Kanaren sind keine Gefängnisinseln

Insel - Gefängnisinseln

Emigranten: Die Kanaren rebellieren -

GitterWir kön­nen es nicht hin­neh­men, uns in Gefäng­nis­in­seln zu ver­wan­deln“,sagt Insel­prä­si­dent Anto­nio Mora­les aus Gran Canaria.

Seit Mona­ten kamen schon tau­sen­de Boot­semi­gran­ten aus West­afri­ka auf den Kana­ri­schen Inseln an. Knapp 800 im August. Gut 2000 im Sep­tem­ber. Weit mehr als 5000 im Okto­ber. 7000 im Novem­ber, unge­fähr die glei­che Anzahl im Dezem­ber und so geht es auch in 2021 weiter.

Über 22.000 Emi­gran­ten erreich­ten bis zum Jah­res­en­de die ersehn­te EU Außen­gren­ze auf den Inseln.

Wir kön­nen sie nicht abwei­sen und ersau­fen las­sen. Erwar­ten aber, dass Fest­land­spa­ni­en und ande­re EU Län­der einen Groß­teil der Emi­gran­ten auf­neh­men. Die spa­ni­sche Regie­rung in Madrid will aber kei­nes­falls afri­ka­ni­sche Emi­gran­ten aufs Fest­land lassen.

Boot - Gefängnisinseln

Die kana­ri­schen Poli­ti­ker wer­den lang­sam ner­vös. „Wir akzep­tie­ren es nicht, 100 Pro­zent aller Immi­gran­ten auf­zu­neh­men, die hier ankom­men“ – so der kana­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Ángel Vic­tor Torres.

Die Kanaren waren schon einmal Gefängnisinseln

In frü­he­ren Jahr­hun­der­ten bis zur Ära Fran­co in den 1950 und 60er Jah­ren, wur­den unlieb­sa­me Oppo­si­tio­nel­le und Kri­mi­nel­le nach El Hier­ro oder Fuer­te­ven­tu­ra ver­bannt. Weit ablie­gen­de Gefäng­nis­in­seln, die nicht ein­fach wie­der zu ver­las­sen waren.

Auch für die afri­ka­ni­schen Emi­gran­ten gibt es kein Ent­kom­men aus dem Urlaubs­pa­ra­dies. Die Wei­ter­rei­se nach Nor­den zum spa­ni­schen Fest­land, Frank­reich, Deutsch­land oder Hol­land bleibt für sie ver­sperrt. Nur kein Schlupf­loch in das Herz von Euro­pa öff­nen und einen Anreiz für Mil­lio­nen wei­te­rer in Lau­er­stel­lung lie­gen­der Migran­ten bieten.

Es sind vor allem Marok­ka­ner, Mau­re­ta­nier und Sene­ga­le­sen die eine bes­se­re wirt­schaft­li­che Zukunft erhof­fen. Kei­ne Kriegs- oder Hun­ger­flücht­lin­ge und auch die wenigs­ten die poli­tisch ver­folgt wer­den. Sie lan­den meist auf den Kana­ri­schen Ost­in­seln Gran Cana­ria, Fuer­te­ven­tu­ra und Lanzarote.

Im Hafen von Argui­ne­guín im Süd­wes­ten Gran Cana­ri­as, in der Nähe des Feri­en­or­tes Maspa­lo­mas, dräng­ten sich zeit­wei­se mehr als 2000 Men­schen in einer Rei­he von Zel­ten, die für 500 Men­schen gedacht waren. 7000 Migran­ten wur­den zeit­wei­se in durch Coro­na leer­ste­hen­den Tou­ris­ten­ho­tels unter­ge­bracht. Jetzt wer­den Zelt­la­ger, zumeist auf Mili­tär­ge­län­de, in Gran Cana­ria, Fuer­te­ven­tu­ra und Tene­rif­fa errich­tet. Der Umzug aus den Luxus­res­sorts in ein­fa­che­re Behau­sun­gen scheint nicht allen zu schmecken.

Die Situation gerät außer Kontrolle

Die Gewerk­schaft der Natio­nal Poli­zei äußer­te ges­tern ihre „Besorg­nis“ über die „Atmo­sphä­re der Span­nung“, die auf Gran Cana­ria durch die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Ein­wan­de­rern, die in Hotels über­nach­ten, und die Zunah­me von Straf­ta­ten erzeugt wird.

Täg­li­che Schlä­ge­rei­en, Zer­stö­rung der Hotel­ein­rich­tung, Über­fäl­le und Dieb­stahl und Über­grif­fe auf die hei­mi­sche Bevöl­ke­rung und die Poli­zei­kräf­te sind an der Tages­ord­nung. Allein 2.400 Min­der­jäh­ri­ge müs­sen vor­mund­schaft­lich inten­siv betreut wer­den. Dar­auf sind die Behör­den nicht ein­ge­rich­tet. Auch vie­le Coro­na­in­fi­zier­te müs­sen sepa­rat unter­ge­bracht werden.

Abfall

Die Regie­rung ist äußerst besorgt über die aktu­el­le Situa­ti­on und erlaubt irre­gu­lä­ren Ein­wan­de­rern nicht, auf unbe­stimm­te Zeit auf den Inseln zu blei­ben. Nur wo sol­len sie hin­ge­bracht wer­den, wenn sich alle EU Län­der gegen eine Auf­nah­me sper­ren. Selbst die Abschie­bung von kri­mi­nel­len Migran­ten in ihre Hei­mat­län­der gestal­tet sich äußerst schwie­rig. Nur mit Mil­lio­nen­zah­lun­gen konn­ten weni­ge Dut­zend in ihre Aus­gangs­län­der zurück­ge­bracht wer­den. Die nord­afri­ka­ni­schen Staa­ten las­sen sich das vergolden.

Gran Cana­ria und die Kana­ren möch­ten nach Coro­na wie­der ein Urlaubs- und Tou­ris­ten­pa­ra­dies und kei­ne Emi­gran­ten- und Gefäng­nis­in­seln sein. Wie schwie­rig sich die­ses Pro­blem neben der Coro­na­kri­se lösen lässt, ist gut am Bei­spiel der grie­chi­schen Insel Les­bos zu sehen. Das The­ma „Emi­gran­ten“ wird in Zukunft, auch nach Coro­na, uns wei­ter beschäftigen.

Ver­säum­nis­se der Ver­gan­gen­heit, als Afri­ka nur als unter­ent­wi­ckel­te Kolo­nie und aus­zu­beu­ten­der Roh­stoff­lie­fe­rant oder spä­ter als exo­ti­scher Safa­ri­park gese­hen wur­de, wird sich rächen. Was wir nicht in der Ver­gan­gen­heit frei­wil­lig zu geben bereit waren, wer­den sie sich nun holen und unse­re alte Gesell­schafts­struk­tur kräf­tig durchmischen.

Ein Pro­blem, das schon lan­ge bekannt ist und wie die Kli­ma­ver­än­de­rung ein­fach igno­riert wur­de. Ein­fach Weg­den­ken lässt sich bei­des heu­te nicht mehr.

 

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