Und wie die Realität auf La Palma aussieht!
Kurz & knapp: Das Nationale Statistikinstitut in Madrid (INE) hat wieder seine mathematischen Keulen geschwungen: Beim aktuellen Multidimensionalen Lebensqualitätsindikator (IMCV) landen unsere Kanarischen Inseln auf dem drittletzten Platz in ganz Spanien. Nur die Exklaven Ceuta und Melilla schneiden noch schlechter ab. Als ich diese Zahlen gelesen habe, saß ich gerade bei 24 Grad, einem Glas Wasser und dem Blick auf den Atlantik auf meiner Terrasse. Da stellt man sich unwillkürlich die Frage: Geht es mir hier eigentlich gerade wirklich so schlecht, wie das Amt behauptet?
Was die Statistiker in Madrid gemessen haben
Wer die Zahlen des INE genauer zerlegt, versteht schnell, wie dieses Ergebnis zustande kommt. Der gesamtspanische Durchschnitt liegt bei 101,74 Punkten. Die Kanaren hängen bei mageren 99,40 Punkten fest.
Schaut man sich die Kriterien an, wird klar, warum die Inseln in den Exceltabellen der Bürokraten so schlecht wegkommen:
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Materielle Lebensbedingungen & Löhne: Die Gehälter auf den Inseln sind im spanischen Vergleich niedrig, während die Preise im Supermarkt – bedingt durch Frachtkosten und die Insellage – kräftig angezogen haben.
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Wohnungsmarkt: Die Mieten und Immobilienpreise sind durch den Vulkanausbruch, Tourismus und Nachfrage extrem gestiegen.
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Arbeitsmarkt & Bildung: Hohe Saisonalität und Schulabbruchquoten drücken die mathematische Note massiv nach unten.
Für die lokale Bevölkerung, die mit kanarischen Gehältern europäische Supermarktpreise bezahlen muss, ist das ein echter Härtefall. Aber wie sieht es für uns aus, die wir als deutsche Residenten oder Rentner hier leben?
Das Befinden der deutschen Residenten: Zwischen Traumklima und Alltagsrealität
Wenn ich mich unter uns deutschen Residenten auf La Palma umhöre – egal ob beim Einkauf in Brena Alta, beim Pflanzentausch unter Nachbarn oder beim Gespräch in Santa Cruz de La Palma –, sehe ich ein völlig anderes Bild als in der Statistik aus Madrid.
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Der Tausch von Hektik gegen Gelassenheit: Die meisten von uns sind nicht auf die Insel gekommen, um hier ein großes Vermögen aufzubauen. Wir haben Deutschland den Rücken gekehrt, um der Dauerspannung, dem Schmuddelwetter und der bürokratischen Engen zu entkommen.
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Gekaufte Lebensjahre statt Konsumrausch: Das INE misst keine Sonnenstunden, keine meeresfrische Luft und keine entspannten Nachmittage. In der Statistik taucht der Sonnenaufgang über dem Atlantik mit exakt 0 Punkten auf. In meinem Alltag rettet er mir aber regelmäßig die Laune.
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Die Kehrseite, die auch wir spüren: Wir dürfen uns aber auch nichts vormachen. Wer als deutscher Rentner denkt, auf La Palma lebe man mit schmalem Budget wie im Schlaraffenland, wird schnell eingeholt. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die komplizierte Arztsuche oder die Bürokratie bei Residenten-Eintragungen und Krankenversicherungen bringen auch viele Auswanderer ins Grübeln.
Mein persönliches Fazit auf La Palma
Schaut man genauer hin, offenbart die Studie ein bekanntes Phänomen: Die Kanaren sind in der Statistik „arm an Kaufkraft, aber reich an Lebensjahren“. Bei Gesundheit, Lebenserwartung und der persönlichen Zufriedenheit im Alltag schneiden die Inseln nämlich auch beim INE überraschend gut ab.
Würde ich also mein Leben auf La Palma gegen einen Tabellenplatz im Binnenland von Navarra oder im verregneten Norden tauschen wollen, nur um statistisch „besser“ zu leben? Niemals.
Wer seine Hausaufgaben bei Finanzen, Vorsorge und Krankenversicherung gemacht hat, genießt auf unserer Insel eine Lebensqualität, die keine Excel-Tabelle Madrids jemals erfassen kann.
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