El Hierro: Enttäuschende Bilanz des Energieprojekt Gorona

El Hierro

Doch keine komplette Stromversorgung mit Regenerativer Energie möglich?

El HierroSeit Juni 2014 läuft das neu­ar­ti­ge Hydro-Wind Pro­jekt auf El Hier­ro. 100% Strom aus Rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­quel­len war das ehr­gei­zi­ge Ziel. Die 7000 Bewoh­ner von El Hier­ro sol­len nur mit aus Wind und Was­ser­kraft erzeug­ter Elek­tri­zi­tät ver­sorgt wer­den.

20.000 Ton­nen ein­ge­spar­te Koh­len­di­oxid Abga­se pro Jahr und die ers­te „Grü­ne Insel“ der Erde ohne Ein­satz fos­si­ler Brenn­stof­fe. Das alte Schweröl­kraft­werk Lla­nos Blan­cos am Hafen von Puer­to de La Esta­ca soll­te nur noch für den Not­fall in Reser­ve gehal­ten wer­den.

Jetzt 19 Mona­te spä­ter prä­sen­tiert die Betrei­ber­ge­sell­schaft Goro­na del Vien­to El Hier­ro erst­mals ernüch­tern­de Zah­len:

„Im Jah­re 2015 wur­de der Wunsch­traum 100% Strom aus Erneu­er­ba­rer Ener­gie zu bezie­hen am 9. August für etwas mehr als 2 Stun­den erreicht. In der ers­ten Jah­res­hälf­te konn­ten die sau­be­ren Ener­gie­quel­len zu 30% genutzt wer­den. In den Mona­ten Juli und August lagen die Mit­tel­wer­ten zwi­schen 49 und 55%. Die feh­len­de Ener­gie muss­te das alte Schweröl­kraft­werk bei­steu­ern das man eigent­lich still­le­gen woll­te“

  • so die Zah­len des Betrei­bers. Nach­zu­le­sen auf der span. Goro­na-Sei­te.

Nicht all­zu toll für das ers­te Jahr nach dem 6-mona­ti­gen Pro­be­be­trieb im Jah­re 2014. Hier vom „Über­tref­fen der kühns­ten Erwar­tun­gen“ so Goro­na – zu spre­chen, ist maß­lo­se Über­trei­bung und Beschö­ni­gung der tat­säch­li­chen Fak­ten. 80% im Jah­res-Durch­schnitt hät­te der Betrach­ter schon erwar­tet.

Lei­der wird sich die Visi­on von der sau­bers­ten Insel der Welt nun doch nicht erfül­len las­sen und eine Visi­on blei­ben. Viel­leicht waren es doch zu vie­le Vor­schuss-Lor­bee­ren.

Fast 85 Mil­lio­nen Euro, mehr als die Hälf­te För­der­mit­tel (Sub­ven­tio­nen), hat­te der Bau der Anla­ge ver­schlun­gen. Es soll­te erst­mals der Beweis erbracht wer­den, dass die Kom­bi­na­ti­on Wind- und Was­ser­kraft eine Insel wie El Hier­ro kom­plett mit Strom ver­sor­gen kann.

Scha­de für El Hier­ro – ich hät­te unse­rer klei­nen Nach­bar­in­sel sehr ger­ne die­sen Erfolg gegönnt.

Doch Theo­rie und Pra­xis schei­nen zwei ver­schie­den Stie­fel zu sein. An dem Goro­na Pro­jekt waren Fir­men und Fach­leu­te aus vie­len Län­dern betei­ligt. Auch Deut­sche, Schwei­zer, Ita­lie­ni­sche und Fran­zö­si­sche Fir­men lie­fer­ten Kom­po­nen­ten für die­sen Pro­to­typ.

Die Fach­kom­pe­tenz war also nicht allein auf spa­ni­sche Inge­nieurs­kunst beschränkt. Das Pump­spei­cher­kraft­werk bringt aus dem 150.000 Kubik­me­ter Was­ser fas­sen­den Spei­cher­be­cken bei 650 Meter Höhen­un­ter­schied nur etwa 1,9 MWh (Anmer­kung: könn­te auch etwas höher lie­gen) Spei­cher­ka­pa­zi­tät. Viel zu wenig um die gan­ze vor­han­de­ne Wind­ener­gie sinn­voll zu spei­chern. So ver­pufft die über­schüs­si­ge durch die Wind­ge­ne­ra­to­ren erzeug­te Kraft und kann nicht gespei­chert wer­den. Das Kon­zept und die Bau­fort­schrit­te sind hier Nach­zu­le­sen.

