19. September 2021, 15:11 Uhr: Der Tag, an dem die Erde auf La Palma aufriss

Eine Minute nach Eruptionsbeginn/ Vulkanausbruch La Palma 19. September 2021

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Vulkanausbruch La Palma 19. September 2021 – Der Wettlauf gegen die Lavamassen: Chaos im Aridane-Tal!

Es war ein Sonntag, der friedlich begann und in einer Katastrophe endete. Heute vor genau fünf Jahren, am 19. September 2021 um Punkt 15:11 Uhr Ortszeit, erschütterte eine gewaltige Explosion die Region Cabeza de Vaca in El Paso. Ich werde diesen Augenblick – das dumpfe Grollen tief aus den Eingeweiden der Erde und die schwarze Rauchsäule, die sich minutenschnell in den blauen Kanarenhimmel fraß – nie wieder aus meinem Kopf bekommen. Der Vulkan auf La Palma war geboren, und mit ihm begann das schwerste Kapitel unserer jüngeren Inselgeschichte.

20 Minuten nach Eruptionsbeginn/ Vulkanausbruch La Palma 19. September 2021

20 Minuten nach Eruptionsbeginn fängt die Lava an zu fließen

Schon in den Tagen zuvor war die Anspannung im Aridane-Tal greifbar. Die seismische Unruhe nahm stündlich zu, hunderte Schwarmbeben erschütterten den Boden unter unseren Füßen, und die Erde hob sich sichtbar an. Aus geologischer Sicht war ein eruptiver Prozess längst unvermeidbar. Im Originalbeitrag „Ein eruptiver Prozess wird sehr wahrscheinlich“ nachzulesen.

Doch was damals hinter den Kulissen geschah – oder besser gesagt nicht geschah –, sorgt bis heute für tiefe Wut und bittere Enttäuschung.

Die gelbe Falle: Das Notfall-Versagen des Pevolca-Komitees

Obwohl die Natur alle Warnsignale auf Rot stellte, beharrte das Notfallkomitee Pevolca stur auf der Warnstufe Gelb. Es gab vor der Explosion keine geordneten Großevakuierungen der betroffenen Wohngebiete. Die Anwohner wurden nicht rechtzeitig gewarnt, nicht evakuiert und im Unklaren gelassen.

Erst als um 15:11 Uhr die Erde aufriss, die Lavafontänen vor den Augen aller in den Himmel schossen und es im Grunde schon zu spät war, wurde hektisch auf die höchste Warnstufe umgeschaltet. Familien mussten plötzlich um ihr nacktes Leben rennen. Binnen Minuten mussten sie ihre Häuser, Tiere und jahrzehntelang aufgebauten Existenzgrundlagen zurücklassen, während die glühende Masse bereits unaufhaltsam auf die Ortsteile von El Paso zusteuerte.

Warum die Verantwortlichen die Warnstufe nicht rechtzeitig auf Rot hochsetzten und die Bevölkerung fahrlässig dem Risiko aussetzten, ist bis heute ein offenes Trauma. Genau darüber streiten Anwohner und Betroffenenvertretungen noch heute – fünf Jahre später – vor Gerichten mit der Kanarischen Regierung.

Von Cabeza de Vaca ins Inferno: Die ersten Stunden des Tajogaite

Aus zwei Spalten schossen glühende Lavafontänen hunderte Meter hoch. Was eben noch idyllische Pinienwälder und ruhige Hanglagen waren, verwandelte sich binnen Sekunden in ein infernales Felsenmeer aus Feuer, Gas und Asche. Der ohrenbetäubende Lärm – ein Fauchen, Donnern und Dröhnen, das selbst kilometerweit entfernt durch Mark und Bein ging – machte deutlich, dass hier eine unbändige Naturgewalt das Kommando übernommen hatte.

Als die ersten glühenden Lavaströme mit über 1.000 Grad Celsius die Hänge hinabwalzten, begann das reine Chaos. Ohne behördlichen Evakuierungsplan organisierten Nachbarn und Helfer die Flucht auf eigene Faust. Vieles davon auch in meinem Buch: Vulkanfeuer und Inselfeeling

Fünf Jahre danach: Eine Wunde, die nicht verheilt

Niemand von uns ahnte an diesem Sonntagnachmittag im September, dass dieses natürliche Infernal exakt 85 Tage und 8 Stunden anhalten sollte. Der Tajogaite hinterließ nicht nur eine völlig neu geformte Geografie und Millionen Tonnen Vulkanasche, sondern brannte tiefgreifende Verletzungen in die Seele der Menschen auf La Palma.

