Traum vom Auswandern endet im Desaster

Traum vom Auswandern

Wenn immer alles so einfach wäre -

Traum vom AuswandernDer Traum vom Aus­wan­dern in den son­ni­gen Süden ist schön. Wer wür­de nicht ger­ne den grau­en All­tag in Deutsch­land mit Fuer­te­ven­tu­ra, Tene­rif­fa oder La Pal­ma tau­schen wol­len. Auf den ers­ten Blick wird nur die son­ni­ge und freund­li­che Sei­te des Lebens im Süden sicht­bar. Der unbe­schwer­te Umgang, die locke­re Lebens­wei­se und das gesam­te Umfeld kön­nen schon ver­lo­cken.

Das ist zunächst nur der Lack und die posi­ti­ve Sei­te die den Traum vom Aus­wan­dern so begeh­rens­wert und anzie­hend macht. Wie alles im Leben hat die Medail­le aber zwei Sei­ten.

Pau­scha­le Ansich­ten, die oft nichts mit dem nor­ma­len All­tag auf einer der spa­ni­schen Inseln zu tun haben. Eupho­rie und Wunsch­vor­stel­lung sind meist bald ver­flo­gen. Wie ein Sprung vom Fel­sen in unbe­kann­te Gewäs­ser, endet die Aus­wan­de­rung oft nach kur­zer Zeit in einem Desas­ter. Aus­wan­dern ist kein Urlaub mit Rück­flug­ti­cket, bei dem ich am Ende wie­der ins trau­te Heim und den reser­vier­ten Büro­ses­sel zurück­keh­ren kann. Zu die­sem The­ma habe ich bereits viel geschrie­ben – sie­he hier

Traum vom Auswandern

Spontane Ereignisse die den Traum vom Auswandern jäh beenden

Wie sieht es aber aus, wenn trotz aller Pla­nung und guter Vor­be­rei­tung sich plötz­lich der Part­ner trennt oder ver­stirbt?

Das schö­nes Haus und jetzt zu groß. Nur noch die hal­ben Ein­künf­te und das Haus damit nicht zu hal­ten. Alle Besor­gun­gen, Behör­den­we­ge und Erle­di­gun­gen sind nun selbst zu erle­di­gen. Kein geteil­tes Leid und auch kei­ne trös­ten­den Wor­te oder Rat­schlä­ge mehr. Über Nacht Solo …und damit Einzelkämpfer/in.

Eine Situa­ti­on die vor­her nicht bedacht oder ein­kal­ku­liert wur­de. Wie ein ver­häng­nis­vol­ler Blitz aus hei­te­rem Him­mel, lässt die Tren­nung den schöns­ten Traum plat­zen und wirft alle Pla­nun­gen über den Hau­fen. Für vie­le ist dann der Suff der ein­zig ertrag­ba­re Aus­weg. Häu­fig erlebt und Stoff für ein gan­zes Buch.

Ein Schlag­an­fall, eine schwer­wie­gen­de Erkran­kung oder ein Unfall. Nie­mand ist davor gefeit und eine gute Kran­ken­ver­si­che­rung ist nur eine finan­zi­el­le Absi­che­rung. Was ist aber, wenn es in dem Land oder der Insel kein aus­rei­chen­des Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem gibt und fähi­ge Fach­ärz­te über­haupt nicht im Umkreis vor­han­den sind. Für jede fach­ärzt­li­che Behand­lung von La Pal­ma extra nach Tene­rif­fa flie­gen?

„La Palma ist wunderschön, nur krank sollte man hier nicht werden“

Traum vom AuswandernEin von mir häu­fig ver­wen­de­ter Aus­spruch, der kurz und bün­dig den medi­zi­ni­schen All­tag beschreibt. Mei­ne Frau Marie ist Alten­pfle­ge­rin und Tag und Nacht und oft auch am Wochen­en­de im ambu­lan­ten Ein­satz. Trotz aller lie­be­vol­ler Pfle­ge ist schnell die medi­zi­ni­sche Insel­kunst am Ende ange­langt und es stellt sich die Fra­ge:

Sta­tio­när auf eine der gro­ßen Inseln oder gleich zurück nach Deutsch­land? Vor die­ser Ent­schei­dung ste­hen häu­fig älte­re oder chro­nisch kran­ke Men­schen. Selbst nach 15 Jah­ren Leben auf La Pal­ma fällt nach abwä­gen aller Mög­lich­kei­ten meist die Ent­schei­dung für Deutsch­land.

Liegt ein Krank­heits­bild wie Demenz oder eine Krank­heit die eine rund­um Betreu­ung erfor­dert vor, sind auch schnell die finan­zi­el­len Pols­ter auf­ge­braucht. Eine Pfle­ge­ver­si­che­rung gibt es in Spa­ni­en nicht. Nur ver­ein­zel­te Sach­leis­tun­gen wer­den von der Segu­ridad Soci­al über­nom­men. Auch die Mit­glied­schaft in der deut­schen Pfle­ge­ver­si­che­rung erbringt im Aus­land nur abge­speck­te Leis­tun­gen.

Der Traum vom Aus­wan­dern und eupho­risch in ein neu­es Leben zu star­ten zeigt sei­ne Gren­zen noch schnel­ler, wenn die Lan­des­spra­che nicht beherrscht wird. Mit Hola und qué tal kommt man viel­leicht in einer deut­schen Enkla­ve auf Mal­lor­ca noch aus. Auf La Pal­ma spricht kaum ein Bewoh­ner Deutsch und das pal­me­ri­sche Eng­lisch ist nur schwer zu ver­ste­hen.

Wie will ich im Hos­pi­tal dem Arzt mei­ne Schmer­zen und Gefüh­le beschrei­ben. Meist Ärz­te aus Fest­land­spa­ni­en oder Kuba. Die Abhän­gig­keit von einer Begleit­per­son die als Dol­met­scher mit­ge­nom­men wer­den muss, zeigt wie hilf­los ich in die­ser Situa­ti­on bin. Gut dann, lie­be und ver­trau­ens­wür­di­ge Freun­de zu haben.

Traum vom AuswandernNur eini­ge Bei­spie­le die ich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren auf den Kana­ren erlebt habe. Aspek­te die im Hin­ter­kopf bei der Pla­nung mit ein­flie­ßen soll­ten.

Aus­wan­dern rich­tig geplant und vor­be­rei­tet kann erfolg­reich gelin­gen. Dafür gibt es genü­gend Exem­pel. Vie­le Ide­en, Tipps und Rat­schlä­ge sind davon in mei­nem Buch ent­hal­ten.

Spon­ta­ne Ent­schlüs­se oder ad hoc Ent­schei­dun­gen haben meist in die Sack­gas­se geführt. Men­schen – die dann vor den Trüm­mern ihres Aus­wan­de­rer-Traums ste­hen.



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