Neuerungen 2027: Was uns auf den Kanaren blüht

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Von Steuer-Erleichterungen und Ferienhaus-Regeln bis zum Geothermie-Frust auf La Palma!

Wenn man so lange wie ich auf La Palma oder Gran Canaria, Teneriffa oder El Hierro lebt, lernt man eines ganz schnell: Auf den Kanaren mahlen die Mühlen nicht nur langsam – manchmal machen sie auch einfach ein ausgiebiges Nickerchen. Doch für das Jahr 2027 haben sich Politik und Behörden einiges vorgenommen. Ob das meiste davon am Ende Segen oder Fluch ist, schauen wir uns mal mit den passenden Zahlen an!

1. Steuer-Segen für Kleinunternehmer: Tschüss, Papierkrieg!

Für viele kleine Autónomos gibt es ab dem 1. Januar 2027 tatsächlich eine echte Erleichterung. Wer als Selbstständiger unter einem Jahresumsatz von 50.000 Euro bleibt, wird von der Abgabe und Erhebung der IGIC (kanarische Mehrwertsteuer) befreit.

Statt bisher 4-mal im Jahr mit Formular-Stapeln und dem Steuerberater zu schwitzen, reicht künftig eine einzige Jahreserklärung. Wer also wie ich am liebsten seine Ruhe vor dem Formularmonster hat, darf kurz durchatmen!

2. Das Chupito-Erbe: Wenn der Schnaps buchhalterisch wird

Auch die Gastronomie muss sich warm anziehen. Die Zeiten, in denen der Wirt nach dem Essen völlig ungehemmt die Flasche Ron Miel auf den Tisch stellt und großzügig nachschenkt, werden bürokratisch reglementiert.

Ab 2027 müssen Gratis-Getränke und Aufmerksamkeiten des Hauses (Chupitos, kleine Tapas) lückenlos storniert oder als Werbeaufwand verbucht werden, um Steuerlücken zu schließen. Die spanische Finanzamt-Logik lautet hier wohl: Keine Rechnung ohne Einnahme – selbst wenn sie gar nichts gekostet hat!

Wer sich den kanarischen Flair trotzdem nicht nehmen lassen will, stellt sich die Flasche einfach selbst auf den Tisch: Ron Aldea oder Tres Hombres  ansehen.

3. Ferienwohnungen: Der Gürtel wird enger geschnallt

Das neue kanarische Gesetz zur Ferienvermietung (Vivienda Vacacional) greift ab 2027 voll durch. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

  • Auf den Inseln gibt es mittlerweile über 54.000 registrierte Ferienwohnungen.

  • Die neuen Regelungen geben den Gemeinden das Recht, feste Quoten einzuführen.

  • Für viele Unterkünfte gelten strenge Nachrüstpflichten (wie Energieeffizienz, barrierefreie Zugänge oder Parkplatznachweise). Wer die Standards nicht erfüllt, verliert nach Ablauf der Übergangsfristen schlichtweg seine Lizenz.

4. Flugpreise: Der Insel-Zuschlag der EU

Wer ab 2027 die Verwandtschaft auf dem Festland besuchen oder als Urlauber zu uns fliegen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Durch das EU-Emissionshandelsgesetz (ETS) fallen ab 2027 die bisherigen kostenlosen Zertifikate für Fluggesellschaften komplett weg.

Brancheninsider rechnen damit, dass europäische Flüge dadurch im Schnitt um 10 bis 20 Prozent teurer werden könnten. Umweltschutz ist gut – aber als Inselbewohner hat man eben keine Möglichkeit, stattdessen einfach die S-Bahn zu nehmen.

5. Geothermie auf La Palma: Reden, Reden, Reden … aber wo bleibt der Bohrer?

Und jetzt zu meinem persönlichen Lieblingsthema: Punkt 5 der Zukunftsversprechen – die Energiewende und die Geothermie auf La Palma.

Uns wird seit Jahren vorgerechnet, was für ein Gigant unter unseren Füßen schläft:

  • Das Potenzial der Vulkanenergie auf La Palma wird auf mehrere Hundert Megawatt geschätzt.

  • Schon einige moderner Geothermie-Kraftwerke könnten theoretisch 100 % des Strombedarfs der gesamten Insel rund um die Uhr decken – völlig emissionsfrei, wetterunabhängig und nachhaltig.

  • Millionen an Fördergeldern aus Madrid und Brüssel stehen für Probebohrungen bereit.

Und was passiert? Nichts.

Wir haben 2026, schauen auf das Jahr 2027 – und während man in Sonntagsreden wortreich über „Smart Islands“, E-Mobilität und die Zukunft schwafelt, ist der größte und logischste Fortschritt noch immer keinen Millimeter vorangekommen. Wir sitzen auf einem kochenden Energiespeicher, verbrennen aber munter weiter fossile Brennstoffe im Endesa Kraftwerk von Los Guinchos. Man könnte fast meinen, die Verantwortlichen warten darauf, dass der Vulkan die Löcher von alleine bohrt!

Mein Ausblick

Ab 2027 bekommen wir also weniger Steuer-Papierkram, dafür teurere Flüge, strengere Ferienhaus-Regeln und akribisch verbuchte Gratis-Schnäpse. Nur beim Thema Geothermie bleibt wohl vorerst alles beim Alten: Heiße Luft in den Parlamenten, statt heißen Dampfes in den Turbinen! Dabei könnte man hier soviel Inovation erreichen.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

2 Kommentare zu "Neuerungen 2027: Was uns auf den Kanaren blüht"

  1. Gibt es eine Quelle für die Aussage mit der Energieeffizienz für la Palma für 2027?

    • Hallo Marthe,

      die Quelle nennt sich Boletín Oficial de Canarias (BOC) – schwere Kost, aber hervorragend gegen Schlafstörungen!

      Scherz beiseite: Es handelt sich um den Entwurf des neuen kanarischen Ferienhausgesetzes (Ley de Ordenación Sostenible del Uso Turístico de la Vivienda), in dem genau diese Fristen und Nachrüstpflichten für die Vivienda Vacacional geregelt werden. Die genauen Paragrafen kann man dort nachlesen – sofern man beim Beamtenspanisch nicht vorher das Handtuch wirft!

      Beste Grüße

      Manfred

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