Erdbeben auf Teneriffa 2026: Über 4.500 Beben unter dem Teide

Grafik zu vermuteter Vulkanaufbau unter TeneriffaVermuteter Vulkanaufbau unter Teneriffa

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Steht eine Eruption bevor? Über 4.500 Erdbeben unter dem Teide und warum mir das bekannt vorkommt!

¡Hola zusammen!

Wer mich und meinen Blog schon ein Weilchen verfolgt, weiß: Wenn auf den Kanaren der Boden anfängt zu kribbeln, juckt es mich direkt in den Fingern. Diesmal schauen wir von La Palma aus hinüber zu unserer Nachbarinsel Teneriffa. Denn seit Mittwochabend, dem 22. Juli 2026 (punkt 21:30 Uhr Kanarenzeit), registriert das Kanarische Seismische Netzwerk von INVOLCAN dort etwas, das man gelinde gesagt als „ordentlichen Betrieb im Untergrund“ bezeichnen kann.

Über 4.500 Erdbeben wurden in den letzten Tagen bereits gemessen! Keine Sorge, Du musst Dir jetzt nicht den Kaffee aus der Hand schütteln lassen – die meisten dieser Beben haben eine extrem geringe Amplitude und sind auf normalen Seismogrammen kaum zu erkennen. Aber zeitweise ratterte die Nadel mit über 300 Ereignissen pro Stunde. Da wird selbst der Teide mal kurz wach.

Seismograf der Erdbeben vom 24.7.2026

Seismografische Messungen der Erdbeben vom 24.7.2026 zwischen 2 und 3 Uhr (UTM)

Aber was steckt eigentlich dahinter? Lass uns das Ganze mal in Ruhe aufdröseln – mit den offiziellen Fakten und meiner ganz persönlichen Sicht der Dinge.

Wo bebt es und was unterscheidet die Beben?

Die aktuellen Ereignisse konzentrieren sich hauptsächlich im südwestlichen Teil der Las Cañadas Caldera in einer Tiefe von rund 10 Kilometern.

Um zu verstehen, was da unten los ist, muss man wissen: Aktive Vulkane schicken uns unterschiedliche „Visitenkarten“ aus der Tiefe.

  1. Vulkanisch-tektonische Erschütterungen: Das sind die echten Knackpunkte. Sie entstehen, wenn Gestein unter hohem Druck im Untergrund schlichtweg bricht.

  2. Hybride Ereignisse: Das ist der aktuelle Hauptdarsteller auf Teneriffa. Diese Hohlraumsignale hängen mit der Bewegung von hydrothermalen Fluiden zusammen – also einem kochenden Gemisch aus Wasser und Kohlendioxid unter enormem Druck und hoher Temperatur. Das Zeug zirkuliert durch das Spaltensystem des Vulkans und lässt die Erdoberfläche leicht vibrieren.

Ein historischer Rekordschwarm auf Teneriffa?

Ist dieser Schwarm ungewöhnlich? Ja, absolut. Die Anzahl der in dieser Folge aufgezeichneten Ereignisse war weitaus höher als das, was wir sonst so kennen. Es ist tatsächlich der intensivste und am meisten beachtete Schwarm dieser Art seit Beginn der modernen Messungen auf Teneriffa.

Gleichzeitig gehört es zur Natur eines Vulkansystems, dass sich Phasen erhöhter Aktivität mit ruhigeren Zeiten abwechseln. Seit dem 2. Oktober 2016 ist dies übrigens schon der 15. Schwarm von Hybridereignissen auf Teneriffa. Allein im Februar 2026 gab es eine ganze Serie davon, und nach dem 3. Juli legte der Untergrund am 22. Juli nun noch einmal kräftig nach.

Offizielle Entwarnung und meine Meinung: Haben wir das nicht schon mal gehört?

