Warum La Palma das nächste Zentrum für botanische Weltsensationen sein kann –
Botanik Neuentdeckungen : Die Kanarischen Inseln sind ein Labor der Evolution, und die jüngsten Entdeckungen versetzen die Fachwelt in Staunen. Während La Palma – die „Isla Bonita“ – mit ihrer enormen ökologischen Vielfalt und den durch junge Vulkanausbrüche ständig neu entstehenden Habitaten als das vielversprechendste Feld für zukünftige Neuentdeckungen gilt, liefern aktuelle Funde auf Gran Canaria die wissenschaftliche Vorlage für das, was uns auf La Palma noch erwarten könnte.
Die Krönung der Taxonomie: Wenn aus Arten neue Gattungen werden
In der Botanik ist die Entdeckung einer neuen Art bereits ein Erfolg. Doch was kürzlich dokumentiert wurde, ist weitaus seltener: Die Identifizierung völlig neuer Gattungen. Dies bedeutet, dass sich diese Pflanzen so grundlegend von allem Bekannten unterscheiden, dass sie eine eigene Sektion im biologischen Stammbaum beanspruchen.
Der Fall Calendula Asteraceae – Calenduleae (Gran Canaria)
Die Entdeckung der Gattung Calendula (Asteraceae – Calenduleae) im Bergmassiv von Gran Canaria ist ein Meilenstein.

- Bedeutung: Es handelt sich nicht nur um eine neue Pflanzenart, sondern um eine eigenständige Gattung.
- Hintergrund: Diese Pflanze hat sich in den isolierten Pinienwäldern so spezifisch entwickelt, dass sie genetisch und morphologisch isoliert steht. Für La Palma ist dies ein wichtiges Signal: Die dortigen, oft noch unzugänglicheren Schluchten (Barrancos) könnten ähnliche, bisher unerkannte Gattungen beherbergen.
Vergleich: Castrilia latens (Granada)
Auch auf dem spanischen Festland, in der Sierra de Castril, wurde mit Castrilia latens eine neue Gattung gefunden. Diese Fälle verdeutlichen, dass wir trotz moderner Technik erst am Anfang stehen, die wahre Biodiversität unserer Regionen zu begreifen.
Taxonomische Revision: Die Gattung Calendula
Ein weiterer Durchbruch gelang bei der Revision der Gattung Calendula (Ringelblumen) auf den Kanaren. Durch komplexe morphometrische Analysen, Chromosomenzählungen und Genomgrößenschätzungen wurde die Vielfalt dieser Gattung neu definiert.
Die neuen Taxa
Vier Arten wurden identifiziert, wobei zwei davon wissenschaftliche Erstbeschreibungen sind:
- Calendula ricardoi (Neu entdeckt & beschrieben)
- Calendula sventenii (Neu entdeckt & beschrieben)
- C. arvensis & C. officinalis (Bereits bekannte Arten)
Diese Revision zeigt, dass selbst in vermeintlich gut erforschten Gattungen noch völlig neue Arten (Taxa) verborgen liegen – ein Umstand, der Botaniker auf La Palma besonders elektrisiert, da die dortige Flora durch die jüngsten vulkanischen Aktivitäten unter hohem evolutionärem Druck steht.
Methodik der Entdeckung
Die Identifizierung dieser botanischen Schätze basiert auf drei Säulen:
- Morphometrie: Millimetergenaue Analyse von Struktur und Form.
- Zytologie: Untersuchung der Chromosomen zur Bestimmung der Abstammungslinien.
- Genetik: Schätzung der Genomgröße zur Abgrenzung gegenüber verwandten Arten.
Ausblick: La Palma als Quell der nächsten Entdeckungen
Warum blickt die botanische Welt nun so gespannt auf La Palma? Die Insel bietet durch ihre enorme vertikale Gliederung und die extrem jungen Bodenformationen (wie die Gebiete des Tajogaite) ideale Bedingungen für die Speziation – die Entstehung neuer Arten.
Die Entdeckungen auf Gran Canaria fungieren als „Proof of Concept“. Sie beweisen, dass die Kanaren noch immer Überraschungen auf Gattungsebene bereithalten. Experten sind überzeugt: In den steilen Lorbeerwäldern und den isolierten Hochlagen La Palmas warten Pflanzen, die ähnlich wie Calendula das Potenzial haben, die botanischen Lehrbücher zu revolutionieren.
Die Erforschung der Schutzstatus-Bewertungen und Verbreitungsgebiete, wie sie jetzt für die neuen Calendula-Arten vorliegt, wird das nächste große Projekt für die Botaniker auf La Palma sein. Die Suche nach der nächsten „völlig neuen Gattung“ hat auf der Isla Bonita gerade erst begonnen.



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