Erdbeben unter Teneriffa: Wenn Vulkanologen abwinken, schaut La Palma genauer hin

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Das unruhige Herz der Kanaren: Warum die Beben am Teide uns an 2021 erinnern sollten!

Der kanarische Archipel ruht nie – auch wenn die offiziellen Stellen uns das gerne glauben lassen möchten. Am heutigen Montag, den 8. Juni 2026, registrierten die Messgeräte des Nationalen Geografischen Instituts (IGN) um exakt 11:42 Uhr wieder ein Erdbeben unter dem Teide-Massiv auf der Nachbarinsel Teneriffa. Stärke 1,9, die Tiefe: 14 Kilometer. Ein Wert, der für sich genommen niemanden in Panik versetzt. Doch es ist die Summe der Ereignisse: Seit Monaten zuckt die Erde um den höchsten Berg Spaniens herum fast ununterbrochen, immer wieder begleitet von regelrechten Erdbebenschwärmen. Siehe auch das Live-Monitoring.

Die Reaktion der Vulkanologen und Behörden folgt dem altbekannten Muster: Ein beruhigendes Abwinken. Es handele sich um „normale Hintergrundaktivität“, rein hydrothermale Prozesse, kein Grund zur Sorge für den Tourismus oder die Bevölkerung.

Doch genau bei diesen Worten schrillen auf La Palma die Alarmglocken. Denn wir alle haben ein tiefes kollektives Gedächtnis.

Das Déjà-vu von 2021: Als die Ampel zu spät sprang

Wer die Chronologie des Jahres 2021 vor dem Ausbruch des Tajogaite auf La Palma aufmerksam verfolgt hat, erlebt derzeit auf Teneriffa ein unheimliches Déjà-vu. Auch damals, in den Wochen und Monaten vor dem fatalen 19. September, bebte die Erde im Cumbre-Vieja-Rücken permanent. Auch damals beschwichtigten die offiziellen Experten bis zuletzt. Die Rede war von normalen tektonischen Spannungen und harmlosen magmatischen Bewegungen in großer Tiefe.

Das Ergebnis dieser Beruhigungspolitik ist Geschichte: Die offizielle Vulkanampel wurde erst in dem Moment von Gelb auf Rot geschaltet, als die Eruption bereits in vollem Gange war und jeder Mensch im Aridane-Tal die gewaltige Asche- und Lavawolke bereits mit eigenen Augen aufsteigen sah. Das Vertrauen in das behördliche Timing und die politische Kommunikation vor Naturkatastrophen hat damals einen nachhaltigen Knacks bekommen. Auf den Kanaren wird die Alarmstufe oft nicht nach den realen Messwerten im Boden geschaltet, sondern nach den Buchungszahlen der Hotels.

Das verzweigte Lavasystem unter unseren Füßen

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Innerhalb der letzten 3 Tage gab es auf Teneriffa 6 leichte Erdbeben

Warum betrifft uns das Beben unter dem Teide auf La Palma überhaupt? Die Antwort liegt in der Geologie des gesamten Archipels. Die Kanarischen Inseln sind keine voneinander isolierten, schwimmenden Töpfe im Atlantik. Sie sind das Produkt eines gewaltigen, gemeinsamen vulkanischen „Hotspots“.

Unter dem gesamten Meeresboden der Kanaren erstreckt sich ein hochkomplexes, tief verzweigtes Magma-Netzwerk. Die einzelnen Inseln sind über dieses System unterirdisch miteinander verbunden. Wenn es unter Teneriffa in einer kritischen Grenzzone von 14 Kilometern Tiefe – dort, wo sich die Magmakammern aus dem Erdmantel speisen – permanent rumort und Druck aufbaut, dann ist das kein lokales Problem einer Nachbarinsel. Es zeigt, dass das gesamte kanarische System in Bewegung ist. Ein Druckventil, das sich auf einer Insel schließt oder öffnet, kann die seismische Aktivität auf den Nachbarinseln direkt beeinflussen.

