davon: Seine Magnitude war extrem gering, und selbst die kombinierte Gesamtmagnitude aller Episoden hätte kaum einen Wert von 2 überschritten.
Hydrothermale Fluide waren auf der Wanderschaft
Die Entwarnung der Experten folgte rasch: Es wurde kein aufsteigendes Magma beobachtet. Die Ursache für das rätselhafte Signal sind hydrothermale Fluide – extrem heiße Gase und Flüssigkeiten, die unter enormem Druck durch tiefgelegene Spalten im Untergrund strömen und das Gestein in kontinuierliche Schwingung versetzen.
Dieser Prozess bildet die Hauptursache für den Großteil der seismischen Unruhe, die seit 2023 unter Teneriffa gemessen wird. Ein weiterer unabhängiger Indikator stützt diese Erkenntnis: Bereits seit 2016 verzeichnen Forscher einen kontinuierlichen Anstieg des diffusen Kohlendioxidflusses direkt im Teide-Krater.
Dass eine solche Signalform in dieser Länge auf Teneriffa bisher noch nie dokumentiert wurde, bedeutet übrigens keineswegs, dass der Vulkan plötzlich sein Verhalten ändert. In südamerikanischen Vulkanregionen gehören solche Messergebnisse zum Alltag. Dass sie nun auch auf den Kanaren auftauchen, liegt schlicht an der modernen Technik: Mit über 100 Hochpräzisions-Stationen von IGN und INVOLCAN gehört Teneriffa heute zu den am besten überwachten Vulkangebieten Europas. Die Instrumente erfassen inzwischen Mikro-Prozesse, die früher im Hintergrundrauschen untergegangen wären.
Der Experte Domínguez stellte klar, dass die Bodenverformung zwar anhält, die Aktivität des Vulkansystems sich im Vergleich zum Vorjahr jedoch nicht verändert hat. Die Vulkannotfallbehörde PEVOLCA sah nach einer Dringlichkeitssitzung keinen Anlass für Alarmstufen oder besondere Verhaltensmaßregeln für die Bevölkerung. Das Vulkansystem wird von den Geowissenschaftlern weiterhin rund um die Uhr aufmerksam beobachtet.
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