Min­des­tens die 5-fache Grö­ße (9,5 MWh) wären nötig um die erzeug­te und vor­han­de­ne Wind­ener­gie kom­plett zu spei­chern. Ande­re Berech­nun­gen erga­ben sogar das 20-fache Spei­cher­vo­lu­men.

El Hierro

… das Haupt­be­cken wäh­rend der Bau­pha­se.

Hier taucht aller­dings das nächs­te Pro­blem auf. Was­ser­be­cken von die­ser Grö­ße las­sen sich auf den durch Erd­be­ben gefähr­de­ten Kana­ri­schen West­in­seln nicht dicht hal­ten. Das bes­te Bei­spiel haben wir beim Staubecken Lagu­na de Bar­lo­ven­to auf La Pal­ma. Mit einer Kapa­zi­tät von 5,5 Mil­lio­nen m³ Was­ser, war es in die­ser Dimen­si­on der größ­te Was­ser­spei­cher, der auf den Kana­ri­schen Inseln je gebaut wur­de.

Damm­brü­che und Undich­tig­kei­ten führ­ten bereits zu manch gefähr­li­chen Über­schwem­mun­gen, so dass er heu­te nur noch zu maxi­mal 50% befüllt wird. Von den Kos­ten für die auf­wen­di­ge Repa­ra­tur­ar­bei­ten erst gar nicht zu reden.

Die Lösung wären viel­leicht meh­re­re klei­ne­re Spei­cher­be­cken, die sich beherr­schen las­sen. Auf El Hier­ro ist es auch nicht mög­lich die über­schüs­si­ge Wind­kraft in ein öffent­li­ches Strom­netz ein­zu­spei­sen. Die Insel arbei­tet aut­ark und hat kei­ne Netz­an­bin­dung an die Nach­bar­in­seln.

Bei Strom­ver­brauchs­spit­zen arbei­tet die Pump­spei­cher-Tech­no­lo­gie ein­fach noch zu trä­ge. Kurz­fris­ti­ger erhöh­ter Strom­ver­brauch kann nicht in Minu­ten­schnel­le vom gespei­cher­tem Was­ser in Strom umge­wan­delt wer­den. Im bes­ten Fal­le ist wahr­schein­lich nur eine Nut­zung der Rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie zu 80% tech­nisch mög­lich. Auch ver­trägt das Strom­netz kei­ne stän­di­ge Über- oder Unter­span­nung. Ein Black­out wäre die Fol­ge.

Ande­re Spei­cher-Tech­ni­ken die heu­te noch nicht zu Ver­fü­gung ste­hen, sind not­wen­dig. Die rich­ti­ge „Bat­te­rie“, der in Sekun­den­schnel­le Ener­gie ent­zo­gen wer­den kann, muss noch erfun­den wer­den.

El Hierro – Was kostet der Regenerative Strom?

Blei­ben noch die Kos­ten. Natür­lich möch­te die Betrei­ber­ge­sell­schaft Goro­na glän­zen und nur die posi­ti­ven Aspek­te her­vor heben.

El Hierro

Die Aus­gangs-Idee

Bei den Ver­gleichs­be­rech­nun­gen in Vorher/Nachher ist für 2011 und 2015 auch der glei­che Treib­stoff­preis ange­setzt. In Wirk­lich­keit ist aber heu­te der Ölpreis mehr als 50% güns­ti­ger als noch vor 4 Jah­ren. Um die Amor­ti­sie­rung der Anla­ge im rich­ti­gen Licht dar­zu­stel­len, soll­te dann auch der lang­jäh­ri­gen Durch­schnitt der Ener­gie­kos­ten als Grund­la­ge her­an gezo­gen wer­den.

Das macht Goro­na jedoch nicht – dies hin­ter­lässt einen faden Bei­geschmack und lässt natür­lich auch auf ande­re Rechen­küns­te der Gesell­schaft schlie­ßen. An der Glaub­wür­dig­keit muss die Insel­re­gie­rung (60% Eigen­tü­mer an Goro­na) noch arbei­ten und nicht mit geschön­ten Bilan­zen die gan­ze „grü­ne Ener­gie“ in Ver­ruf brin­gen.

