Die Schluchten-Challenge auf La Palma: 5 Abgründe, ein Abenteuer –
La Palma wird nicht umsonst die „Steile Insel“ genannt. Wer hier wandert, merkt schnell: Es geht selten geradeaus, sondern meistens steil bergab und auf der anderen Seite sofort wieder bergauf. Diese „Barrancos“ (Schluchten) sind das Herzstück der Inselgeografie.
Ich habe für euch die spektakulärsten Touren zusammengestellt – von geschichtsträchtigen Pfaden bis hin zu fast vergessenen Wildnissen.
1. Barranco de las Angustias – Der Weg in den Krater
Der Klassiker unter den Klassikern
Diese Schlucht heißt übersetzt „Schlucht der Todesängste“. Doch keine Sorge: Der Name stammt wahrscheinlich von den gefährlichen Sturzbächen nach heftigem Regen, nicht vom Wanderweg selbst. So benannt wurde er schon von den spanischen Eroberern im 15. Jahrhundert.
Die Tour: Wenn ihr von der Viña Grande in die Caldera de Taburiente wandert, erlebt ihr eine geologische Zeitreise.
- Das Highlight: Das „Dos Aguas“, wo das eisenhaltige, gelbe Wasser auf das klare Bergwasser trifft.
- Insider-Wissen: Im oberen Teil heißt die Schlucht eigentlich Barranco de Taburiente. Erst ab dem Zusammenfluss wird sie zum „Angustias“. Am Ende, kurz vor Tazacorte, nennen die Einheimischen das breite Kiesbett oft schlicht „El Río“ (den Fluss).
2. Barranco de Fernando Porto – Die Wildnis von Garafía
Der Geheimtipp für Entdecker
Diesen Namen findet man selten auf den ersten Seiten der Reiseführer. Der Barranco de Fernando Porto liegt im tiefen Nordwesten, nahe Santo Domingo de Garafía. Er ist nach einem der ersten Landbesitzer der Insel benannt.
Die Tour: Hier spürt ihr die Isolation des Nordens. Der Abstieg führt über extrem steile Serpentinen hinunter zum alten Hafen von Garafía.
- Das Highlight: Unten angekommen, findet ihr eine der einsamsten und rauesten Badebuchten der Insel. Die Felswände aus Basalt stehen hier fast senkrecht und der Atlantik zeigt seine volle Wucht.
- Wichtig: Diese Tour ist nur etwas für Trittsichere. In Wander-Apps wird die Region oft nur unter „Puerto de Garafía“ geführt – haltet Ausschau nach diesem Namen!
3. Barranco del Agua – Das grüne Herz (Los Tilos)
Dschungel-Feeling pur

Barranco del Agua: Das Sonnenlicht erreicht selten den Barrancogrund
In Los Sauces gibt es den berühmten Barranco del Agua, den viele einfach nur als „Los Tilos“ kennen. Er ist das Zentrum des UNESCO-Biosphärenreservats.
Die Tour: Der Weg führt durch dichte Lorbeerwälder, in denen der Farn meterhoch wächst.
- Das Highlight: Die spektakuläre Bogenbrücke, die die Schlucht in schwindelerregender Höhe überspannt. Wenn ihr weiter hinaufwandert, erreicht ihr die Quellen von Marcos y Cordero – eine Tour durch 13 Wassertunnel.
- Hintergrund: Der Name „del Agua“ ist Programm – hier fließt das ganze Jahr über das kostbare Nass, was auf der Westseite der Insel eine Seltenheit ist.
4. Barranco de Izcagua – Die Grenze der Giganten
Wo der Himmel die Erde berührt.
Diese gewaltige Schlucht bildet die natürliche Grenze zwischen den Gemeinden Puntagorda und Garafía.
Die Tour: Die meisten kennen den Rand der Schlucht vom berühmten Bauernmarkt (Mercadillo) in Puntagorda. Eine Wanderung hinunter und auf der anderen Seite wieder hoch ist ein echtes Training für die Waden.
- Das Highlight: Die Drachenbäume, die an den Hängen von Izcagua thronen. Im Frühling blühen hier die Mandelbäume und verwandeln die Schluchtränder in ein rosa Blütenmeer.
- Tipp: Kombiniert die Wanderung mit einem Besuch auf dem Markt, um euch danach mit regionalen Köstlichkeiten zu belohnen.
5. Barranco de las Madres – Die Quelle des Lebens
Mystik und Geschichte
Oft als Teil des Barranco de la Galga oder des Barranco del Rio gesehen, ist „Las Madres“ (die Mütter) der Name für die Region, in der die wichtigsten Wasseradern entspringen.

Barranco de la Galga – Urzeitstimmung im Dschungel-Outback
Die Tour: Ein feuchter, kühler Weg, der oft im Nebel der Passatwolken liegt. Die Vegetation ist hier so alt, dass man fast erwartet, einem Dinosaurier zu begegnen.
- Das Highlight: Die historischen Wasserkanäle, die teils direkt in den Fels gehauen wurden. Sie erzählen die Geschichte, wie die Palmeros seit Jahrhunderten das Wasser aus den Bergen zu den Bananenplantagen an der Küste leiten.
Fazit der Challenge:
Wer diese fünf Barrancos bezwungen hat, kann von sich behaupten, La Palma wirklich „erwandert“ zu haben. Packt genug Wasser ein, nehmt Wanderstöcke mit und vergesst die Kamera nicht – die Perspektiven in der Tiefe sind einzigartig! – und verlasst euch nicht auf Wander-Apps, wie Komoot oder Outdooractive. Die führen oft ins Leere. Bewährt haben sich immer noch schriftliche Wanderführer und Karten.



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