Wenn die Moral-Rhetorik in Berlin den Trotz wählt – und die Kanaren die Zeche zahlen!
Die Hochrechnungen liegen auf dem Tisch, und die Aufregung in den Fernsehstudios ist greifbar. Doch was sich in den Wahlergebnissen abzeichnet, ist keine Überraschung, sondern die Quittung mit Ansage: Wer dem Bürger jahrelang mit Wortakrobatik („Sondervermögen“, „gesichert dies, gesichert das“) die Realität erklären will, erntet am Ende nicht Einsicht, sondern reinen Trotz. Der Daueralarm hat sich abgenutzt.
Der Kulissenzauber der Rhetorik
Während in den deutschen Medien wieder über Brandmauern, Hochrechnungen und Schuldzuweisungen debattiert wird, wird das fundamentale Problem völlig ausgeblendet. Parteien werden etikettiert, Meinungen stigmatisiert und Debatten verengt – anstatt die drängenden Krisen der Zeit pragmatisch anzupacken. Die verordnete Sprache hat das Vertrauen zerstört. Der Wähler hat heute nicht wegen, sondern trotz der Dauerbeschallung so gestimmt.
Der Riese im Brüsseler Porzellanladen
Man darf sich nichts vormachen: Die politischen Verschiebungen in Deutschland sind keine reine Innenpolitik. Deutschland ist das wirtschaftliche und politische Schwergewicht der Europäischen Union. Was im Kanzleramt oder im Bundestag beschlossen – oder verschleppt – wird, setzt den Rahmen für ganz Europa.
Wenn die Politik in Berlin gelähmt ist, sich in ideologischen Sprachkämpfen verheddert oder wichtige Reformen an den Außengrenzen aus Angst vor Wählerprotesten blockiert, spüren wir das hier auf den Kanaren unmittelbar:
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Geld statt Struktur: Brüssel schickt oft lieber Finanzhilfen als echte, funktionierende Auffang- und Verteilungsmechanismen an den Außengrenzen durchzusetzen – maßgeblich beeinflusst vom politischen Druck aus Deutschland.
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Das Berliner Patt blockiert die EU: Solange die Bundesregierung getrieben von internem Trotz und Parteitaktik agiert, bleibt eine konsequente, europäische Lösung für die Migrationskrise im Atlantik ein Wunschtraum. Die Leidtragenden dieser Untätigkeit sind die Grenzregionen wie unsere Inseln.
Der Blick von der EU-Außengrenze (La Palma / Kanaren)
Wer hier auf den Kanaren lebt, sieht das heuchlerische Spiel aus nächster Nähe: In den Hauptstädten werden Sonntagsreden über europäische Werte gehalten, während an den Küsten von El Hierro, Teneriffa, Fuerteventura und La Palma täglich Boote ankommen. Die Notunterkünfte auf den Inseln sind überfüllt, die Notrufe der regionalen Politik verhallen in Madrid und Berlin. Deutschland streitet über Wortklaubereien – wir auf den Inseln stehen vor den handfesten logistischen und finanziellen Trümmern einer Politik, die Grenzsicherung und europäische Steuerung verweigert.
Fazit & Ausblick
Wahlen verändern gar nichts, solange das Symptom bekämpft wird, aber die Ursache unberührt bleibt. Solange Politik als Erziehung missverstanden wird und die Verdrängung an den EU-Außengrenzen weitergeht, wird sich die Spirale aus Vertrauensverlust und Radikalisierung weiterdrehen. Wer als stärkste Macht in Europa bei den Ursachen gemauert hat und sich lieber in moralischen Debatten verfängt, darf sich nicht wundern, wenn die Quittung an den Wahlurnen so ausfällt – und die Rechnung dafür am Ende hier bei uns an den Stränden der Kanaren beglichen werden muss.
Wie erlebt ihr diese Wahl? Bedenkt man, dass der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt reine Signalwirkung hat und am verkrusteten Kurs der deutschen Bundesregierung zunächst nichts ändern wird: Glaubt ihr, dass das Signal in Berlin überhaupt verstanden wird – oder geht das Phrasendreschen einfach weiter? Schreibt es in die Kommentare.
