Eure Geschichten zum 19. September 2021: Von Todesangst, Chaos und treuen Insel-Seelen

Der Beginn des Vulkanausbruch beobachtet von Süden/ Erfahrungen Vulkanausbruch La PalmaDer Beginn des Vulkanausbruch beobachtet von Süden bei Jedey

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Der Ausbruch des Vulkan Tajogaite steckt noch in den Knochen!

Erfahrungen Vulkanausbruch La Palma – Mein gestriger Beitrag 19. September 2021, 15:11 Uhr: Der Tag, an dem die Erde auf La Palma aufriß hat eine Welle von Emotionen ausgelöst. Mich haben auf dem Blog und in den sozialen Medien unglaublich viele persönliche, packende und berührende Kommentare erreicht.

Dafür möchte ich euch von Herzen danken! Eure Rückmeldungen zeigen mir einmal mehr: Der Ausbruch des Tajogaite ist nicht nur Geologie oder Inselgeschichte. Er ist eine tief sitzende, gemeinsame Erfahrung, die uns alle – ob Anwohner oder jahrzehntelange Urlauber – bis heute fest verbindet.

Zwischen Panik in Puerto Naos und stornierten Träumen

Eure Schilderungen spiegeln genau das wieder, was die behördlichen Versäumnisse an diesem Tag angerichtet haben: Orientierungslosigkeit, pures Entsetzen und unermesslicher Verlust.

Petra berichtete, wie sie in Puerto Naos von den Beinen gerissen wurde und panisch die Koffer packte – ohne eine einzige Information von Polizei oder Vermieter. Jörg sollte zwei Tage später nach Todoque fliegen und wurde von Reiseveranstaltern noch Stunden vor Abflug vertröstet, während die Lava bereits die ersten Häuser verschlang. Horst  stand nach einer Wanderung plötzlich vor der Absperrung, verlor den Zugang zu seinem Ferienhaus in Todoque und verbrachte Tage in der Kaserne sowie im Notquartier.

Lavamassen stürzen zu Tal/ Erfahrungen Vulkanausbruch La Palma

Lavamassen die alles überrollen und begraben

Auch die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen hautnah, wie grausam schnell das Unheil zuschlug: Frank beschrieb den schockierenden Moment, als er den Ausbruch von seiner Dachterrasse im Camino Las Fuentes aus beobachtete – nur wenige Tage später war sein Haus schlichtweg nicht mehr da.

Brigitte erinnerte sich an die Ahnungslosigkeit beim Mittagessen im Restaurant La Abuela, ehe auf der Heimfahrt das Drama sichtbar wurde. Und Marita beschrieb den emotionalen Schmerz aus der Ferne: Das tägliche, bange Warten vor dem Bildschirm, das ungläubige Entsetzen, als die Kirche von Todoque vor den Kameras einstürzte, und das Gefühl der Hilflosigkeit um die vertrauten Orte.

Ein Versprechen an La Palma: Ihr kommt alle zurück

Was mich an all euren Geschichten jedoch am tiefsten berührt, ist ein roter Faden: Niemand von euch hat La Palma den Rücken gekehrt.

Trotz der Angst, trotz evakuierter Hotels, gestrichener Flüge und der spürbaren Veränderung auf der Insel seid ihr alle wiedergekommen. Ihr befahrt die neuen Straßen über den schwarzen Lavaschichten mit Wehmut, aber ihr haltet der Insel und ihren Menschen die Treue. Genau diese Verbundenheit macht unsere Gemeinschaft hier so besonders.

Dass mein Blog für viele von euch in diesen chaotischen Tagen die wichtigste Informationsquelle war – und bis heute täglich gelesen wird –, erfüllt mich mit großer Demut. Es bestätigt mich darin, wie wichtig das ungeschönte, ehrliche Berichten von unserer Insel ist.

💬 Wie hast du diese Tage erlebt? Erzähle deine Geschichte!

Eure Erinnerungen sind ein unschätzbares Zeitzeugnis. Deshalb möchte ich diese Runde weiter öffnen:

  • Wo warst du am 19. September 2021 oder in den Tagen danach?

  • Welche Momente – ob am PC zu Hause oder vor Ort im Aridane-Tal – haben sich bei dir unauslöschlich eingebrannt?