Wenn ich heute an den Rand des neuen Lavafeldes trete und auf die erstarrten schwarzen Massen blicke, ist die Erinnerung an jenen 19. September um 15:11 Uhr noch immer glasklar. Es war nicht nur der Moment, in dem die Erde aufriss – es war der Tag, an dem das Vertrauen vieler Menschen in den behördlichen Schutz für immer erschüttert wurde.

💬 Deine Erinnerungen: Wo warst du am 19. September 2021?

Ein solcher Tag brennt sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein. Wenn du damals auf La Palma warst – oder die dramatischen Ereignisse aus der Ferne verfolgt hast: Was war dein erster Gedanke, als die Nachricht oder der Knall um 15:11 Uhr durch die Medien ging? Hast du die Versäumnisse bei der Evakuierung selbst miterlebt?

Schreibe deine Erfahrungen und Erinnerungen gerne unten in die Kommentare. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass das, was vor fünf Jahren geschah, nicht in Vergessenheit gerät.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

3 Kommentare zu "19. September 2021, 15:11 Uhr: Der Tag, an dem die Erde auf La Palma aufriss"

  1. Petra Bredenbröker | 20. September 2026 um 10:08 | Antworten

    Guten Morgen. Wir waren an dem Tag in Puerto Naos und wurden überrascht. Um 11.00Uhr Uhr sind wir vom Erdbeben fast von der Liege auf der Dachterrasse gefallen. Um 15Uhr Uhr stellten wir fest das der Strand geräumt war. Wir wussten nur dass etwas passieren könnte, aber wie Alle nicht wann.Also hektisch Koffer gepackt und mit unseren Freunden nichts wie weg.Soviel Angst hatte ich noch nie.Keine Info von der Polizei oder unserem Vermieter. Wir konnten noch ein Zimmer im H10 in los Cancajos bekommen und 1,5 Wochen auf den Rücktransport nach Düsseldorf gewartet. Wir waren im nächsten Jahr sofort wieder auf der Insel.

  2. Mit Entsetzen habe ich die Nachrichten gesehen. Wir wollten am 21.09.21 nach La Palma fliegen. Auf telefonischer Nachfrage meinte eine „schlaue“ Mitarbeiterin von Alltours, dass es nur eine Momentaufnahme ist und wir laut ihren Unterlagen reisen können. Wir hatten in Todoque ein Haus gebucht. Die Reise wurde dann, nach einer bösen Mail, 14 Stunden vor Abflug von Alltours storniert.
    Nach 2 mal Urlaub auf La Gomera sind wir wieder zurück nach La Palma.
    Mittwoch geht es wieder nach La Palma.

  3. Ich hatte eine Tour rund um die Montana de Centinela gemacht und freute mich aufs Abendessen. Mein Ferienhaus war in Todoque. Daß etwas nicht stimmt habe ich gemerkt, als ich auf der LP1 Richtung Süden gegen 20.00 Uhr eine Rauchwolke gesehen habe. Am Mirador El Time standen viele Leute und schauten Richtung Vulkan. Nach Todoque konnte ich natürlich nicht mehr. Zum Glück wußte ich ungefähr, wo das Stadion in Los Llanos ist.
    https://www.flickr.com/photos/24194829@N08/52197073060/in/album-72157711541917631

    Einige Tage Kaserne, danach Hotel Princess, beides nicht meine Vorstellung von Urlaub. Immerhin: Condor hat sich – m. W. als einziger Ferienflieger – um uns gekümmert und einen Rückflug organisiert. Auf diese Weise bin ich zu einer Bootsfahrt nach Teneriffa gekommen, bei Wellengang ein Erlebnis für sich.

    Im Nachhinein ärgere ich mich über mich, weil ich mich zu sehr auf die offiziellen Infos verlassen hatte („wenn Ausbruch, dann im Süden“), dabei waren beim Frühstück am 19ten die Erdbeben deutlich zu spüren.

    Manfreds Blog war in dieser Zeit übrigens extrem wichtig für mich, ich lese ihn bis heute täglich.

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