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Es ist absolut verständlich, dass Sie wütend sind und klare Konsequenzen gezogen haben, wenn ein Text in Ihren Augen eins zu eins die destruktive Rhetorik der AfD kopiert. Wenn online oder im Bekanntenkreis mit Begriffen wie „Übervölkerung“ oder Angstmacherei vor Migration hantiert wird, löst das völlig zurecht Abwehr aus. Niemand möchte Narrative unterstützen, die Spaltung und Vorurteile schüren.Um die Argumente des Autors sachlich zu prüfen und zu widerlegen, hilft ein Blick auf die tatsächlichen Daten. Man kann die Situation auf den Kanaren nämlich auch komplett anders – und sachlich fundiert – bewerten, ohne in rechtspopulistische Muster zu verfallen:Fakten, die gegen die populistische Angstmacherei sprechenKeine „Übervölkerung“ durch Migration: Die Behauptung, Migration führe zu einer Übervölkerung der Inseln, hält mathematisch nicht stand. Die Mehrheit der Menschen, die über die Atlantikroute auf den Kanaren ankommen, sieht die Inseln nur als Zwischenstation. Ihr Ziel ist das spanische Festland oder andere europäische Länder. Sie bleiben nicht dauerhaft dort, um die Inseln „überzubevölkern“.Der wahre Grund für den Bevölkerungsdruck: Wenn die Bevölkerungszahl auf den Kanaren wächst, liegt das historisch und aktuell vor allem an zwei Faktoren: dem Zuzug von Arbeitskräften für den Tourismussektor und dem Zuzug von wohlhabenden EU-Ausländern (darunter viele Deutsche und Briten), die dort ihren Ruhestand verbringen oder Immobilien kaufen.Wohnungsnot ist hausgemacht: Die akute Wohnungsnot und die steigenden Preise liegen nicht an den Geflüchteten (die in Erstaufnahmezentren oder temporären Unterkünften leben), sondern am unregulierten Boom von Ferienunterkünften (Airbnb etc.) und dem Aufkauf von Wohnraum durch Investoren. Populisten lenken von diesem wirtschaftlichen Versagen ab, indem sie Migranten zum Sündenbock machen.Wirtschaftliche Notwendigkeit: Spanien und die Kanaren haben – ähnlich wie Deutschland – eine alternde Gesellschaft. Ökonomen betonen regelmäßig, dass die Regionen langfristig sogar auf Zuwanderung angewiesen sind, um den Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme stabil zu halten.Warum die Trennung im Social-Media-Umfeld oft gesund istIhre Entscheidung, sich von solchen Inhalten zu distanzieren, ist eine legitime Reaktion, um die eigene Social-Media-Umgebung sauber zu halten. Wenn Autoren oder Bekannte anfangen, komplexe Probleme auf populistische Parolen herunterzubrechen, ist eine sachliche Diskussion oft gar nicht mehr möglich.Der Autor mag reale Herausforderungen (wie die Logistik der Unterbringung) im Blick gehabt haben, aber wenn er dabei die falsche, angstschürende Wortwahl nutzt, betreibt er das Geschäft der Populisten.
Hallo William,
vielen Dank für deine ausführliche Abhandlung.
Aber Spaß beiseite: Du hast dir wirklich viel Mühe gemacht, Punkte zu widerlegen, die im Artikel so gar nicht vorkommen.
Wer den Beitrag aufmerksam gelesen hat, weiß, dass es darin weder um „Übervölkerung“, noch um Wohnungsnot auf La Palma oder eine Kritik an Zuwanderern ging. Mein Thema war vielmehr die handfeste Überforderung der Kommunen und Infrastruktur an den EU-Außengrenzen, wenn politische Symboldebatten in den Hauptstädten die logistische Realität vor Ort blockieren.
Dass mir als deutschem Auswanderer auf La Palma vorgeworfen wird, etwas gegen den Zuzug von Europäern zu haben, hat schon eine gewisse ironische Note. Keine Sorge: Weder fordere ich die Abschiebung von Ferienhaus-Besitzern, noch mache ich Geflüchtete für steigende Mietpreise verantwortlich.
Bevor wir also die ganz große rhetorische Keule schwingen, lassen wir die Kirche lieber im Dorf (oder das Boot im Hafen). Sachliche Kritik an politischen Prozessen ist kein Rechtspopulismus, sondern schlichtes Grundrecht in einer Demokratie.
In diesem Sinne: Immer schön geschmeidig bleiben!
Beste Grüße
Manfred
Es ist in Spanien genauso wie in Deutschland. Die Probleme lösen muss am Ende der zuständige Landrat oder Bürgermeister. Im übrigen müssen wir aufhören , Asyl Migration , illegale Migration in einen Topf zu werfen. Wir brauchen aus demoskopischen Gründen Zuwanderung. Aber wir müssen sie regeln und und nicht abhängig machen von Menschen die ihre Pässe wegwerfen und dann in diversen Zeitungen annoncieren „ Pass verloren „. Und wir Europäer müssen endlich wirtschaftlich auf Augenhöhe mit dem afrikanischen Kontinent umgehen damit die nachvollziehbaren Fluchtgründe aufhören. Bisher überlassen wir das Thema hauptsächlich Extremisten von links und rechts.
