Vulkanismus auf La Palma: Das aktive Herz der Kanaren

Der Kanaren-Hotspot: Warum die Vulkane nach Westen wandernDer Kanaren-Hotspot: Warum die Vulkane nach Westen wandern
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Der „Hotspot“-Krimi: Warum wandern die Vulkane der Kanaren?

Vulkanismus Hotspot Kanaren: Wer die Kanarischen Inseln bereist, merkt schnell – keine Insel gleicht der anderen. Während Lanzarote mit einer mondähnlichen, fast surrealen Kraterlandschaft fasziniert, ragen auf La Palma und Teneriffa steile, tiefgrüne Bergriesen in den Himmel. Fuerteventura dagegen besticht durch sanfte, flache Hügelketten und kilometerlange Sandstrände.

Woher kommen diese gewaltigen Unterschiede? Die Antwort liegt in einer Jahrmillionen alten Kriminalgeschichte der Geologie. Der Täter: Ein glühender „Hotspot“ tief im Erdmantel. Und das Opfer? Eine Kontinentalplatte, die einfach nicht stillstehen kann.

Tauchen wir ein in das Rätsel um die wandernden Vulkane der Kanaren.

Das geologische Alter: Von Greisen und Teenagern

Schaut man sich das Alter der Inseln an, fällt sofort ein faszinierendes Muster auf. Die Kanaren sind von Ost nach West wie eine Perlenkette nach ihrem Alter sortiert:

  • Fuerteventura & Lanzarote: Die Senioren der Familie. Sie entstanden vor rund 20 bis 15 Millionen Jahren.

  • Gran Canaria & Teneriffa: Die reife Mitte mit etwa 14 bis 12 Millionen Jahren.

  • La Palma & El Hierro: Die absoluten Teenager. Sie erblickten erst vor knapp 2 bis 1,1 Millionen Jahren das Licht der Welt.

Warum aber erloschen die Vulkane im Osten weitgehend, während sie im Westen – wie der jüngste Ausbruch des Tajogaite auf La Palma eindrucksvoll gezeigt hat – noch immer hochaktiv sind?

Das Prinzip „Hotspot“: Die Schweißflamme unter dem Ozean

Hotspot Kanaren: Die meisten Vulkane weltweit entstehen dort, wo Kontinentalplatten aufeinanderprallen oder auseinanderdriften (wie am Mittelatlantischen Rücken). Die Kanaren jedoch verdanken ihre Existenz einem sogenannten Hotspot (Mantelplume).

Man kann sich das so vorstellen: Tief im Erdmantel, weit unter der Erdkruste, befindet sich eine ortsfeste, gigantische Hitzequelle. Wie eine kosmische Schweißflamme schmilzt dieser Hotspot unaufhörlich das darüberliegende Gestein auf. Das heiße, flüssige Magma sucht sich seinen Weg nach oben, bricht durch den Meeresboden und baut über Jahrmillionen hinweg eine Vulkaninsel auf, die irgendwann die Meeresoberfläche durchbricht.

Die wandernde Erdkruste: Das Fließband der Natur

Jetzt kommt der entscheidende Clou: Während der Hotspot tief im Erdinneren wie festgenagelt an Ort und Stelle bleibt, bewegt sich die Erdkruste (in unserem Fall die Afrikanische Platte) ganz langsam darüber hinweg. Sie driftet mit einer Geschwindigkeit von wenigen Zentimetern pro Jahr nach Nordosten.

Modell der Plattenwanderung

Am Beispiel der kanarischen Inseln sehen wir links auf der Grafik den Hotspot (Pluma). Wie ein Schneidbrenner (rote Spur) hat er in den vergangenen Jahrmillionen von Ost nach West den äußeren Erdmantel aufgeschmolzen und regelmässig neue Inseln entstehen lassen. Tatsächlich ist der Hotspot aber stationär und verharrt an seiner Stelle. Nur die obere afrikanische Platte verschiebt sich allmählich Richtung Osten (Avance de la placa).

Aufgrund dieser Entwicklung werden in Zukunft westlich der heutigen Kanaren neue Inseln entstehen und die alten Inseln langsam im Meer versinken. Mehr dazu: Die Kontinentalrand Hypothese von IFM-Geomar

Hier hilft ein einfaches Bild:

Stell dir vor, du hältst eine brennende Kerze (den Hotspot) völlig ruhig in der Hand. Nun ziehst du langsam ein dickes Stück Pappe (die Kontinentalplatte) darüber hinweg. Was passiert? Die Flamme brennt nacheinander Löcher in die Pappe.

Genau das passiert auf den Kanaren:

  1. Zuerst lag der Osten (Fuerteventura) über der Flamme.

  2. Als die Platte weiterwanderte, erlosch dort der Nachschub und die Flamme brannte ein neues Loch in die Kruste – Gran Canaria und später Teneriffa entstanden.

  3. Heute befinden sich La Palma und El Hierro direkt über dem vulkanischen Hotspot. Deshalb brodelt es hier im Untergrund am heftigsten.

Warum Lanzarote trotzdem nicht flach bleibt

Wenn die Platte weiterwandert, müssten die alten Inseln im Osten doch eigentlich völlig friedlich sein, oder? Nicht ganz. Da die Afrikanische Platte sich nur sehr langsam bewegt und der Hotspot einen gewissen „Hitzestau“ unter der gesamten Region verursacht, kann es auch auf den alten Inseln zu sogenannten Wiederbelebungsphasen kommen – wie bei den historischen Ausbrüchen im Timanfaya-Gebiet auf Lanzarote im 18. Jahrhundert.

Dennoch gilt das eiserne Gesetz der Geologie: Die Zukunft des kanarischen Vulkanismus liegt im Westen. In einigen Millionen Jahren werden La Palma und El Hierro vom Hotspot weggeschoben sein – und westlich von ihnen wird eine völlig neue Insel aus dem Atlantik auftauchen.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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