Die Wissenschaftler von INVOLCAN interpretieren das Geschehen aktuell so: Das Ganze ist primär auf die Zirkulation magmatischer Gase und hydrothermaler Flüssigkeiten in der Tiefe zurückzuführen. Nach aktuellem Kenntnisstand ändere dieses Ereignis nichts an der Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs kurz- oder mittelfristig (Wochen bis Monate). Diese Wahrscheinlichkeit gelte weiterhin als gering.

Für ein klassisches Voreruptionsszenario mit magmatischer Intrusion fehlen – laut Experten – bisher noch folgende Begleiterscheinungen:

  • Ein signifikanter Anstieg der echten vulkanisch-tektonischen Erdbeben

  • Eine fortschreitende Verflachung der Bebentiefen (Hypozentren) Richtung Oberfläche

  • Schnelle und stärkere Bodenverformungen (Deformationen)

  • Spürbare Veränderungen in Menge und Zusammensetzung der Vulkangase

Und jetzt mal Tacheles: Meine Sicht der Dinge

Das seismische Signal der TIFO-Station von INVOLCAN vom 24. Juli 2026 und die Grafiken der stündlichen Hybridereignisse sehen beeindruckend aus. Doch wenn ich mir die Tiefe der leichten Beben anschaue – sie liegen mittlerweile konstant zwischen 9 und 14 Kilometern –, bekomme ich ein ganz bestimmtes Dejà-vu. Heute wurden erst leichte Erdstöße aus 7 km Tiefe bei Icod de Los Vinos gemessen.

Hier brodelt und kocht die Magma im Untergrund in einer Intensität, wie wir sie in der jüngsten Geschichte Teneriffas noch nicht erlebt haben.

Die Beruhigungstaktik der Behörden und des Katastrophenschutzes (PEVOLCA) weist für mich starke Parallelen zu den Eruptionen auf El Hierro (2011) und hier bei uns auf La Palma (2021) auf. In beiden Fällen wurde bis zuletzt beschwichtigt. Trotz gelber Warnampel kam es schlussendlich zur Eruption – und die Vulkanampel wurde erst dann schleunigst auf die Höchststufe ROT geschaltet, als bereits jeder die gigantische Asche- und Rauchwolke am Himmel sehen konnte!

Wer sich noch an die Tage vor dem Ausbruch des Tajogaite auf La Palma erinnern möchte, kann gerne noch einmal in meinem damaligen Artikel nachlesen: Ein eruptiver Prozess wird sehr wahrscheinlich.

Fazit: Füße stillhalten, aber Augen offen halten!

Keine Panik auf der Nachbarinsel – Teneriffa ist gut überwacht und aktuell besteht kein unmittelbarer Grund zur Sorge im Alltag. Aber wir sollten das Geschehen mit gesunder Skepsis und wachsamen Augen verfolgen. Wenn die Hydrothermal-Systeme in 10 Kilometern Tiefe derart aufdrehen, schläft der Riese darunter definitiv nicht mehr tief und fest.

Ich bleibe für Euch an den seismographischen Daten dran und berichte, sobald sich im Untergrund etwas Entscheidendes tut!

Wie siehst Du das? Vertraust Du den offiziellen Entwarnungen oder lässt Dich das Gefühl auch nicht los, dass sich da etwas Größeres anbahnt? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

¡Hasta la vista!

Euer La-Palma-Insider

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

2 Kommentare zu "Erdbeben auf Teneriffa 2026: Über 4.500 Beben unter dem Teide"

  1. der „puffer“ scheint noch groß genug, möchte man glauben. in der an pfingsten im zdf ausgestrahlten reportage: „La Palma – Protokoll eines Vulkanausbruchs“ sagt ein geologe vom IGN daß der „point of no return“ für das magma in ungefähr 4km tiefe liegt. hoffentlich weiß das der teide auch. 😉
    https://www.zdf.de/play/dokus/terra-x-112/terra-x-la-palma-protokoll-eines-vulkanausbruchs-doku-100
    hier ab ca. 10. minute.

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