Inhalt
Die Suche nach dem „stillen Wanderer“
Vermisster Airam La Palma Autismus: Es sollte ein Tag der Freude sein, ein Tag in strahlendem Weiß. Doch seit dem legendären Día de los Indianos liegt ein Schatten über La Palma. Seit einer Woche wird der 20-jährige Airam Concepción Afonso vermisst. Er ist hochfunktionaler Autist – und sein Verschwinden stellt die Helfer vor eine ganz besondere Herausforderung.
Während die Suchtrupps die Wälder und Schluchten rund um El Paso durchkämmen, hat seine Mutter, die bekannte Filmemacherin Mercedes Afonso, einen herzzerreißenden Appell an die Bevölkerung gerichtet. Es ist ein Aufruf, der uns zeigt, dass die Logik dieser Suche nicht der eines gewöhnlichen Vermisstenfalls folgt.
Ein ungewöhnlicher Appell: „Stellt Wasser vor die Tür“
„Ich bitte die Bewohner der Suchgebiete, eine kleine Flasche Wasser und etwas zu essen vor ihre Häuser zu stellen“, sagte Mercedes Afonso sichtlich bewegt im kanarischen Fernsehen. „Vielleicht versucht er, nach Hause zu kommen, und hält sich irgendwo versteckt.“
Es ist die Hoffnung einer Mutter, die ihren Sohn kennt. Ein Experte für die Suche nach autistischen Personen gab ihr Mut: Es gibt Fälle, in denen Betroffene bis zu 20 Tage in der Wildnis überlebten, bevor sie gefunden wurden. Doch warum versteckt sich ein junger Mann, der dringend Hilfe braucht?
Das „unsichtbare“ Verschwinden: Warum Autismus die Suche verändert
Wenn ein Mensch mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) spurlos verschwindet, ist dies selten ein geplantes Weglaufen. Es ist oft eine unwillkürliche Reaktion des Gehirns auf eine Welt, die plötzlich zu laut, zu hell oder zu viel geworden ist.
1. Elopement: Die Flucht vor dem Reizgewitter
Das Los Indianos Festival ist ein Ausnahmezustand aus Puder, Lärm und Menschenmassen. Bei extremer Reizüberflutung (Overload) schaltet das autistische Gehirn oft in einen archaischen Überlebensmodus. Der Impuls: Sofort weg. In dieser Phase werden Gefahren wie Kälte oder Verkehr komplett ausgeblendet. Das Ziel ist oft ein Ort der Ruhe – ein Wald, eine Höhle oder das Wasser.
2. Der Shutdown: Wenn die Welt erlischt
Ein Verschwinden kann auch ein extremer innerer Rückzug sein. Bei einem sogenannten Shutdown zieht sich der Betroffene an einen isolierten, dunklen Ort zurück, um das Nervensystem herunterzufahren. In diesem Zustand ist Kommunikation oft unmöglich. Werden sie gerufen, reagieren sie oft nicht auf ihren Namen – nicht aus bösem Willen, sondern weil die Reizverarbeitung blockiert ist.
3. Orientierungslosigkeit durch Stress
Massiver Stress kann zu einem kognitiven Blackout führen. Wege, die Airam eigentlich kennt, können ihm plötzlich fremd erscheinen. Die Umgebung wird nur noch als bedrohliche, chaotische Masse wahrgenommen.
4. Die Erschöpfung nach dem „Masking“
Viele hochfunktionale Autisten investieren enorme Energie in das sogenannte Masking – sie versuchen, ihre autistischen Züge zu verbergen, um dazuzugehören. Dies kann zu einem autistischen Burnout führen. Das plötzliche Verschwinden ist dann ein radikaler Ausbruch aus der totalen Erschöpfung.
Wie können wir helfen?
Die Suche nach Airam erfordert Sensibilität. Herkömmliche Suchmethoden wie lautes Rufen, Hubschrauberlärm oder große Gruppen können bei ihm Panik auslösen und ihn dazu bringen, sich noch tiefer zu verstecken.
Was du tun kannst:
- Aufmerksam sein: Achte auf einsame Personen, die vielleicht abwesend wirken oder nicht direkt auf Ansprache reagieren.
- Versorgung anbieten: Folge dem Aufruf der Mutter. Eine Flasche Wasser oder ein wenig Brot vor dem Haus kann für Airam zur lebensrettenden Brücke nach Hause werden.
- Ruhe bewahren: Solltest du ihn sehen, bedränge ihn nicht. Informiere sofort die Behörden unter der 112. Auch zufällige Beobachtungen, die sich später als Fehlalarm herausstellen sind wichtig (siehe Kommentar von gestern).
Wir hoffen gemeinsam mit Mercedes Afonso und der gesamten Insel, dass Airam bald sicher in sein Zuhause nach Fátima in El Paso zurückkehren kann.
Sucheinsatz auf La Palma heute:
10.30 Uhr – Seit über einer Stunde kreist der Rettungshubschrauber im Küstenbereich um den Flughafen Mazo. Er scheint auf der Suche zu sein. Vielleicht haben sich neue Anhaltspunkte über den Verbleib des Vermissten ergeben.
13.30 Uhr – Nachdem die Hubschraubersuche wohl erfolglos blieb, ist jetzt von der Meerseite die Suche mit dem Rettungskreuzer Salvamar aufgenommen worden.

Es wird der Küstenabschnitt Los Cancajos bis Flughafen Mazo befahren.


Kommentar hinterlassen zu "Wo ist Airam? Die dramatische Suche auf La Palma"