Jahr 2019 – Der alte Mann und das Meer

Der alte Mann

Halbzeit für den Fass Abenteurer -

Der alte MannDer alte Mann und das Meer hat Grund zum Fei­ern. Die hal­be Etap­pe über den wei­ten Atlan­tik ist zurück­ge­legt.

Der Aben­teu­rer Jac­ques Savin befin­det sich jetzt rund 2652 km (1648 See­mei­len) von La Pal­ma ent­fernt. In sei­nem Fass ist er am 26. Dezem­ber 2018 vom Hafen La Res­tin­ga auf der Nach­bar­in­sel El Hier­ro gestar­tet.

Knapp drei Mona­te ist der inzwi­schen 72-jäh­ri­ge alte Mann nun bereits ein­sam und ohne Segel oder Antrieb auf dem Atlan­tik unter­wegs (Bil­der Savin/ Tesa).

Wie ein Kor­ken düm­pelt sein Holz­fass, nur von der Mee­res­strö­mung und dem Wind getrie­ben um den Glo­bus. Nicht der epi­sche Kampf zwi­schen einem alten, erfah­re­nen Fischer und einem gigan­ti­schen Mar­lin, wie in Heming­ways Erzäh­lung, son­dern die Kari­bik und der Beweis es auch als Fla­schen­post zu schaf­fen, dürf­te sein Antrieb sein.

„Mit die­sem Tem­po kann ich viel­leicht in der zwei­ten April­hälf­te oder Anfang Mai eine Insel zwi­schen Gua­da­lu­pe und Puer­to Rico errei­chen, wenn der Wind hilft und in die rich­ti­ge Rich­tung weht“, schreibt Savin.

Geplant waren ursprüng­lich gut drei Mona­te. Fal­sche Win­de trie­ben sein Fass immer wei­ter Rich­tung Nor­den bis über Madei­ra.

Im Zick­zack-Kurs ging es dann west­lich von La Pal­ma zurück in die gewünsch­te Pas­sat Strö­mung, die auch schon Colum­bus in die „Neue Welt“ beför­der­te. Als „gefan­ge­ner“ Pas­sa­gier ist Savin den Lau­nen der Natur aus­ge­setzt und kann sei­nen Kurs nicht selbst bestim­men.

Streckenverlauf

Vor­bei kreu­zen­de Con­tai­ner­schif­fe machen ihm das Leben schwer. Meh­re­re bei­nah Kol­li­sio­nen mit den Mons­ter­schif­fen hat er bereits hin­ter sich. Das klei­ne Fass wird vom Schiffs­ra­dar nicht erfasst. Auch eine Funk- Kon­takt­auf­nah­me war nur ein­mal mög­lich.

„Die­ses kur­ze Gespräch mit einem ande­ren Men­schen mit­ten auf dem Meer hat mich begeis­tert“, so Savin.

„Kein Pro­blem“, sagt der Kapi­tän des Rie­sen­schif­fes und ändert sei­nen Kurs. Ob er in See­not sei und ihn auf­neh­men soll. Erst als der Skip­per über­zeugt ist, dass alles sei­ne Ord­nung hat, pas­siert der Frach­ter das bemann­te Holz­fass im 50 Meter Abstand.

Signalraketen sind seine Lebensversicherung

„Ich schla­fe mit drei Rake­ten unter dem Kopf­kis­sen, die bereit sind, abge­feu­ert zu wer­den. Oft wache ich in der Nacht auf, um zu sehen, ob sich am Hori­zont irgend­et­was befin­det.“

AusguckTrotz der span­nen­den Begeg­nung mit den Frach­tern ist er zuver­sicht­lich, dass sei­ne Expe­di­ti­on am Ende erfolg­reich sein wird. Inzwi­schen hat er mit sei­nem Holz­fass die rich­ti­ge Strö­mung erreicht und wird nun durch die Pas­sat­win­de Rich­tung Kari­bik getrie­ben.