  • Wie erlebte deine Familie oder dein Bekanntenkreis das damalige Informationschaos?

Schreibe mir deine persönliche Situation, deine Gedanken und Meinungen unbedingt unten in die Kommentare! Lass uns diese Erinnerungen gemeinsam festhalten und teilen.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

2 Kommentare zu "Eure Geschichten zum 19. September 2021: Von Todesangst, Chaos und treuen Insel-Seelen"

  1. Es war unser zweiter Besuch auf La Palma mit Wohnung in Marina Alta, direkt an der Grenze zu La Laguna. Am 19.09.21 waren wir morgens zu Fuß zum Markt in Argual (alle waren dort sehr aufgeregt, was denn kommen könnte). Kurz nach 15 Uhr waren wir dann wieder auf der Finca und meine Frau ging zum Badezimmer und rief mich zu sich. Weisser Rauch stieg in relativer Nähe zu uns auf. Uns wurd klar, das mußte der erwartete Vulkanausbruch sein (wir hatten natürlich die „Erdbeben“ an den Tagen vorher deutlich bemerkt. Der Lavafluß kam gefühlt direkt in unsere Richtung. In der Finca waren ausser uns beiden noch weitere 3 Ehepaare. Wir waren ohne jede offizielle Information. Wir trafen uns alle im Garten und beratschlagten was zu tun sei. Die Fincabesitzerin rief dann an, wir sollten alle Richtung Tijarafe „fliehen“. Das war natürlich keine Option, was mach man dann dort ohne Quartier für die Nacht etc. Mittlerweile war es 18:00 und meine Frau und ich gingen nach La Laguna Pizza essen (Hunger hat man ja). Dort waren wir dann noch einen Kilometer näher an der Lava, es wirkte extrem bedrohlich und die Einwohner standen auf ihren Dächern um zu erkennen, was sie machen sollten. Abends kehrte sich der Lavastrom dann weg von La Laguna in Richtung Todoque. Wir haben denn nachts quasi Wache gehalten um rechtzeitig reagieren zu können. Am nächten Tag haben wir dann mit allen zusammen gegessen was wir so in Summe hatten. Ein Paar hat dann von ihrem Reiseveranstalter ein neues sicheres Quartier bekommen und der Rest hatte sowieso den Rückflug für Dienstag geplant. Einer mußte noch tanken und kam zurück mit der Meldung, der Tunnel sei gesperrt. Laut Google war der abends wieder auf aber meine Frau und ich sind dann sicherheitshalber um 4Uhr nachts über Barlovento zum Flughafen, der Rest hat es riskiert und ist um 6 Uhr problemlos durch den Tunnel. Als wir in der Luft waren war dann das unfreiwillige Abenteuer für uns zu Ende. Leider für die Anwohner noch lange nicht. Wir vermissen Todoque sehr.
    Seitdem waren wir wieder zweimal auf La Palma, jedesmal in Tajuya und wir sind Ende Oktober und dann später im März wieder da.

    • Hallo Edwin,

      herzlichen Dank für diesen eindringlichen und persönlichen Erfahrungsbericht!

      Deine Schilderung zeigt genau das, was diesen Schicksalstag für so viele von uns geprägt hat: Die völlige Ungewissheit in den ersten Stunden, die bedrohliche Kulisse direkt vor der Haustür – und gleichzeitig dieser pragmatische Zusammenhalt unter den Gästen auf der Finca. Die Anekdote mit der Pizza in La Laguna verdeutlicht treffend, wie nah Normalität und Ausnahmezustand an diesem Tag nebeneinander lagen.

      Dass Ihr nachts Wache gehalten habt und die abenteuerliche Ausweichroute über den Norden nach Barlovento gewählt habt, zeigt, wie tief sich diese Erlebnisse eingebrannt haben. Und dein Mitgefühl für die Anwohner, die Todoque verloren haben, berührt sehr.

      Umso schöner ist es zu lesen, dass Ihr der Insel trotz dieses dramatischen Erlebnisses die Treue haltet. Die Wiederkehr nach Tajuya und eure kommenden Reisen im Oktober und März sind das beste Zeichen dafür, dass La Palma im Herzen bleibt.

      Gute Anreise schon jetzt und eine wunderbare Zeit wieder hier auf der Insel!

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