Hallo, ich wohne in Sachsen Anhalt. Ich habe nicht blau gewählt. Solange die sogenannten etablierten Parteien Politik machen die für die Mehrheit eine Verschlechterung der Lebensbedingungen bedeutet werden Populisten Hochkonjunktur haben. In Deutschland genauso wie in Spanien. Die AfD hat , wie VOX wahrscheinlich auch, keine Lösungen für die Probleme die sie zurecht benennen. Aber viele Menschen fühlen sich zumindest gehört. Allerdings ist die Reaktion unseres Kanzlers heute wieder typisch: Bessere Kommunikation. Nein ! Die angeblichen Reformen bezahlen wieder nur bestimmte Teile der Bevölkerung. „ Gürtel enger ! Alle müssen Abstriche machen „
Frau Klatten ( BMW) oder Familie Porsche auch ?Ein Polizist oder Krankenpfleger der in Berlin gebraucht wird, der sich aber eine Wohnung in der Stadt nicht leisten kann. Und jeder der geordnete Migration anmahnt wurde / wird als rechtsextrem diffamiert. Sowas kommt von sowas.
Hallo Frank,
danke für deinen sachlichen und treffenden Kommentar direkt aus Sachsen-Anhalt! (Ich habe selbst noch lebhafte Erinnerungen an das Bundesland – 1995 war ich für einige Tage zu einem Familienbesuch in Lutherstadt Wittenberg.)
Du triffst den Nagel auf den Kopf: Es ist genau diese Schieflage, die den Unmut im Land immer weiter anheizt. Wenn Lebenshaltungskosten und Mieten steigen, Pflegekräfte und Polizisten sich das Leben in den Städten kaum noch leisten können und man den Gürtel immer enger schnallen soll, während das Gefühl entsteht, dass die Lasten völlig ungleich verteilt werden, zerbricht das soziale Fundament.
Und deine Kritik an den Reaktionen aus der Politik trifft ins Schwarze: Zu behaupten, man müsse die eigene Politik nur „besser erklären“ oder „besser kommunizieren“, grenzt an Verhöhnung der Bürger. Die Menschen haben die Politik sehr wohl verstanden – sie spüren die Folgen jeden Tag im eigenen Geldbeutel und im Alltag.
Wer berechtigte Kritik an Fehlentwicklungen oder den Ruf nach geordneter Migration jahrelang pauschal diffamiert hat, anstatt pragmatische Lösungen zu liefern, darf sich über Wahlergebnisse nicht wundern. Populisten leben nicht davon, dass sie funktionierende Rezepte haben – da gebe ich dir völlig recht, weder die AfD noch VOX –, sondern davon, dass die etablierte Politik die Realität der Mehrheit schlicht ignoriert. „Sowas kommt von sowas“ bringt es exakt auf den Punkt.
Beste Grüße nach Sachsen-Anhalt
Manfred
Na ja, Manfred, ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass dieses Wahlsignal Aus Sachsen-Anhalt großartige Konsequenzen für die Kanaren haben wird. Jedoch höre ich von Spaniern derzeit, dass die Sanchez Regierung in den letzten Zügen liegt und dass die nächste Regierung wohl von PP und VOX gebildet werden wird. Dies wird sicherlich einige politische Folgen für die Kanaren haben.
Hallo Ivo,
da gebe ich dir völlig recht: Was das unmittelbare Tagesgeschäft in Madrid betrifft, spielt das Geschehen in Deutschland für die Kanaren natürlich eine untergeordnete Rolle. Der Verweis auf das Wahlsignal diente in erster Linie dazu, das zugrundeliegende Muster zu verdeutlichen – nämlich was passiert, wenn Politik am Wähler vorbeiredet und Krisen wie die Migration an den Außengrenzen vor sich hergeschoben werden.
Was deine Einschätzung zu Madrid angeht: Das deckt sich absolut mit dem, was hier auf der Insel diskutiert wird. Die Koalition von Pedro Sánchez steht durch die Dauerabhängigkeit von den katalanischen und baskischen Regionalparteien auf sehr wackligen Beinen.
Sollte es tatsächlich zu einem Machtwechsel hin zu PP und VOX kommen, hätte das für die Kanaren in der Tat direkte und spürbare Konsequenzen:
Striktere Kante bei der Migration: Eine Rechts-Koalition würde bei der Bootsmigration im Atlantik einen deutlich härteren Kurs fahren, den Druck auf Marokko und Mauretanien erhöhen und wohl auch die Zuteilung von Haushaltsmitteln für die Erstversorgung auf den Inseln völlig neu ordnen.
Spannung beim Föderalismus: Da VOX das System der Autonomen Gemeinschaften prinzipiell ablehnt und Kompetenzen nach Madrid zurückholen will, würde das den Verhandlungsspielraum der kanarischen Regionalregierung (Gobierno de Canarias) in Finanz- und Regulierungsfragen spürbar verengen.
Es bleibt also extrem spannend, ob Madrid die Wende macht, bevor Brüssel in der Migrationsfrage überhaupt in die Gänge kommt.
Beste Grüße
Manfred