Operation unter Palmen: Mein Slalom durch das palmerische Gesundheitswesen

Gesundheitssystem La Palma: Erfahrungsbericht Operation & Wartezeiten
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Operation unter Palmen: Mein Slalom durch das palmerische Gesundheitswesen

Gesundheitssystem La Palma: Man sagt ja, wer auf den Kanaren lebt, braucht vor allem zwei Dinge: Sonnencreme und jede Menge Geduld. Letztere wurde bei mir im vergangenen Jahr auf eine harte, beidseitige Probe gestellt. Genauer gesagt: auf eine doppelte Leistenbruch-Probe. Nach fast einem Jahr des Wartens, Hoffens und Vertröstens war es am 11. Juni 2026 endlich so weit – ich kam unter das Messer. Und was soll ich sagen? Das palmerische Gesundheitswesen ist ein absolutes Erlebnis.

Der bürokratische Vorlauf: Ein medizinischer Marathon

Alles begann im sonnigen Sommer 2025. Die Diagnose stand felsenfest: Zwei Leistenbrüche, die dringend geflickt werden mussten. Im November folgte das erste große Gespräch mit dem Chirurgen im Hospital La Palma. Seine optimistische Prognose lautete: „Sobald der Anästhesist sein Ja gibt, operieren wir im Januar oder Februar 2026.“ Das klang fantastisch. Zu fantastisch, um wahr zu sein.

Der besagte Termin beim Anästhesisten fand dann auch pünktlich im Februar statt. Doch wer glaubt, dass danach direkt die OP-Nadel geschwungen wird, kennt die spanische Gründlichkeit nicht. Da ich im Jahr 2020 einen Herzinfarkt hatte, zückte die nette Ärztin die bürokratische Bremse: Erst müsse ein aktuelles Gutachten vom Kardiologen her. Also ab zum Kardiologen. Der wiederum war sportlich ambitioniert und wollte mich erst einmal auf dem Laufband schwitzen sehen – ein Stresstest musste her. Den habe ich im April zum Glück erfolgreich absolviert. Mein Herz schlug wie eine Eins, die Freigabe war erteilt. Der Weg war frei – dachte ich.

Absage per Abendanruf und der finale Versuch

Im Mai hieß es dann endlich: Operationstermin! Die Tasche war gepackt, die mentale Vorbereitung abgeschlossen. Doch am Vorabend gegen 20:30 Uhr schrillte das Telefon. Eine charmante Stimme aus dem Krankenhaus teilte mir kurzfristig mit: Der Termin ist abgesagt. Warum? Mañana, mañana – es gab wohl dringendere Notfälle. Mein palmerischer Geduldsfaden dehnte sich in Richtung Unendlichkeit.

Am 11. Juni 2026 um Punkt 7:00 Uhr morgens stand ich also zum zweiten Mal auf der Matte des Hospitals La Palma. Diesmal gab es kein Zurück mehr. Nach den üblichen Vorbereitungen am Vormittag rollte mein Bett schließlich in den OP-Saal. Geplant war eine Teilbetäubung. Als der Chirurg das Messer ansetzte, merkte ich jedoch recht schnell, dass mein Körper noch viel zu viel von der Aktion miterleben wollte. Ein kurzer Schmerzensschrei, ein beherzter Griff des Anästhesisten zum Betäubungs-Regler, und die Dosis wurde drastisch erhöht. Danach war Ruhe im Karton. Nach etwa 1,5 Stunden war das Werk vollbracht.

Das erste Abendessen im Hospital La Palma

Das erste Abendessen im Hospital – naja kein Angewöhn – Menü

Die Überraschung beim Verbandwechsel: Echtes Handwerk statt Hightech

Als ich im gemütlichen Zweibettzimmer wieder zu mir kam, hielten sich die Schmerzen glücklicherweise in Grenzen. Die große Überraschung folgte jedoch beim ersten Verbandwechsel. Ich hatte fest mit der modernen, minimalinvasiven „Lochtechnik“ (Laparoskopie) gerechnet. Ein Blick nach unten belehrte mich eines Besseren: Hier war noch echtes, traditionelles Handwerk am Werk gewesen!

Mein Unterbauch war links mit einem stolzen, ca. 12 Zentimeter langen Schnitt geöffnet worden, rechts prangte ein etwa 6 bis 7 Zentimeter langer Schnitt. Das Ganze war fein säuberlich mit medizinischen Klammern verschlossen, als hätte der Chirurg im Baumarkt Großeinkauf gemacht. Für mich völlig überraschend – aber nun gut, es war wohl anatomisch nicht anders machbar.

Nach 27 Stunden zurück ins Rentner-Glück

Nach einer zugegeben recht unruhigen Nacht folgte am nächsten Vormittag die Arztvisite. Der Gott in Weiß blickte auf meine getackerten Kunstwerke und meinte trocken: „Sie können heute Nachmittag nach Hause und sich dort auskurieren.“ Nach gerade einmal 27 Stunden Aufenthalt im Hospital wurde ich von meiner Tochter abgeholt und nach Hause gefahren.

Das aktuelle Zwischenfazit zu Hause: Jedes Laufen, jedes Bücken und vor allem das Treppensteigen fühlt sich an, als hätte ich einen Boxkampf gegen Mike Tyson hinter mir. Es schmerzt ganz ordentlich. Aber das Wichtigste ist: Nach dieser ewigen Odyssee ist es endlich überstanden!

Mein Fazit: Das palmerische Gesundheitssystem verlangt einem enorme Wartezeiten ab. Man darf sich von kurzfristigen Absagen und bürokratischen Schleifen nicht entmutigen lassen. Wenn man es aber erst einmal auf den OP-Tisch geschafft hat, ist die Behandlung absolut fachmännisch, herzlich und kompetent. Die weitere Nachsorge und das spätere Ziehen der Klammern übernimmt jetzt ganz entspannt mein Hausarzt im lokalen Centro de Salud.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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