Tragödie vor El Hierro mit drei Toten

Flüchtlingsboot vor El Hierro/ Migration El Hierro Cayuco

💬 0 Kommentare

⚠️ AEMET: Heute Gelber Regenalarm - Für Donnerstag auf der Ostseite Warnstufe ORANGE - Niederschlagsmenge in 12 Stunden: 100 mm. Heftige Schauer, die von Gewittern begleitet sein können!
🌦️ Mazo (8.00 Uhr)
☁️Temp. 19,8 °C
💧 13,6 l/m²
💨 4,3 km/h aus S/W
Abenteuer-Tipp: »Was bedeutet das Nitrato de Chile Mosaik?« Entdecken

Wenn die Zahlen wieder steigen und die Politik wegsieht!

Es ist wieder einer dieser Tage auf den Kanaren, an denen man morgens aufwacht, auf das Meer blickt und sich fragt, wann der politische Diskurs endlich in der Realität ankommt. Die Nachrichten vom Wochenende aus El Hierro treffen einen mitten ins Herz – und lassen einen gleichzeitig mit einer gehörigen Portion Wut und Kopfschütteln zurück.

Ein einziges Holzboot (Cayuco) erreichte in den frühen Morgenstunden den Hafen von La Restinga auf El Hierro. Die Bilanz der Überfahrt: 131 Menschen an Bord, drei Tote und sechs Personen, die sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Drei Menschenleben, ausgelöscht auf der Atlantikroute – einer der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Und das ist erst der Anfang der Saison.

Es werden wieder täglich mehr: Die Rückkehr der „Cayuco-Saison“

Wer hier auf den Inseln lebt, kennt die Dynamik. Sobald der Herbst einzieht und der Atlantik für kurze Zeit etwas ruhiger wird, ziehen die Ankunftszahlen spürbar an. „Es werden jetzt wieder täglich mehr“, hört man es in den Nachrichten und auf den Straßen.

Was für die Politik in Madrid oder Brüssel wie eine unvorhersehbare Naturkatastrophe wirkt, hat System und Wiederholungseffekt. Seit Jahren beobachten wir dasselbe Schauspiel:

  • Die Route verlagert sich immer weiter auf die kleinsten und am westlichsten gelegenen Inseln wie El Hierro.

  • Die Kapazitäten vor Ort reichen nicht aus.

  • Die Helfer im Hafen von La Restinga leisten Übermenschliches, während die Bürokratien im Schneckentempo agieren.

Das Versagen Spaniens und der EU: Ein Trauerspiel in mehreren Aufzügen

Wenn es um die Frage geht, warum sich nichts ändert, betreten wir die Bühne der großen Politik – und hier fällt es schwer, den Humor nicht ganz zynisch werden zu lassen.

1. Das Versteckspiel zwischen Madrid und den Regionen

Spanien schaut dem Treiben auf den Kanaren nun schon seit Jahren zu. Statt tragfähige Konzepte für die Verteilung – insbesondere von unbegleiteten Minderjährigen – auf das spanische Festland zu schaffen, verstrickt sich die Zentralregierung in Madrid lieber in ewigen Debatten mit den autonomen Regionen. Man schiebt sich die Verantwortung wie eine heiße Kartoffel zu, während auf El Hierro die Infrastruktur unter der Last ächzt.

2. Das zahnlose Papiermonster der EU

Und was macht Brüssel? Die Europäische Union glänzt einmal mehr durch hehre Sonntagsreden und kilometerlange Gesetzesentwürfe. Der sogenannte EU-Asyl- und Migrationspakt wird in klimatisierten Konferenzräumen als historischer Durchbruch gefeiert – erreicht im Atlantik aber genau gar nichts.

Die Formel der EU scheint seit Jahren zu lauten: Aussitzen, Wegschauen und Geld an Drittstaaten überweisen, in der Hoffnung, dass das Problem gar nicht erst den europäischen Boden erreicht. Dass das Schließen einer Route (wie im Mittelmeer) lediglich dazu führt, dass die Menschen die noch tödlichere Atlantikroute wählen, scheint in den Risikoanalysen der EU-Bürokraten regelmäßig übersehen zu werden.

Wenn Hilflosigkeit auf Alltag trifft

Man fragt sich unwillkürlich: Wie viele Boote, wie viele Überlastungsanzeigen aus El Hierro und wie viele Notfallsysteme am Anschlag braucht es eigentlich noch?

Es hat schon eine gewisse Schmunzelgarantie – wenn es nicht so traurig wäre –, wie regelmäßig europäische Politiker tiefste Betroffenheit bekunden, um danach nahtlos zur Tagesordnung überzugehen. Man könnte fast meinen, in den Ministerien gibt es Textbausteine für kanarische Cayuco-Ankünfte, die je nach Opferzahl einfach neu kombiniert werden.

Die Realität hier vor Ort bleibt unverändert: Die Seenotrettung (Salvamento Marítimo) und das Rote Kreuz leisten direkt am Kai fantastische Arbeit unter extremen Bedingungen. Sie fangen das auf, was die große Politik durch jahrelange Passivität versäumt hat.

Mein Fazit

Drei Menschen haben diese Überfahrt nach El Hierro mit dem Leben bezahlt. Sechs kämpfen im Krankenhaus. Und während wir auf den Inseln in den kommenden Wochen mit weiteren Ankünften rechnen müssen, wird in Madrid und Brüssel vermutlich erst einmal wieder diskutiert, wer für welches Formular zuständig ist.

Es braucht endlich funktionierende Abkommen, ehrliche Ursachenbekämpfung vor Ort und eine solidarische Verteilung innerhalb Europas. Doch bis das passiert, bleibt uns wohl nur übrig, den Nothelfern vor Ort den Rücken zu stärken – und der Politik weiterhin kritisch auf die Finger zu schauen.

UPDATE:

10.00 Uhr – AEMET Wetterwarnung ORANGE für Donnerstag und die Ostseite von La Palma – Niederschlagsmenge in 12 Stunden: 100 mm. Heftige Schauer, die von Gewittern begleitet sein können.

Schluss mit Abzocke & Irrtümern im Ruhestand

Erfahre in meinem Ratgeber „Kanaren statt Heizdecke“ alle Fakten zu Lebenshaltungskosten, Krankenversicherung und Behördengängen für Auswanderer und Überwinterer.

👉 Jetzt Ratgeber auf Amazon ansehen
La Palma News per WhatsApp

Gratis Kanal abonnieren & Glocke an!

Abonnieren

☕️ Dem Jubi-Insider einen Kaffee spendieren?
Dir gefällt LaPalma1.net frei von nervigen Pop-up-Bannern? Ich stecke viel Herzblut und Zeit in diese unabhängigen Berichte. Wenn du meine tägliche Arbeit und die Serverkosten mit einer kleinen, freiwilligen Wertschätzung unterstützen möchtest, kannst du das ab sofort ganz unkompliziert über meine digitale Kaffeekasse via PayPal tun. Vielen Dank für deine Unterstützung!


💡 Meistgelesene Beiträge

Wetter La Palma

Manfreds Buchtipps: Alle La Palma Bücher entdecken

Hier geht es direkt zur Übersicht auf lapalma-angebote.com – Für Infos einfach ein Buch anklicken!

Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

Kommentar hinterlassen zu "Tragödie vor El Hierro mit drei Toten"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*