Savin nähert sich in Kür­ze einem grö­ße­ren Schiffs-Ver­kehrs­ge­biet, das von Nor­den nach Süden ver­läuft. Um nicht wie ein ver­lo­re­ner und umher trei­ben­der See­con­tai­ner betrach­tet zu wer­den, ver­sucht er sei­ne Posi­ti­on an Ree­de­rei­en und inter­na­tio­na­le Insti­tu­tio­nen zu über­mit­teln. Nicht, dass er nur als UFO oder Treib­gut ange­se­hen wird.

Der alte Mann hat Zeit

Im Durch­schnitt bewegt sich das Holz­fass mit 2 bis 3 km/h nach Wes­ten. Lang­sa­mer als ein Spa­zier­gän­ger und im Tem­po einer Fla­schen­post. Aber er hat kei­ne Eile, denn selbst wenn er woll­te, könn­te er nichts unter­neh­men, um sei­ne Rei­se zu beschleu­ni­gen.

„Ich ver­brin­ge mei­ne Zeit damit, zu lesen, zu schrei­ben, zu fischen, das Fass zu über­prü­fen und Fische im Was­ser zu beob­ach­ten. Mit einem Seil gesi­chert, schwim­me ich gele­gent­lich auch um das Fass“. Inter­es­sant sei­en sei­ne Stu­di­en zur unter­schied­li­chen Mee­res­strö­mung. Hier ana­ly­siert er den Strö­mungs­ver­lauf für ein ozea­no­gra­fi­sches Insti­tut.

Wer sich auf die­ses Aben­teu­er ein­lässt, braucht Zeit, Aus­dau­er und etwas Mut. Auch eine genaue Pla­nung ist über­le­bens­not­wen­dig. Inspi­riert von wag­hal­si­gen Expe­ri­men­ten an den Nia­ga­ra­fäl­len, die nicht immer gut aus gin­gen.

Beweisen, Lust auf Abenteuer oder um berühmt zu werden?

Im Okto­ber 1901 hat­te die damals 63-jäh­ri­ge ame­ri­ka­ni­sche Leh­re­rin Annie Edson Tay­lor eine ver­rück­te Idee, reich und berühmt zu wer­den. Sie stürz­te die 50 Meter hohen Nia­ga­ra­fäl­le in einem Wein­fass hin­un­ter. Erst der Test mit ihrer Kat­ze  … und bei­de haben über­lebt. Nach­ah­mer hat­ten da weni­ger Glück.

Seit­dem ist das Sprin­gen in den Nia­ga­ra­fäl­len zu einer Straf­tat gewor­den, die sowohl auf ame­ri­ka­ni­scher als auch auf kana­di­scher Sei­te mit hohen Geld­bu­ßen geahn­det wird.

BordkücheDas Düm­peln über den Atlan­tik geschieht im fast rechts­frei­en Raum und unter­liegt höchs­tens inter­na­tio­na­len Regeln. Mit gro­ßer Hil­fe kann Savin in der Not dann aber auch nicht rech­nen. Die Moti­va­ti­on als Groß­va­ter mit 72 Jah­ren die­sen Weg noch zu gehen, ist sicher man­nig­fal­tig. Eine letz­te gro­ße Her­aus­for­de­rung meis­tern, in die Chro­nik ein­ge­hen oder dem Leben noch einen Sinn zu geben? Reich oder berühmt wird er sicher nicht wer­den.

Zur Zeit ist auf jeden Fall sein Haupt­nah­rungs­mit­tel Fisch. Eine gro­ße Gold­bras­se oder eine klei­ne Sar­di­ne gean­gelt. Er trock­net den Fisch in der Son­ne auf dem Dach des Fas­ses.

Des Fran­zo­sen ein­zi­ges Pro­blem könn­te das Gas wer­den. Mitt­ler­wei­le hat er mehr als die Hälf­te sei­ner sechs Kilo Gas­fla­sche ver­braucht. Wenn das Gas leer ist, muss er den Fisch aus­schließ­lich roh essen. Sushi roh und nicht geräu­chert, dafür mit meer­fri­schen und kal­ten Algen – Bon Appé­tit.



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