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Erdbeben-Schreck auf den Kanaren: Die verborgene Kraft des Vulkan Enmedio
Kanaren Vulkan Enmedio: Nach Tagen der stillen Unruhe bebte am Donnerstag plötzlich die Erde – und diesmal war es kein Ereignis, das nur in den Laboren der Wissenschaftler stattfand. Während im vergangenen Monat alle Augen gebannt auf den Teide gerichtet waren, weil dort tausende Mikro-Erdbeben registriert wurden, blieb es für die Bevölkerung ruhig. Jene Erschütterungen waren so schwach, dass sie ausschließlich von hochsensiblen Instrumenten wahrgenommen werden konnten.
Doch das änderte sich schlagartig um 12:26 Uhr. Ein leichtes, aber deutliches Beben ließ in einem Dutzend Gemeinden auf Teneriffa und Gran Canaria sogar Gegenstände in den Häusern schwanken. Mit einer Stärke von 4,1 und einer Intensität von III meldete sich die Natur eindrucksvoll zurück. Doch die Überraschung: Der Ursprung lag nicht unter dem Teide-Massiv, sondern tief im Atlantik beim geheimnisvollen Vulkan Enmedio.
Wo die Erde bebte: Von Santa Cruz bis Las Palmas
Die Erschütterungen waren diesmal für viele Menschen im Alltag spürbar. Auf Teneriffa meldeten Bewohner aus Santa Cruz, Güímar, La Orotava, Los Realejos, Santa Úrsula, Arafo, Arico und Los Silos das Beben. Auch auf Gran Canaria war die Unruhe groß: In der Hauptstadt Las Palmas sowie in Agaete, Santa María de Guía und Gáldar vibrierten die Gläser im Schrank und Lampen gerieten in Schwingung.
Laut dem Nationalen Geographischen Institut (IGN) ereignete sich das Erdbeben in einer Tiefe von 10 Kilometern in einem Gebiet, das in der Vergangenheit immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht wurde. Ein Beispiel dafür ist das Erdbeben vom 9. Mai 1989 mit einer Magnitude von 5,2, das die Küsten von Teneriffa und Gran Canaria besonders heftig erschütterte. Und erst vor sieben Jahren, im Januar 2019, wurde in derselben Region ein Erdbeben der Magnitude 4,4 registriert. Sie dazu auch meinen Beitrag vom 7.7.2023.
Der Vulkan Enmedio: Ein Riese zwischen den Inseln
Das Epizentrum wurde auf halbem Weg zwischen Porís de Abona (Teneriffa) und La Aldea (Gran Canaria) lokalisiert. Hier liegt der Vulkan Enmedio – ein Ort, der unter Wissenschaftlern als das Gebiet mit der höchsten seismischen Aktivität der gesamten Kanaren gilt.
Fakten zum „Vulkan dazwischen“:
- Identifizierung: Erst 1994 wurde er erstmals kartiert.
- Größe: Mit einer Basis von 3,5 Kilometern Durchmesser ist er ein massives Gebirge unter Wasser.
- Tiefe: Sein Gipfel liegt 1.625 Meter unter dem Meeresspiegel, während seine Basis bis in 2.350 Meter Tiefe reicht.
- Höhe: Je nach Messpunkt überragt er den Meeresboden um stolze 560 bis 730 Meter.
Warum bebt es dort? Die drei Theorien der Wissenschaft
Obwohl das Beben deutlich war, hat es wenig mit dem zu tun, was sich derzeit unter Las Cañadas del Teide abspielt. Das Nationale Geographische Institut (IGN) diskutiert in seinem Dokument „Seismizität auf den Kanarischen Inseln“ drei mögliche Ursachen für die Erschütterungen in dieser maritimen Zone:
- Vulkanische Aktivität: Direkte magmatische oder tektonische Bewegungen innerhalb des Enmedio-Vulkans.
- Die Verwerfung: Eine tief sitzende Bruchstelle im Meeresboden zwischen den beiden Hauptinseln.
- Hydrostatische Anpassung: Eine faszinierende Theorie über eine mögliche Annäherung der Inseln aufgrund von Lastanpassungen Teneriffas.
Neue Entdeckung: Der Enmedio „atmet“
Passend zum aktuellen Ereignis veröffentlichte die Fachzeitschrift Bulletin of Volcanology diesen Monat eine bahnbrechende Studie des Spanischen Instituts für Ozeanographie (IEO), des Instituts für Meereswissenschaften von Barcelona sowie der Universitäten von La Laguna und Salamanca.
Die Forscher lieferten erstmals detaillierte Beweise dafür, dass der Enmedio hydrothermale Aktivität erzeugt. Das bedeutet: Der Vulkan ist weit mehr als ein stiller Unterwasserberg; er ist ein lebendiges geologisches System, das heiße Gase und Flüssigkeiten ausstößt – ein Prozess, der nun erstmals umfassend beschrieben wurde.
Ein lebendiger Archipel
Das Ereignis am Donnerstag erinnert uns daran, dass wir auf einem der aktivsten vulkanischen Archipele der Welt leben. Während der Teide im letzten Monat nur „flüsterte“, hat der Vulkan Enmedio nun mit einer deutlicheren Stimme gesprochen. Es besteht kein Grund zur Panik, aber es ist ein faszinierendes Zeugnis der Kräfte, die tief unter dem blauen Atlantik wirken.


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