Machtpoker in Madrid: Wenn das Parteien-Chaos die Kanaren lähmt

Pedro Sanchez/ Parlamentswahlen 2026 Sánchez Neuwahlen

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Parlamentswahlen am 29. November 2026: Warum Sánchez’ Flucht nach vorn uns auf La Palma teuer zu stehen kommen kann

Man muss schon eine gewaltige Portion Humor mitbringen, um das politische Schauspiel in Madrid noch ohne Magenschmerzen zu verfolgen. Jetzt hat Pedro Sánchez nach dem peinlichen Scheitern seiner Wohnungsdekrete im Kongress also wieder einmal die Flucht nach vorn angetreten: Am 29. November 2026 wird gewählt. Schon wieder!

Während in den Parteizentralen die Phrasendreschmaschinen anlaufen, zeigt sich auf dem Festland überdeutlich, was passiert, wenn Regierungen zur Geisel von wackligen Vielparteien-Bündnissen werden. Dass Gebilde aus drei, vier oder noch mehr Parteien schlichtweg unregierbar sind, erleben wir doch längst nicht mehr nur in Madrid. Man muss nur nach Deutschland blicken: Erst zerlegte sich das Ampel-Bündnis im permanenten Streik, und nun hemmt die starre Dauer-Ehe zwischen CDU und SPD jegliche Reformdynamik.

In Spanien ist dieses politische Siechtum nicht anders. Weil Sánchez seine Minderheitsregierung ständig an separatistische Splittergruppen und Regionalparteien verpfänden musste, herrscht seit Monaten Stillstand. Nun riskiert er den nächsten politischen Amoklauf – und wir auf den Inseln dürfen das Chaos ausbaden.

1. Das Vielparteien-Debakel: Wacklige Bündnisse zerschlagen das Land

Was als „Fortschrittskoalition“ verkauft wurde, endete in parlamentarischer Erpressung. Ein Land lässt sich nicht führen, wenn jede Entscheidung von den Launen regionaler Kleinsparteien abhängt.

Das Problem geht aber noch tiefer: Um sich über Wasser zu halten, hat Madrid in den letzten Jahren immer mehr Kompetenzen an die Regionen abgetreten oder als politische Verhandlungsmasse missbraucht. Die Quittung ist ein Flickenteppich aus Zuständigkeiten, bei dem am Ende niemand mehr die Verantwortung übernimmt. Genau hier liegt die große Gefahr bei einem drohenden Rechtsruck hin zu einer PP-Vox-Koalition: Die Rechten kündigen bereits an, die verfassungsmäßige Eigenständigkeit und Autonomie der Regionen einzuschränken und zentralistische Machtstrukturen zurückzuholen.

Ob uns auf den Kanaren ein starrer Zentralismus aus Madrid weiterhilft, wenn dort Schreibtischtäter über unsere Inseln entscheiden? Wohl kaum. Aber das ist die logische Quittung für jahrelanges Parteien-Chaos.

2. Wohnungsnot und Migration: Handlungsunfähigkeit auf dem Rücken der Inseln

Dieses politische Lähmungssyndrom zeigt bei unseren zwei drängendsten Problemen seine bittersten Blüten:

  • Das gescheiterte Wohnungsgesetz: Das nationale Wohnungsgesetz (Ley de Vivienda) war von Anfang an ein zahnloser Papiertiger. Ein ideologisches Konstrukt aus Madrid, das völlig an der Realität der Inseln vorbeigeschrieben wurde. Es hat keinen einzigen Quadratmeter bezahlbaren Wohnraum geschaffen, sondern den Markt auf La Palma und den Nachbarinseln nur noch weiter kollabieren lassen. Sollte eine neue Regierung aus PP und Vox das Gesetz wie angekündigt streichen und rein auf Baufreigaben setzen, droht uns der nächste Ausverkauf an Investoren.

  • Der ungebremste Migrationszustrom: Seit Jahren ersticken die Kanaren an den Aufnahme-Engpässen für minderjährige Flüchtlinge. Doch statt tragfähiger Lösungen erlebten wir im Madrider Kongress ein schamloses Postengeschacher. Wenn eine Regierung handlungsunfähig ist, weil fünf Bündnispartner gleichzeitig am Tischtuch zerren, bleiben die Kommunen auf La Palma und den Nachbarinseln schlichtweg auf den Problemen sitzen.

3. Vulkankrise 2021: Wer blockiert die PEVOLCA-Protokolle?

Ein besonders bitteres Kapitel der Madrider Taktiererei betrifft die Aufarbeitung unserer Inselkatastrophe. Bis heute warten die betroffenen Palmeros auf die lückenlose Freigabe und Offenlegung aller PEVOLCA-Protokolle zur Vulkankrise 2021.

Warum werden die Sitzungsprotokolle und wissenschaftlichen Warnungen vor dem Ausbruch des Tajogaite weiterhin unter Verschluss gehalten? Weil Transparenz in Machtzirkeln unbequem ist. Bei jedem Regierungswechsel oder Neuzuschnitt der Ministerien droht die Aufarbeitung wieder in den Schubladen der Bürokratie zu verschwinden. Wir Palmeros wollen endlich Klartext sehen – egal, wer in Madrid auf den Sesseln sitzt!

Die ironische Note zum Schluss: Mit bezahlen, aber nicht mitwählen

Als Resident und Steuerzahler auf La Palma beobachte ich dieses politische Theater nun seit Jahren mit einer gewissen Zynik. Wenn hier auf den Kanaren Kommunal- oder Regionalwahlen anstehen, darf ich als EU-Bürger zur Urne schreiten und meine Stimme abgeben.

Geht es aber um die großen Parlamentswahlen am 29. November – also genau um jene Entscheidungen in Madrid, die über unsere Steuergelder, die nationale Infrastruktur, die Migrationsgesetze und den Umgang mit unseren Inseln bestimmen – bleiben wir europäischen Ausländer eiskalt ausgesperrt. Als Deutscher darf ich zusehen, wie Berufspolitiker in der Hauptstadt unser Geld verplanen und das Land in die nächste Blockade manövrieren, ohne selbst ein Kreuzchen machen zu dürfen.

Da bleibt einem wirklich nur noch übrig, bei einem doppelten Cortado auf der Plaza gelassen den Kopf zu schütteln – und zu hoffen, dass aus Madrid zumindest nicht noch mehr Unsinn nach La Palma schwappt.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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