In Spa­ni­en liegt der ein­heit­li­che Strom­preis der­zeit bei rund 24 Cent pro KW/h. Nach Berech­nung von Ken­nern kommt auf El Hier­ro die Kilowatt/Stunde aber auf hor­ren­de 81 Cent pro KW/h. Das scheint auf den ers­ten Blick jeder Logik von wirt­schaft­li­cher Nut­zung von Rege­ne­ra­ti­ver Ener­gie zu wider­spre­chen. Dies ist jetzt eine Moment­auf­nah­me, die sich in den nächs­ten Jah­ren durch eine Stei­ge­rung der Effi­zi­enz posi­tiv noch ver­än­dern kann.

El Hier­ro ist aber trotz­dem nicht der Ver­lie­rer. In einem mit der Madri­der Regie­rung aus­ge­han­del­ten Ver­trag, über­nimmt das spa­ni­sche Fest­land das Risi­ko. Für 8,64 Mio. Kilo­watt­stun­den Wind­ener­gie wur­den bis­her 7 Mil­lio­nen Euro ver­gü­tet. Wie lan­ge natür­lich Madrid auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler die­ses Spiel noch mit­macht, ist bei den der­zeit unsi­che­ren poli­ti­schen Macht-Ver­hält­nis­sen in Madrid, nicht zu sagen.

Was wünscht man El Hierro?

Grund­sätz­lich ist der Insel und sei­nem von mir geschätz­ten Visio­när Javier Mora­les – dem Vater des Pro­jekts – zu gra­tu­lie­ren. El Hier­ro hat es gewagt, ein neu­es Pro­jekt über den Pla­nungs­an­satz bis zur Fer­tig­stel­lung zu brin­gen. Kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit hier auf den Kana­ren.

Es war und ist ein Pro­to­typ der Rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie und ein­ma­lig auf der Erde. Selbst wenn nur 50% des benö­tig­ten Strom aus natür­li­chen umwelt­freund­li­chen Res­sour­cen erzeugt wird, bedeu­tet dies ein Erfolg.

Über Jah­re habe ich mich mit El Hier­ro und dem Goro­na-Pro­jekt beschäf­tigt. Ent­stan­den sind zwei Bücher und unzäh­li­ge Bei­trä­ge auf mei­nem El Hier­ro-Blog.

Der Goro­na-Gesell­schaft unter ihrer neu­en Prä­si­den­tin Belén Allen­de (zugleich auch die ers­te Insel­prä­si­den­tin der Insel) wün­sche ich, bei Ver­öf­fent­li­chun­gen die Fak­ten bit­te auch so dar­stel­len, wie sie sind.

Zuviel Eupho­rie und glor­reich in den Him­mel geho­be­ne Wunsch­vor­stel­lun­gen scha­den dem Pro­jekt und der Glaub­wür­dig­keit der gan­zen Insel. Jeder wird ver­ste­hen, dass eine neue Tech­no­lo­gie nicht gleich zu 100% funk­tio­niert – dann ist es halt nur eine zu 50% oder 60% selbst­ver­sorg­te Insel.

Es ist eine tol­le Leis­tung an der noch gear­bei­tet wer­den muss. Vie­le Län­der und auch die Kana­ri­schen Nach­bar­in­seln lieb­äu­geln inzwi­schen an einer Kopie. Dazu gibt es bereits Mach­bar­keits-Stu­di­en.

El Hier­ro ist und bleibt der Vor­rei­ter und wird als Pio­nier-Insel für Rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie in die Geschich­te ein­ge­hen … und dar­an will auch ich nichts ändern.

 


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18 Kommentare zu "El Hierro: Enttäuschende Bilanz des Energieprojekt Gorona"

  1. Barbara Langenberger | 9. Januar 2016 um 22:48 | Antworten

    Wen es inter­es­siert:

    https://demanda.ree.es/visionaCan/VisionaHierro.html#*

    Da könnt ihr Stun­de per Stun­de, Tag per Tag, Woche per Woche, Monat per Monat genau sehen, was auf El Hier­ro in Sachen Lügen & Mil­lio­nen­be­trug tat­säch­lich läuft. Es ist eine Schan­de, wie sich cle­ve­re Leu­te ihre Taschen gefüllt haben – und sich unter dem Deck­män­tel­chen „hei­le Umwelt“ ein wei­ßes Füss­chen gemacht haben.
    Das gan­ze Pro­jekt war vom ers­ten Moment an ein Poli­ti­kum für Geld­be­schaf­fung + Image – ohne wissenschaftlich/technisches Know­how. Und jetzt hat El Hier­ro den Salat. Ein mit Was­ser gefüll­ter Kra­ter (mit­ten im Bio­sphä­re-Natur­re­ser­vat), lächer­li­che Wind­rä­der (mit­ten in der Bio­sphä­re-Land­schaft) – und die immensen Kos­ten des All­tags­be­triebs. Für NULL!
    Man kann nur hof­fen, dass die Natur ein Ein­se­hen hat – dass die Wind­rä­der ver­ros­ten und der Was­ser­kra­ter undicht wird …

    Das meint Bar­ba­ra von El Hier­ro -
    die Zicke,
    die schon zu Erd­be­ben­zei­ten immer rea­lis­tisch geme­ckert hat.

    • Inter­es­sant wäre es an die Daten­bank, bzw. monat­lich, täg­lich, stünd­lich, zusam­men gefass­te Daten zu bekom­men. Dann wäre die Wirk­sam­keit die­ser 80 Mil­lio­nen uro inves­ti­tio­nen bes­ser nach­zu­voll­zie­hen

  2. Barbara Langenberger | 9. Januar 2016 um 22:54 | Antworten

    Klei­ner Nach­trag:

    Im Moment (9.1.2016 um 21.56 h) bezieht El Hier­ro sei­ne Ener­gie aus 100% DIESEL.

    • Lie­be Bar­ba­ra,

      wor­aus wird El Hier­ro zu 100% sei­ne Ener­gie bezie­hen, wenn in 100 Jah­ren das Erd­öl zur Nei­ge geht? Wie wird Tou­ris­mus funk­tio­nie­ren ohne Öl und Gas ? Tja, ein Anfang ist gemacht mit Goro­na. Skep­sis und Selbst­kri­tik sind gut. Aber die Lösung der Zukunft ist nicht Öl und Die­sel. Die Lösung ist rege­ne­ra­ti­ve Energie.Oder Wasserstoff…aber Was­ser­stoff auf der Vul­kan­in­sel könn­te nega­tiv wir­ken.

      Ich hab das Goro­na-Pro­jekt live ver­folgt, war vor Ort bei Inbe­trieb­nah­me, weiß, wie das Die­sel­kraft­werk wei­ter läuft.Kritik ist wie gesagt gut. Aber auch gern mit Vor­schlä­gen, die der Ver­bes­se­rung die­nen könnten…Vorschläge sind sicher­lich begrenzt im Bio­sphä­ren­re­ser­vat. Unbe­strit­ten. Aber fast alle Kana­ren-Insel­be­woh­ner, und auch ich, waren GEGEN die Boh­run­gen im Atlantik.Sie pro­tes­tier­ten mit Erfolg.
      Aber womit bewe­gen sie ihr Auto ? Risi­ko und Nutzen…ich sehe die Gefahr, dass das Risi­ko, wel­ches bei Ölboh­run­gen besteht, viel höher ist als das Risiko,welches 5 Wind­rä­der und zwei mit Was­ser gefüll­te Kra­ter dar­stel­len als Gefahr…man kann einer­seits das Bio­sphä­ren­re­ser­vat sehen und auch schüt­zen. Der Preis, der bei der Nut­zung von Öl gezahlt wird, wird an ande­ren Orten der Welt gezahlt…siehe Kata­stro­phe im Golf von Mexi­co.

      Lie­be Grü­ße nach El Hier­ro

  3. Gui­do Ned­wal, und mit wel­che Ener­gie­quel­le soll man die­ser Was­ser­stof pro­du­cie­ren ??
    Sie haben Recht; es gibt noch vor min­des­tens 100 Jah­re Öl, Gas und Koh­le. Also mehr als Zeit genug um rich­ti­ge Alter­na­tie­ve zu ent­wick­len, wie zum Bei­spiel Tho­ri­um. Wind­rä­der und Solar­pa­ne­le sind nur Spiel­zeug womit man Geld von Arm nach Reich trans­por­tiert ud wer­den nie­mals eine vol­wer­ti­ge Ener­gie­quel­le sein.
    http://fdp-fraktion-hessen.de/meldung/millionenverluste-bei-windkraftprojekten/

