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Teil 1: Warum die Insel unter den Füßen buchstäblich kocht –
Wer auf La Palma Urlaub macht, denkt an Wanderschuhe, Sternenhimmel und vielleicht den einen oder anderen Strand. Woran die wenigsten denken: Nur ein paar hundert Meter unter deinen Flip-Flops braut sich eine Energie-Suppe zusammen, die ganz Europa (Island einmal ausgenommen) blass aussehen lässt.
Warum der ganze Aufwand? Der Schatz im Keller
Bevor wir in die Steine abtauchen: Warum interessiert uns die Hitze überhaupt? Geothermie ist im Grunde die „eierlegende Wollmilchsau“ der Energiewende. Während Wind und Sonne mal Pause machen (Dunkelflaute lässt grüßen), liefert die Erde 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr konstant Power. Sie braucht keine riesigen Batteriespeicher, verbraucht kaum Platz an der Oberfläche und ist – wenn man es richtig macht – so sauber wie die Bergluft am Roque de los Muchachos. Kurz gesagt: Wir sitzen auf einer riesigen, grünen Batterie.
1. Die Cumbre Vieja: Nicht nur ein Berg, sondern ein „Riss“ mit Ambitionen
Stellen wir uns die Cumbre Vieja im Süden nicht als einen einzelnen, braven Vulkankegel vor. Sie ist eher wie eine riesige, geologische Reißverschluss-Öffnung.
In der Fachsprache nennen wir das ein Rift. Hier wird die Erdkruste gedehnt und bekommt Risse. Durch diese Spalten drängelt sich flüssiges Magma nach oben, wie Schaum aus einer geschüttelten Coladose. Das Ergebnis? Die Kruste ist hier dünn, löchrig wie ein Schweizer Käse und vollgestopft mit „Dykes“ – das sind quasi die vertikalen Heizrohre der Natur.
2. Das Team „Jung & Wild“: Die Vulkane von La Palma
Geologisch gesehen ist La Palma quasi noch im Kindergarten-Alter – und dementsprechend quirlig. Für die Geothermie sind vor allem die Youngster interessant, die das Gestein noch nicht haben abkühlen lassen:
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San Antonio (1677): Ein Klassiker, der den Süden massiv geprägt hat.
- San Juan (1949): Mit seinen Kratern Hoyo Negro, Llano del Banco und Duraznero hat er gezeigt, dass das Rift-System auf ganzer Länge aktiv ist. Seine Ausbrüche haben tiefe Narben und perfekte Hitze-Leitungen im Gestein hinterlassen.
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Teneguía (1971): Der Rebell, der den Süden mit frischer Schlacke versorgt hat.
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Tajogaite (2021): Der „Neue“, der uns erst kürzlich daran erinnert hat, dass die Heizplatte unter der Insel definitiv noch auf „Maximum“ steht.

Tajogaite, Vulkan San Juan (1949) und frühere Vulkanausbrüche am Westteil der Cumbre Vieja
Diese Vulkane liefern uns Basalt. Das Zeug ist nicht nur hart, sondern extrem porös. Dank Tunneln, Blasen und Klüften wirkt das Gestein wie ein gigantischer Stein-Schwamm. Wasser kann hier perfekt einsickern, sich aufheizen und die Wärme speichern.
3. Der Temperatur-Turbo: Wer tief bohrt, verliert (Zeit)
Auf dem Festland musst du oft 4 bis 5 Kilometer tief in die Erde bohren, um genug Hitze für ein Kraftwerk zu finden. Das ist teuer und technisch eine echte Herausforderung.
Auf La Palma ist die Natur spendabler. Während der normale „Temperatur-Gradient“ weltweit eher gemächlich ansteigt, gibt die Cumbre Vieja Vollgas. Modellrechnungen zeigen:
In Regionen wie Fuencaliente finden wir oft schon in 500 bis 2.000 Metern Tiefe kuschelige 100 bis 200 °C.
Das ist, als würde man im Supermarkt die Premium-Wärme zum Discounter-Preis (und bei halber Wartezeit) bekommen.
4. Die „Fuente Santa“: Ein heißes Bad mit Geschichte
Dass da unten was brodelt, wissen die Palmeros nicht erst seit gestern. Bestes Indiz: Die Fuente Santa. Diese „Heilige Quelle“ wurde nach einem Vulkanausbruch verschüttet und erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. Ihr warmes Thermalwasser ist der direkte Beweis für ein hydrothermales System.
Regenwasser versickert, trifft auf heißes Gestein (vielleicht noch aufgeheizt vom San Juan oder San Antonio), wird aufgekocht und steigt als Dampf oder heißes Wasser wieder auf. Auch die Fumarolen am Teneguía sind im Grunde nichts anderes als die Dunstabzugshauben eines gewaltigen, unterirdischen Kraftwerks.
5. Fazit: Ein natürliches Rohrsystem
Zusammengefasst: Wir haben die Hitze (Magma), wir haben das Wasser (Regen/Meer) und wir haben die Leitungen (poröses Gestein und Spalten wie beim San Juan). Die südliche Cumbre Vieja ist ein geologisches Goldstück.
Die Kombination aus jungem Vulkanismus und extrem hoher Durchlässigkeit macht La Palma zu einem der spannendsten Orte der Welt für grüne Energie. Wir müssen eigentlich nur noch „anzapfen“.
Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie wir diese Hitze eigentlich in Strom verwandeln, ohne dass uns die Bohrkrone schmilzt. Seid gespannt!



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