TMT Absage La Palma: Megateleskop kommt nicht

Observatorium Roque de los Muchachos auf La Palma – Absage für das TMT-Teleskop

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Milliarden Poker um Hawaii beendet!

Der jahrelange Krimi um das Thirty Meter Telescope (TMT) ist beendet – mit einem bitteren Ausgang für die Kanaren. Das Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) bestätigte am Freitagnachmittag die Entscheidung des internationalen TMT-Konsortiums, die Insel La Palma definitiv als Standort für das leistungsstärkste bodengebundene Teleskop der Geschichte auszuschließen.

Dabei lag aus Madrid ein finanzieller Gigant auf dem Tisch: Das spanische Wissenschaftsministerium hatte rund eine Milliarde Euro bereitgestellt, um dem Projekt auf dem Roque de los Muchachos den roten Teppich auszurollen. In einer Stellungnahme drückte das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Universitäten das tiefe Bedauern der spanischen Regierung aus: „Wir bedauern zutiefst, dass sich das internationale TMT-Konsortium nicht für die Insel La Palma entschieden hat.“

Der wahre Grund: La Palma war immer nur „Plan B“

Wer glaubt, die Entscheidung sei gegen den Standort La Palma als Solches gefallen, täuscht sich. Die Absage ist kein wissenschaftliches Urteil gegen die exzellente Luftqualität auf unserem Inselgipfel, sondern das Ergebnis eines knallharten geopolitischen Tauziehens.

Das von US-amerikanischen und kanadischen Universitäten geführte Konsortium wollte das Projekt von der ersten Skizze an auf dem Heiligen Berg Mauna Kea auf Hawaii realisieren. La Palma diente über Jahre hinweg primär als Druckmittel gegen die Proteste der indigenen Bevölkerung und die juristischen Hürden in den USA. Trotz der optimalen Bedingungen am Roque de los Muchachos war das Konsortium nie bereit, seinen Traumstandort im Pazifik aufzugeben. Das Milliarden-Angebot aus Spanien konnte diese sture Fixierung am Ende nicht schlagen.

Ein Dämpfer für den Roque – aber keine Niederlage für die Wissenschaft

Für den Wissenschaftsstandort La Palma ist das Aus ohne Frage ein herber Verlust. Das TMT hätte die Insel für Jahrzehnte in das absolute Zentrum der weltweiten Astronomie gerückt.

Dennoch bleibt der Roque de los Muchachos einer der wertvollsten und saubersten Himmelspostensektoren des Planeten. Wie gewaltig die Konkurrenz und die Unterschiede zwischen bodengebundenen Riesen und modernen Weltraumteleskopen wie dem James Webb sind, habe ich bereits in meinem Beitrag James Webb oder TMT auf La Palma – welches Teleskop sieht weiter? analysiert.

💡 Hinter den Kulissen: Welche Rolle spielte die US-Politik?

Neben den Protesten auf Hawaii gab es vor allem aus Washington finanziellen Rückenwind für das Aus:

  • Eingefrorene US-Fördergelder: Die National Science Foundation (NSF) geriet unter erheblichen Budgetdruck. Da die USA zeitgleich das Giant Magellan Telescope in Chile unterstützen, deckelte Washington die Mittel – das TMT-Projekt ging leer aus.
  • „America First“ in der Wissenschaft: Die US-Politik drängte darauf, dass amerikanische Steuergelder bevorzugt in Forschungsinfrastruktur auf US-Territorium (Hawaii) fließen. Der europäische Ausweichstandort La Palma hatte in den Washingtoner Haushaltsplänen schlicht keine politische Lobby – trotz des Milliarden-Angebots aus Madrid.

Deine Meinung ist gefragt!

War La Palma von Anfang an nur das Spielzeug im Poker um Hawaii? Und ist es vielleicht sogar gut, dass man sich auf der Insel nicht weiter als Hinhaltetaktik ausnutzen lässt?

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

5 Kommentare zu "TMT Absage La Palma: Megateleskop kommt nicht"

  1. Lieber Manfred,

    aus meinen palmerischen Kreisen kommt die Nachricht, daß die Ecologistas Schuld seien, weil sie das Projekt vor 10 Jahren blockiert hätten, obwohl die Finanzierung seitens der Amis ja gestanden hätte. Und nur weil die Amis dann keine Lust mehr mit La Palma hatten, sind auch die Japaner und Inder abgesprungen. Ansonsten hätte das Consorcio del TMT ja die erstmal angebotenen 600 Mio. EUR abgelehnt, weil die ja keine verlorene Subvention, sondern ein rückzahlbarer Kredit gewesen wären.

    Da kannste ‚mal wieder sehen, wir unterschiedlich die Menschen die gleiche Situation erfahren, empfinden und bewerten. Ich glaube unter anderem, daß die spanischen/kanarischen Verhandlungsführer einfach nicht auf der Höhe ihrer internationalen Gegenspieler waren. Einzelheiten im persönlichen Gespräch.

    Ansonsten leckt man sich die Wunden, ist aber wie gesagt ja gar nicht Schuld.