  4. Rainer Strassburger | 14. Januar 2016 um 11:59 | Antworten

    Sehr geehr­ter Herr Bet­z­wie­ser,
    lei­der sind Sie bis­her nicht bereit die ihnen in eige­ner Mail dar­ge­leg­ten und von mir vor­ge­rech­ne­ten fal­schen Daten über die Stei­cher­ka­pa­zi­tät des Was­ser­spei­chers zu kor­ri­gie­ren. Die vor­han­de­ne Spei­cher­ka­pa­zi­tät des Spei­chers sind ca 200 MWh. Der Wir­kungs­gard wird ca 70 % betra­gen.
    Das sind dann lei­der genau sol­che Zah­len­jon­glie­re­rei­en wie sie dem Pro­jekt Goro­na del Vien­to vor­wer­fen.
    Mit freund­li­chen Grüs­sen
    Rai­ner Strass­bur­ger

  5. Lei­der leis­ten die Befür­wor­ter der Erneu­er­ba­ren ihrer Sache einen Bären­dienst, wenn sie mit den best­mög­li­chen Sze­na­ri­en wer­ben.
    Für mich, der ich davon über­zeugt bin, dass die erneu­er­ba­re Ener­gie­ver­sor­gung alter­na­tiv­los ist, wenn man in Zeit­räu­men denkt, die über eine Wahl­pe­ri­ode hin­aus­ge­hen, ist nur die Bilanz wich­tig: Wird durch die Anla­ge mehr Ener­gie rege­ne­ra­tiv gewon­nen wer­den als durch ihren Bau ver­braucht wur­de? Wenn die Ant­wort „Ja“ lau­tet, ist es ein sinn­vol­les Pro­jekt. Sonst nicht. Zum Glück sind die meis­ten Kom­po­nen­ten auf eine Lebens­dau­er von meh­re­ren Jahr­zehn­ten aus­ge­legt, und bei den meis­ten Pro­jek­ten, die ich ken­ne, lau­tet damit die Ant­wort selbst bei pes­si­mis­tischs­ter Rech­nung immer noch „Ja“. Des­halb wün­sche ich übri­gens sowohl den Wind­rä­dern als auch dem Was­ser­spei­cher ein mög­lichst lan­ges Leben, denn mit jedem Betriebs­jahr mehr steigt der öko­lo­gi­sche Gewinn des Pro­jek­tes!

    El Hier­ro ist übri­gens weder die ers­te noch die ein­zi­ge Insel, die sich an einer weit­ge­hend rege­ne­ra­ti­ven Strom­ver­sor­gung ver­sucht. Wei­te­re Bei­spie­le sind Eigg Island, Fou­la Island und Tokelau. Obwohl hier die Bilanz, zumin­dest nach Inter­net-Daten­la­ge, deut­lich stär­ker in Rich­tung 100% geht, wer­den auch dort immer noch Die­sel­ge­ne­ra­to­ren vor­ge­hal­ten, und sei es nur, um einen Strom­aus­fall bei War­tungs­ar­bei­ten zu über­brü­cken. Das ist in mei­nen Augen aber weder eine Schan­de, noch ein Offen­ba­rungs­eid der Rege­ne­ra­ti­ven. Bes­ser etwas Schwer­öl ein­spa­ren als gar kei­nes! Wer mal auf LaPal­ma gese­hen hat, was zu Spit­zen­last­zei­ten aus den 5? „Aus­puff­roh­ren“ des Kraft­wer­kes an schwar­zem Qui­em raus­ge­rotzt wird (bzw. wur­de. Mein Stand ist von ca. 1995), der freut sich über jedes dre­hen­de Wind­rad, und sei es noch so stö­rend.

    • Auf La Pal­ma ist es lei­der immer noch so. Es gibt wohl inzwi­schen eini­ge Wind­rä­der, die aber nur 7 bzw. 8% der Strom­men­ge bei­steu­ern. Hier hat man auch in den Boom­jah­ren und spru­deln­den Sub­ven­ti­ons­quel­len in Beton und unnüt­zen Bau­lich­kei­ten inves­tiert.
      Heu­te wäre man froh, wenn Visio­nä­re damals eini­ge Mil­liiön­chen in alter­na­ti­ve Ener­gie­trä­ger gelenkt hät­ten.