Wachsamkeit statt Panikmache

Es geht hierbei nicht darum, unbegründete Panik zu schüren oder das nächste Weltuntergangsszenario herbeizuschreiben. Die Erde auf den Kanaren lebt, und das ist seit Jahrmillionen so. Aber als Betrachter, der die Inseln seit drei Jahrzehnten beobachtet und die Katastrophe von 2021 und 2011 den Unterwasservulkan auf El Hierro hautnah miterlebt hat, ist es meine Pflicht, die unaufgeregten Fakten abseits des offiziellen Boulevards zu beleuchten.

Die Natur hält sich nicht an behördliche Deeskalations-Protokolle oder politische Rücksichten. Wenn die Erde unter dem Teide spricht, sollten wir auf La Palma genau hinhören – und den offiziellen Entwarnungen mit der gesunden Skepsis begegnen, die uns das Jahr 2021 gelehrt hat.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

2 Kommentare zu "Erdbeben unter Teneriffa: Wenn Vulkanologen abwinken, schaut La Palma genauer hin"

  1. Die Katastrophe 2021 habe ich auch hautnah miterlebt. Aber ich hatte und habe den Eindruck, dass die Behörden diese Ereignisse sehr gut im Griff hatten und haben. So weit ich mich erinnere wussten die Behörden damals zwar schon vorher das etwas passieren wird, aber nicht genau wo. La Palma hat eben eine geologisch ruhige Zone und eine Zone, in der es alle 50 Jahre mal zu einem großen Vulkanausbruch kommt. Wer es riskiert in der geologisch aktiven Zone zu leben, der muss halt auch damit rechnen, dass sein Haus einmal warm abgetragen werden könnte.
    Die wesentlich akutere Gefahr sehe ich derzeit unten im Gasloch. Falls es dort durch weitere Erdbeben wieder zu massiven Ausgasungen in Puerto Naos und Umgebung kommt, dann muss das Gebiet erneut gesperrt werden.

    • Hallo Ivo,

      vielen Dank für deinen sachlichen und fundierten Kommentar! Es ist gut, dass du das Krisenmanagement ansprichst. Die Evakuierungen nach dem Ausbruch liefen – den Umständen entsprechend – organisatorisch tatsächlich weitgehend strukturiert ab, das muss man den Einsatzkräften lassen.

      Wo ich dir und der offiziellen Darstellung allerdings widersprechen muss, ist die Frage des Wo und Wann. Die führenden Geologen hatten das Gebiet im Vorfeld keineswegs im Unklaren gelassen. Die seismischen Daten (das sogenannte Schwarm-Beben) kreisten das Eruptionsgebiet schon Tage vorher präzise auf wenige Kilometer rund um den alten San Juan Vulkan von 1949 ein. Das Epizentrum wanderte unaufhaltsam nach oben.

      Das Problem war nicht die Wissenschaft, sondern die Politik. Der Krisenstab (PEVOLCA) hat schlicht andere Maßstäbe angelegt. Man wollte die Insel so lange wie möglich „offen“ halten. Die Warnungen wurden heruntergespielt, bis die Natur Fakten schuf und die Ampel eben erst umsprang, als der Vulkan schon spuckte. Das ist genau die mangelnde Transparenz, die ich kritisiere und die wir jetzt am Teide wieder beobachten können.

      Deinen Punkt bezüglich Puerto Naos und dem Gasloch teile ich übrigens zu 100 %. Das ist eine tickende, unsichtbare Gefahr unter unseren Füßen. Sollte das Lavasystem durch die anhaltenden Erschütterungen im Archipel neuen Druck aufbauen, könnten die CO2-Ausgasungen im Süden sofort wieder gefährliche Ausmaße annehmen. Eine erneute Sperrung wäre die wirtschaftliche Katastrophe für die Region.

      Genau deshalb dürfen wir nicht wegschauen, wenn es auf den Nachbarinseln rumort. Die Verbindungen im Untergrund sind da.

      Danke für den wertvollen Denkanstoß und den Austausch hier auf der Seite!

      Herzliche Grüße,
      Manfred

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