    VG Neil

    • Lieber Neil,

      wie heißt es so schön? „Wer die Schuld hat, ist egal – Hauptsache, man hat einen Sündenbock!“

      Ob es nun die eifrigen Umweltschützer waren, die Verhandlungsführer im spanischen Dornröschenschlaf, die ungeduldigen Amis oder schlicht die Gesetze der internationalen Bürokratie – am Ende ist das Ergebnis dasselbe: Das Megateleskop schaut künftig woanders in die Sterne und wir schauen hier auf La Palma in die Röhre.

      Es ist extrem schade für den Astrophysik-Standort auf dem Roque de los Muchachos. Die Chance war riesig, aber wie so oft im Leben gewinnt am Ende nicht die beste Idee.

      Das Wundenlecken gehört auf den Kanaren ja fast schon zur lokalen Kulturpflege. Hauptsache, das eigene Gewissen bleibt blütenweiß!

      Ich freue mich schon auf unser persönliches Gespräch und die saftigen Einzelheiten. Bis dahin trinken wir einen Kaffee auf die Sterne, die wir auch ohne TMT ganz gut sehen können!

      Herzliche Grüße
      Manfred

      • Lieber Manfred,

        leider gibt es aller Voraussicht nach aber noxh einen ganz anderen Aspekt bei dem Thema, der wesentlich beunruhigender ist. Ich rede von den wenig kommentierten Fähigkeiten eines solchen Teleskops wie dem TMT „nach innen“. Will sagen, wer so perfekt in die Ferne schauen kann, hat natürlich auch sehr besondere Fähigkeiten auf der Erde. Ich erinnere mich noch sehr genau der Verwicklungen, in die die russische Botschaft in Bonn (von wo aus ich nach La Palma als „Hauptstadtvertriebener ohne Ausweis“ aufbrach) involviert war: Abhörsysteme vom Feinsten. Und an das absolute Verbot der Beschäftigung deutscher oder sonstiger nicht-amerikanischer Bauunternehmen beim Bau der neuen USA-Botschaft in Berlin. Warum wohl?

        Kurzum: kein TMT auf La Palma bedeutet unter anderem, daß wir einen erheblichen Teil unseres Schutzstatus verlieren. Don’t forget: für Mohamed VI und übrigens auch Pedrito sind die Kanaren insgesamt ca. ein Drittel der Hauptstadtregion Madrid (2,2 vs. 6,8 Mio. EW) – selten so gelacht, verdad?

        Als „Verhandlungsmasse“ ist La Palma ab sofort jedenfalls arg geschwächt…

        Und welcher Traumtänzer wird wohl glauben, daß die Amis oder sonstwer der aktuellen europäischen Führer einen ernsthaften Krieg anzetteln würde, wenn 65.000 oder 85.000 oder 2.200.000 Canarios von Marokko einverleibt werden? Und das ausgerechnet gegen den wirklich guten Freund Mohamed VI, der ja schließlich offenbar eine Menge „Drecksarbeit“ (Freier O-Ton nach Bundeslanzler Merz) erledigt?

        VG Neil

  2. Tja, mal ehrlich; Worum geht es denn hier wirklich? Exoplaneten, ferne Galaxien, Schwarze Löcher und einige der ältesten Fragen der modernen Wissenschaft erforschen. Wie entstand das Universum? Wie entwickelten sich die ersten Galaxien? Gibt es erdähnliche Planeten in anderen Sonnensystemen? Fast bis zum Anfang der Zeit blicken zu können… wer würde davon wirklich profitieren? Außer einer riesigen Anzahl von neugierigen Wissenschaftlern, kein Schwanz. Zugegeben, diese Neugier hat der Allgemeinheit schon viel Positives beschert. Aber HIER?? Was mehr, als ein „Toll, dass wir mal darüber befunden haben“ soll dabei herauskommen? Wie essentiell wichtig ist es für die Allgemeinheit, zu wissen wo und vor wieviel Milliarden Jahren, Milliarden von Lichtjahren entfernt, ein Schwarzes Loch entstanden ist. Sind es nicht irrwitzige Summen, die man für so eine Veranstaltung aufzubringen bereit ist? Die werden in naher Zukunft für die Allgemeinheit an anderen Stellen noch sehr viel lebensnotwendiger werden!! Der Hasenfuß daran: Diese Allgemeinheit wird, wie gehabt, die entsprechenden Institutionen nicht im Geringsten interessieren.

    • Hallo Roland,

      da hast du gar nicht so unrecht – auf den ersten Blick sieht das nach sehr teurem Sternengucken aus.

      Der Witz an der Grundlagenforschung ist nur: Als NASA & Co. damals einfach nur in den Himmel schauen wollten, haben sie quasi „nebenbei“ Dinge wie Teflonpfannen, Bildsensoren für Smartphones, Ohrthermometer und kratzfeste Brillenläser erfunden.

      Aber du hast Recht: Wenn wir statt Milliarden-Teleskopen das Geld direkt in funktionierende Busverbindungen und bezahlbaren Wohnraum stecken würden, hätten wir im Alltag auf der Erde tatsächlich erst einmal mehr davon!

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