  6. „Pump­spei­cher­kraft­werk bringt aus dem 150.000 Kubik­me­ter Was­ser fas­sen­den Spei­cher­be­cken bei 650 Meter Höhen­un­ter­schied nur etwa 1,9 MWh Spei­cher­ka­pa­zi­tät.“

    1,9 MWh = 1.900kWh

    Ich hab das kurz mal Über­schla­ge und komm bei 650m, 150.000m³ und Wir­kungs­grad von ca. 80% auf um die 216.000 kWk an Spei­cher­ka­pa­zi­tät.

    Hans

  7. Der Feh­ler ist mir auch auf­ge­fal­len. Soll­te unbe­dingt aus­ge­bes­sert wer­den.

  8. Dan­ke für die Hin­wei­se. Rein rech­ne­risch liegt die Spei­cher­ka­pa­zi­tät höher. Das Becken wird aller­dings auch noch als Trink­was­ser­spei­cher genutzt. Wie viel davon abge­zweigt wird, ist unbe­kannt. Genaue Zah­len konn­te ich nicht in Erfah­rung brin­gen.

  9. Lie­be El Hier­ro Freun­de,
    war­um müs­sen wir Deut­schen immer alles erst ein­mal nega­tiv sehen?
    Auch wenn nur ein Teil der Ener­gie jetzt aus WInd­kraft gewon­nen wird, ist es doch im Gegen­satz zu vor­her eine deut­li­che Ver­bes­se­rung.
    Also freu­en wir uns doch erst ein­mal dar­über.
    Ich war selbst letz­te Woche dort und war von der Insel ins­ge­samt sehr ange­tan. Ich hof­fe ein­fach dar­auf, dass das Pro­jekt wei­ter ver­bes­sert wird und mit Hil­fe von tech­ni­schem Fort­schritt etc. dann in der Zukunft das Ziel der 100% Ener­gie­ver­sor­gung aus alter­na­ti­ver Ener­gie erreicht wird!
    Bit­te alle ein­fach mal dar­über nachdenken,ob die­se Sicht­wei­se nicht viel­leicht moti­vie­ren­der und kon­struk­ti­ver ist.
    In dem Sin­ne
    Best wis­hes from Axel

  10. Die Phy­sik lässt sich nun mal nicht über­lis­ten:

    1. hat der Wind eine extrem gerin­ge Ener­gie­dich­te,
    2. lie­fert er nur vola­ti­le Ener­gie und
    3. lässt sich elek­tri­sche Ener­gie nicht spei­chern, son­dern nur unter mehr oder weni­ger hohen Ver­lus­ten in ande­re Ener­gie­for­men auf­wän­dig um- und wie­der zurück­wan­deln.

    Da exakt so viel Strom sekun­den­ge­nau im Netz sein muss, wie gra­de ver­braucht wird, muss das Die­sel­kraft­werk außer­dem stets mit­lau­fen, um jede plötz­li­che Wind­stil­le schnell aus­zu­glei­chen. Es läuft zwar nur auf Spar­flam­me, des­halb aber extrem unef­fek­tiv.

    Wei­ter­hin ist Wind­kraft eine bereits seit dem Mit­tel­al­ter aus­ge­reiz­te Ener­gie­form, von der kei­ne gra­vie­ren­den tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen hin zu einer bes­se­ren Effek­ti­vi­tät zu erwar­ten sind.

    Bei mei­nen bei­den letz­ten El Hier­ro-Auf­ent­hal­ten herrsch­te bei­des Mal tage­lang völ­li­ge Wind­stil­le und das Spei­cher­be­cken war so gut wie leer, wäh­rend das Die­sel­kraft­werk auf vol­len Tou­ren lief.
    Über das Jahr gerech­net wird sich El Hier­ro wahr­schein­lich nur zu maxi­mal 30% mit Wind­strom ver­sor­gen kön­nen. Mit Bau­kos­ten von 85 Mil­lio­nen EUR (bei wahr­schein­lich nur 8.000 ech­ten Ein­woh­nern, kei­ner Indus­trie und kaum Tou­ris­ten) eigent­lich ein Skan­dal, der von nicht ideo­lo­gisch beein­fluss­ten Fach­leu­ten schon im Pla­nungs­sta­di­um vor­aus­ge­se­hen wur­de.

