Feuer trifft Meer: Das Lavadelta damals & heute

Die feurige Geburtsstunde – September 2021: Glühende Kaskaden des Tajogaite-Lavastroms stürzen über die 90 Meter hohe Klippe in den Atlantik.
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Wenn die Zeit den Atem anhält: Das neue Land im Atlantik!

Wer heute an der Westküste von La Palma steht und den Blick über den weiten, tiefblauen Atlantik schweifen lässt, spürt eine tiefe, fast meditative Ruhe. Die Wellen brechen sich sanft an einer tiefschwarzen, bizarren Klippenlandschaft. Es ist friedlich hier. Doch unter meinen Füßen liegt kein gewöhnliches Gestein – hier liegt frisch erstarrte Erdgeschichte.

Das Lavadelta von La Palma ist ein faszinierendes Zeugnis dafür, wie die Natur zerstört, um gleichzeitig völlig neues Land zu erschaffen. Für mich ist dieser Ort ein persönlicher Kraftort, der mich immer wieder staunen lässt. Doch um die Gegenwart zu verstehen, müssen wir genau an den Moment zurückspringen, als alles begann.

Die feurige Geburtsstunde – September 2021: Glühende Kaskaden des Tajogaite-Lavastroms stürzen über die 90 Meter hohe Klippe in den Atlantik.

Die feurige Geburtsstunde – September 2021: Glühende Kaskaden des Tajogaite-Lavastroms stürzen über die 90 Meter hohe Klippe in den Atlantik.

Rückblick: Der Tag, an dem der glühende Berg das Meer traf

Ich erinnere mich noch genau an die dramatischen Wochen im Herbst 2021. Es war der späte Abend des 28. Septembers, als die Anspannung auf der Insel ihren Höhepunkt erreichte. Der fast 1000 °C heiße Cabeza-Lavastrom (heute Tajogaite) hatte sich unaufhaltsam durch das Aridane-Tal gefressen und erreichte schließlich die Steilküste von Tazacorte. Um exakt 23:03 Uhr fielen die ersten glühenden Lavabrocken über die 90 Meter hohe Klippe in das 20 °C kalte Wasser.

Es war ein apokalyptisches und zugleich hypnotisierendes Schauspiel, das sich mir und der Welt bot, wie es auch das packende Foto vom September 2021 eindringlich dokumentiert. Drei gewaltige, feurige Kaskaden stürzten wie flüssiges Gold in den Ozean. Dass eine fast 1000 °C heiße Lavamasse chemische Reaktionen auslöst, war klar. Riesige weiße Wasserdampfsäulen schossen durch den thermischen Schock in den Nachthimmel. Doch dieser Dampf war trügerisch: Eine Reihe von giftigen Verbindungen stieg nun auf. Schwefel- und salzsäurehaltige Dämpfe, die für Mensch und Tier absolut nicht verträglich sind, zogen die Küste entlang. Mensch und Tier mussten weichen, während die Natur im Sekundentakt die Landkarte der Insel neu zeichnete. Tag für Tag wuchs die sogenannte Isla Baja – das neue Lavadelta.

Die Gegenwart in majestätischem Licht – Das erstarrte Lavadelta im Abendlicht. Wo einst Feuer floss, thront heute eine neue, wilde Küstenlinie.

Die Gegenwart in majestätischem Licht – Das erstarrte Lavadelta im Abendlicht. Wo einst Feuer floss, thront heute eine neue, wilde Küstenlinie.

Die Gegenwart: Das erstarrte Monument im Abendlicht

Jahre später. Wenn ich heute exakt an derselben Küstenlinie stehe und mein zweites Foto betrachte, fällt es schwer zu glauben, dass hier einst die Hölle tobte. Wo im Spätherbst 2021 glühende Kaskaden den Atlantik zum Kochen brachten, erstreckt sich heute eine weite, mächtige Plattform aus schwarzem Basalt. Die Klippen, über die die Lava stürzte, sind nun von gewaltigen, dunklen Schutthalden bedeckt, die wie versteinerte Wasserfälle wirken.

Das weiche, goldene Licht der Abendsonne taucht die Szenerie in eine fast unwirkliche Schönheit. Die schädlichen Gase sind längst verflogen, die Luft ist salzig und klar. Der Atlantik hat sich sein Territorium Stück für Stück zurückgeholt und umspült die neuen, zackigen Ausläufer des Deltas mit weißer Gischt. Im Hintergrund ragen die vulkanischen Kegel in den wolkenverhangenen Himmel – friedlich, als hätten sie ihre Schuldigkeit getan. Dieses raue, unberührte Delta zeigt uns die Evolution der Kanarischen Inseln im Zeitraffer. Es ist ein Mahnmal der Zerstörung, aber auch ein Symbol für den ewigen Kreislauf der Erde.

Für La Palma Reisende: Ein Must-See vom Ocean aus

Das Lavadelta auf La Palma zu bestaunen, ist eine emotionale Reise zwischen den Extremen. Doch wer den neuen Klippen zu nahe kommen will, stellt schnell fest: Betreten verboten! Das neu geschaffene Land ist noch immer gesperrt und für Fußgänger unzugänglich.

Das wahre, majestätische Ausmaß dieses Jahrhundertereignisses offenbart sich ohnehin am besten vom Wasser aus. Wer mit einem Ausflugsschiff oder Boot an der Westküste entlangschippert und den Blick nach oben zu den erstarrten Kaskaden richtet, begreift erst, wie gewaltig die Natur hier zugeschlagen hat. Die Gegenüberstellung dieser beiden Bilder verdeutlicht, wie flüchtig Momente extremer Naturgewalt sind und wie dauerhaft die Spuren sind, die sie im Meer hinterlassen. Für jeden Besucher der Isla Bonita ist eine solche Bootstour zu den neuen Landmassen ein absolutes Pflichtprogramm.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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