TMT-Stellungnahme: Schöne Worte für einen Scherbenhaufen

Ein zertrümmertes, riesiges Teleskop-Spiegelelement/

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Die offizielle TMT-Stellungnahme ist da: Viel Schulterklopfen, aber der Scherbenhaufen bleibt!

Dass der Traum vom Thirty Meter Telescope (TMT) geplatzt ist, wissen wir ja leider schon seit Mitte September.

Ich hatte dazu ja bereits kurz nach dem Paukenschlag meine Gedanken aufgeschrieben (hier kannst du meinen Beitrag vom 18. September noch einmal nachlesen). Doch jetzt legt das TMT International Observatory (TIO) nach: Exekutivdirektor Robert Kirshner hat nun die offizielle Begründung nachgereicht, warum der spanische Finanzierungsvorschlag für das Observatorium auf dem Roque de los Muchachos endgültig abgelehnt wurde.

Und was soll ich sagen? Wenn man das Schreiben liest, weiß man gar nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Ein „Danke sehr“ in feinstem Diplomatendeutsch

Kirshner spart nicht mit Lobeshymnen auf die spanische Politik und die Wissenschaftler. Die spanische Wissenschaftsministerin Diana Morant, das Team vom IAC (Instituto de Astrofísica de Canarias), das Cabildo de La Palma – alle haben laut TIO „herausragend“, „kreativ“ und „unermüdlich“ gearbeitet. Der spanische Vorschlag war „innovativ und fundiert“.

Und die Moral von der Geschicht? Man bedankt sich herzlich für die monatelange Knochenarbeit, klopft allen Beteiligten kräftig auf die Schulter – und schiebt das Projekt trotzdem aufs Abstellgleis.

Das TIO betont zwar artig, dass die Absage „keinerlei Mängel in der Arbeit des spanischen Teams spiegelt“ und die komplexen Herausforderungen der Finanzierung allein bei den TIO-Partnern lagen. Aber seien wir doch mal ehrlich: Was nützt uns das schönste Schulterklopfen der Welt, wenn wir hier auf der Insel am Ende vor einem Scherbenhaufen stehen?

Wenn aus dem Joker bitterer Ernst wird

Monatelang haben das IAC, die Inselregierung und unzählige Ingenieure Zeit, Energie und Herzblut investiert, um einen wasserdichten Roten Teppich für das Megateleskop auszurollen. Und wofür?

Am Ende wirkt diese offizielle Stellungnahme wie der finale Beweis dafür, dass La Palma im Grunde nie die erste Geige spielen durfte. Unsere Insel war der bequeme Back-up-Plan, der Joker im Ärmel, um den Druck auf Hawaii hochzuhalten. Nachdem man den spanischen Vorschlag bis auf das letzte Detail durchgeleuchtet hat, zieht das Konsortium nun weiter und lässt die kanarischen Partner im Regen stehen. Ich hatte dies schon 2018 vermutet „„American First“ und Donald Trump würden es niemals zulassen, daß US-Gelder in dieser Größenordnung für die Wissenschaft nach Europa oder geografisch nach Afrika fließen.„

Und was bleibt jetzt auf dem Roque?

Klar ist: Der Roque de los Muchachos bleibt auch ohne das TMT ein wissenschaftliches Juwel mit einem der saubersten Nachthimmel dieses Planeten. Aber der Nachgeschmack dieser jahrelangen Posse ist extrem bitter.

Hier wurde mit Hoffnungen, Zukunftsversprechen und immensen Ressourcen gespielt. Dass man uns jetzt mit blumigen Dankesworten und dem Wunsch nach „weiterer wissenschaftlicher Zusammenarbeit“ abspeist, hinterlässt ein gewaltiges Loch im astronomischen Kalender unserer Insel.

Wir auf La Palma werden uns von diesem Scherbenhaufen erholen – der Nachthimmel gehört schließlich immer noch uns. Aber die Lektion haben wir verstanden: Wenn aus Übersee zu laut geschmeichelt wird, sollte man lieber zweimal hinsehen.

Was denkst du über Kirshners Stellungnahme? Ist das für dich eine ehrliche Entschuldigung oder bloß leeres Diplomaten-Gerede? Schreib deine Meinung unten in die Kommentare!

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

5 Kommentare zu "TMT-Stellungnahme: Schöne Worte für einen Scherbenhaufen"

  1. Na, da schau her – in der spanischen Veröffentlichung steht wörtlich (hoffentlich stimmt die Übersetzung vom Englischne ins Spanische):

    Los socios del TIO analizaron de forma exhaustiva y minuciosa la propuesta de financiación de España, y, en última instancia, no pudieron aceptarla.
    Richtig gelesen: der spanische Finanzierungsvorschlag KONNTE nicht akzeptiert werden. War da nicht irgend etwas mit der Qualität und „Internationalität“ des spanischen Verhandlungsteams?

    Es geht weiter:
    Financiar un proyecto de la envergadura del TMT que abarca varios países y tiene una vida útil de 50 años es complejo. Esos eran nuestros retos, no los de España.

    Hoppla? Spanien hatte andere Ziele als das TIO, wird da gesagt? Hat da ‚mal wieder jemand geschlafen oder vielleicht sogar gedacht, man könne so ein Komitee wie das TIO nach „lokaler“ Art umgarnen?

  2. Moin Manfred,

    veröffentliche doch bitte die Antwort/STellungnahme von Robert Kirshner im Wortlaut, um die Pointen richtig verstehen zu können.

    Und eine Übersicht, wer vom spanischen Verhandlungsteam Insider-USA-Erfahrung hatte, also zum Beispiel daß man auch nach Geschäftstreffen (d. h. fast 24 h/365 d) und bei Geschäftsessen IMMER beruflich ansprechbar ist, selbst auch aktiv wird und vor allem private Dinge wie die Familie, die Kinder, der Urlaub etc. völlig auszublenden sind. Sonst erscheint man leicht als hochgradig unprofessionell. Small Talk max. 5 Minuten pro Tag.

    Born in the USA.

  3. Ich empfand es als gute Nachricht, dass die Amis nicht nach La Palma kommen 😀

    • Hoffentlich sieht das Mohamed VI bzw. sein Sohn auch so. Das TMT wäre eine echte Lebensversicherung für La Palma gewesen. Nicht vergessen: die gesamten Kanarischen Inseln haben ca. 2,2 Mio. Einwohner – also ein besseres Viertel von Madrid.

      Wer von den „Großen“ wird wegen dieser lächerlichen Zahl von Einwohnern einen „echten“ Krieg gegen Marokko vom Zaun brechen, wenn die einfach von außen und innen einmarschieren? Die Generalprobe in Ceuta hat ja schon ‚mal bravourös geklappt. Aber in dem Fall werden dann ja wenigstens die Mieten wieder bezahlbar, jeje.

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