  11. Fra­ge:
    Habt ihr sonst kei­ne Pro­ble­me ?
    Wir haben in der Nord­see etli­che rotie­ren­de Wind­parks ohne Anschluß ‚weil die nöti­gen Lei­tun­gen frü­hes­tens im Jahr 2025 fer­tig sind. Die­se Din­ger sind von uns schon per gel­ten­dem Strom­be­zug bezahlt und dürf­ten den Bedarf der gesam­ten Kana­ren für min­des­tens die nächs­ten Jahr­hun­der­te gewähr­leis­ten. Zieht ein Kabel rüber und Euch wird kos­ten­lo­ser Emp­fang zuge­si­chert. Angie die gro­ße denkt an Alle !
    p.s.
    Aller­dings nur wenn der Wind das lie­fert was per Com­pu­ter­fach­ex­per­ten errech­net wur­de.

    Ohne Spei­cher funk­tio­niert nix!
    Es gibt seit über 100 Jah­ren welt­weit den Traum der Spei­che­rung von Elek­tri­zi­tät , wie gesagt: Traum.
    Bis heu­te und sicher­lich auch für alle Zei­ten wird die­ses Phä­no­men nicht lös­bar sein.
    Wind und Son­ne kön­nen wehen und schei­nen soviel sie wollen,für eine täg­li­che Strom­voll­ver­sor­gung reicht es nie­mals.
    p.s.
    Euer Dilem­ma ist nur mar­gi­nal im Ver­gleich zu den Tas­ma­ni­schen Insu­la­ner in Aus­tra­li­en.
    Dort ste­hen die Räder man­gels Wind still und die Fest­land­ver­bin­dung ist irgend­wo zwi­schen der Insel und Sid­ney ver­mut­lich von einem Schwert­fisch gekappt wor­den. Nur wo ?

    Lie­be erleuch­te­te Grü­ße aus dem Wind­wahn­land Deutsch­land

  12. / bedeu­tet geteilt durch.
    Kilo­watt­stun­de bedeu­tet Kilo­watt mal Stun­de.

  13. ja, sol­che Erfah­run­gen sind teu­er, aber trotz­dem wich­tig…
    bes­ser und bil­li­ger wäre Tes­la gewe­sen:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/tesla-nimmt-weltgroessten-lithium-ionen-akku-in-australien-in-betrieb-a-1181347.html

    • Der Anlass für den Bau des Bat­te­rie­spei­chers war ein vor­aus­ge­gan­ge­ner groß­flä­chi­ger Strom­aus­fall in Süd­ost-Aus­tra­li­en, weil auf­grund einer Hit­ze­wel­le viel Strom für die Kli­ma­an­la­gen benö­tigt wur­de. Da die soge­nann­ten erneu­er­ba­ren Ener­gi­en nun mal extrem vola­til sind, d. h. sie sind abhän­gig vom zufäl­li­gen Wet­ter und von Tag und Nacht, saßen 90.000 Haus­hal­te im Dun­keln und die Indus­trie durf­te nur noch ein­ge­schränkt arbei­ten. Die Spit­zen­last beim Black­out betrug laut einer Zei­tungs­mel­dung 14.700 MW, der Tes­la Akkuspei­cher hat eine Kapa­zi­tät von ca. 130 MWh. Damit kann die­ser Akku die Spit­zen­last für 0,0089 Stun­den, also 32 Sekun­den lie­fern, sofern er vor­her ganz voll war, voll­kom­men ver­lust­frei arbei­ten wür­de und die Ener­gie in so kur­zer Zeit abge­ben könn­te.

      Bat­te­rie­spei­cher sind die abso­lut teu­ers­te Art, Strom zu spei­chern. Die Kos­ten für den Spei­cher lie­gen zwi­schen den von Musk genann­ten 50-Mil­lio­nen Dol­lar oder erheb­lich mehr. Ein Tag Spei­cher­vo­lu­men für einen Teil Aus­tra­li­ens kos­tet dann über­schläg­lich min­des­tens 135,7 Mil­li­ar­den US$. Nun müs­sen die­se Akkus, wie Pump­spei­cher auch, vor­her gela­den wer­den und sie die­nen bei Wind- und Solar­strom auch der Kap­pung von Über-Ein­spei­sung. Ganz grob ver­ein­facht benö­tigt man des­halb min­des­tens das dop­pel­te Spei­cher­vo­lu­men, eher noch mehr. Dann kos­tet ein Tag Ener­gie­ret­tung mini­mal 271 Mil­li­ar­den US$. Bes­ser und bil­li­ger ist anders.

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