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Der Samstag dürfte der komplizierteste Tag werden –
Kaltfront im Anmarsch: Warum dieses Tief anders ist
Zwar ist der Winter auf den Kanaren grundsätzlich die regenreichste Jahreszeit, doch das für Ende der Woche berechnete Szenario sticht durch seine Intensität heraus. Eine markante Kaltfront, gekoppelt an ein kräftiges Tiefdruckgebiet, erfasst ab Freitagmorgen das gesamte Archipel. Die staatliche Wetterbehörde AEMET hat für große Teile der Inseln bereits gelbe und orangefarbene Wetterwarnungen ausgerufen – ein klares Signal, den Verlauf diesen Wetterumschwung ernst zu nehmen.
La Palma im Fokus: Sturm, Wellen und Starkregen
Auf La Palma dürfte der Samstag zum kompliziertesten Tag des ganzen Ereignisses werden. Schon in der Nacht frischt der Wind spürbar auf, tagsüber sind in vielen Regionen schwere Böen zu erwarten.
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In mittleren Lagen und an ausgesetzten Stellen sind Spitzen bis etwa 90 km/h möglich.
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Auf den Gipfeln und höheren Zonen können nördliche Böen die Marke von 100 km/h überschreiten – mit allen bekannten Folgen: umstürzende Äste, fliegende Gegenstände und Gefahr auf exponierten Straßen.
Auf dem Meer verschärft sich die Lage zusätzlich: Zwischen den Inseln fegt ein Nord- bis Nordwestwind in Sturmstärke. Wellenhöhen von 5 bis 6 Metern sind im Tagesverlauf eher die Untergrenze. Lokal werden 6 bis 7 Meter erwartet, und im Norden La Palmas können einzelne Wellenkämme sogar um die 10 Meter erreichen. Für Fischerboote, Fährverbindungen und Küstenpromenaden bedeutet das: höchste Vorsicht, mögliche Sperrungen und aufgewühlte, gefährliche See.
Regen an den Nordhängen, Schnee auf den Gipfeln
Auch beim Niederschlag dreht das Tief kräftig auf. Vor allem die Nordhänge der Insel müssen mit intensiven Regenfällen rechnen. Kurzzeitig sind bis zu 15 Millimeter innerhalb einer Stunde möglich, im 12‑Stunden‑Fenster können sich bis zu 60 Millimeter summieren. Das reicht aus, um:
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Barrancos rasch anschwellen zu lassen,
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Hangrutschungen zu begünstigen und
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den Verkehr auf Bergstraßen stark zu beeinträchtigen.
Gleichzeitig sinkt die Schneefallgrenze so weit ab, dass in den höchsten Lagen mit Neuschnee zu rechnen ist. Bis zu 2 Zentimeter Neuschnee in 24 Stunden sind möglich – wenig im Vergleich zu alpinen Verhältnissen, aber genug, um die Vulkanrücken und den Roque‑Bereich kurzfristig in eine rutschige Winterlandschaft zu verwandeln und Zufahrtsstraßen sperren zu müssen.
Was dieses Wochenende bedeutet – und wie man sich vorbereitet
In Summe erwartet die Inseln ein ungemütliches Winterwochenende, das eher an nordatlantisches Extremwetter als an „Insel des ewigen Frühlings“ erinnert. Für Alltag und Gäste heißt das:
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Outdoor‑Pläne flexibel halten, Wanderungen in Barrancos oder Gipfellagen verschieben.
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Fahrzeuge sicher parken, lose Gegenstände auf Terrassen und Dächern sichern.
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Küstennähe meiden, wenn hohe Wellen angesagt sind – besonders an ungeschützten Nord- und Westküsten.
Für La Palma ist dieser Wetterumschwung ein erneuter Reminder, wie nah sich hier Atlantik, Hochgebirge und Passatluft begegnen. Zwischen Sonnentag und Sturmwochenende liegen oft nur wenige Stunden – und genau das macht den Reiz, aber eben auch die Risiken dieses Archipels aus. Siehe auch die Wetterseite.
Update
Freitag 12.12.2025 – 8.00 Uhr – Noch ist auf der Ostseite alles normal. Leichte Bewölkung bei 17° C und kein Regen. Auffrischender Nordwind und zunehmende Wellenbildung vor der Küste. Im Norden bei Garafia wurden heute bereits 34 l/m² Niederschlag registriert.
So sieht die aktuelle Wetterwarnung der AEMET für Samstag für alle Inseln aus:

10.30 Uhr – Der Wind frischt jetzt deutlich auf. Am Flughafen Mazo werden 60 km/h (kein Fallwind) gemessen. Ein internationaler Flieger aus Amsterdam hat den Landeanflug abgebrochen und ist durchgestartet und in Teneriffa Süd gelandet. Die kleiner Binter Flugzeuge schaffen es noch auf die Piste. Auch der Atlantik zeigt eine verstärkte Wellen- und Gischtbildung mit zunehmender Stärke.
11.00 Uhr – Die kanarische Regierung hat den Notfallplan aktiviert. Es gilt die Warnstufe Gelb und ab 18 Uhr ist für La Gomera die Warnstufe Orange wegen starker Windböen ausgerufen. Ab 15 Uhr ist es verboten, Wald- und Feldpisten oder Wanderwege zu befahren oder sich dort aufzuhalten. Campen in der Natur ist verboten.
13.30 Uhr – Vicky Palma (Meteorologin des Gobierno): „Eine so gewaltige Welle wie die, die die Modelle für morgen vorhersagen, haben wir seit 2018 nicht mehr erlebt“, sagte Palma. Vicky Palma wies darauf hin, dass die Wellen eine Höhe von bis zu 7,3 Metern erreichen könnten: „Das bedeutet, dass die 33 größten, vom Modell vorhergesagten Wellen im Durchschnitt 7,3 Meter hoch sind. Einige könnten sogar 12 bis 13 Meter erreichen. Bei dieser Höhe ist es sehr wahrscheinlich, dass das Meer in Garachico über die Ufer tritt und die Wellen die Straße hinunterrollen; dies könnte auch in Tacoronte (beide Teneriffa) passieren.“
13.50 Uhr – Warnstufe angehoben: Die Regierung der Kanarischen Inseln hat für diesen Freitag, den 12. Dezember, zwei Wetterwarnungen mit hoher Auswirkung auf den gesamten Archipel ausgelöst: Die Ausrufung der höchsten Alarmstufe wegen des Risikos von Küstenüberschwemmungen und die Aktualisierung der Alarmstufe auf die höchste Alarmstufe wegen Küstenphänomenen, angesichts der für die kommenden Stunden und das Wochenende erwarteten deutlichen Verschlechterung der Seebedingungen.
16.00 Uhr
Aufgrund der für Freitagabend und das Wochenende vorhergesagten rauen See besteht in einigen Gebieten der Inseln die Gefahr von Küstenüberschwemmungen, da Wellen auf Badebereiche, Strandpromenaden und Straßen in Küstennähe prallen, insbesondere 2-3 Stunden vor und nach der Flut. Ein gefährdeter Bereich ist die Strandpromenade und der Hafen-Parkplatz in der Hauptstadt.
Hochwasser am Samstag, den 13.: 07:55 – 08:40 Uhr und 20:40 – 21:20 Uhr.
Hochwasser am Sonntag, den 14.: 09:00 – 09:40 Uhr und 21:40 – 22:15 Uhr.



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