Der unsichtbare Feind lähmt das Kanaren Leben

Wie ein kleines Virus das Kanarische Archipel paralysiert -

Der unsicht­ba­re Feind stürzt auch die Kana­ri­schen Inseln in Iso­la­ti­on und Depres­si­on. Es bedarf kei­ner Krie­ge, Hun­gers­nö­te, Erd­be­ben, Vul­kan­aus­brü­che oder rie­si­ger Wald­brän­de um Län­der und Regio­nen in eine Kata­stro­phe zu stürzen.
Durch die glo­ba­le Ver­net­zung fin­det der unsicht­ba­re Feind, das Covid-19 Virus, sehr schnell Zugang auch in ent­le­ge­ne Orte, wie La Pal­ma oder auf die kana­ri­schen Nachbarinseln.

Mit dem Flug- und Schiffs­ver­kehr kom­men Men­schen und Waren und mit ihnen auch das Coro­na Virus. Durch die Insel­la­ge und die begrenz­ten Zugangs­we­ge dau­ert es etwas län­ger, aber der unsicht­ba­re Feind ist inzwi­schen auch hier.

Ver­nich­ten, abtö­ten oder aus­rot­ten lässt er sich im Moment noch nicht. Das wird erst nach einer völ­li­gen Immu­ni­sie­rung der Bevöl­ke­rung oder nach der Ent­wick­lung eines Medi­ka­men­tes mög­lich sein. Selbst wenn im nächs­ten Jahr ein wirk­sa­mer Impf­stoff auf den Markt kommt, wird es min­des­tens noch eins bis zwei Jah­re nach Mei­nung der Viro­lo­gen dau­ern, bis eine Grund­im­mu­ni­sie­rung der Men­schen erfolgt ist.

Solan­ge hilft nur eine Iso­lie­rung, Abstands­re­geln, Mund- und Nasen­schutz und die bekann­ten Maß­nah­men um die Seu­che unter Kon­trol­le zu behal­ten. Spa­ni­en hat es beson­ders hart getroffen.

Ende Okto­ber gab es inner­halb von 24 Stun­den 25.595 Neu­in­fi­zier­te und 239 Todes­fäl­le. Mit nächt­li­chen Aus­gangs­sper­ren und wei­te­ren Maß­nah­men ver­sucht die Regie­rung in Madrid den wei­te­ren Anstieg zu stop­pen. Der Gesund­heits­not­stand gilt bis Mit­te Mai 2021. Spa­ni­en hat nur knapp die Hälf­te von Ein­woh­nern von Deutschland.

Statistik - Unsichtbarer Feind

Quel­le: Wikipedia

Die Kanaren können den unsichtbaren Feind noch in Schach halten

Wegen gerin­ger Infek­ti­ons­zah­len wur­den die Kana­ren als ein­zi­ge Regi­on von der Not­stands­ge­setz­ge­bung aus­ge­nom­men. Hier darf gereist wer­den, alle Läden und Restau­rants sind geöff­net und es gibt kei­ne nächt­li­che Aus­gangs­sper­re. Die Mas­ken­pflicht, Abstands­re­geln usw. gel­ten auch hier.

Damit kei­ne wei­te­ren Coro­na­vi­ren auf die Inseln gebracht wer­den, gilt ab Anfang Novem­ber für alle anrei­sen­den Gäs­te, die hier über­nach­ten möch­ten, die Vor­la­ge einer Coro­na Nega­tiv­be­schei­ni­gung. Ohne gül­ti­gen Test gibt es kei­ne Auf­nah­me in ein Hotel, Appar­te­ment oder in ein Ferienhaus.

Wer ohne Beschei­ni­gung (max. 72 Stun­den alt) ein­reist, muss in Qua­ran­tä­ne und unver­züg­lich auf eige­ne Kos­ten die Unter­su­chung (Arzt, Hos­pi­tal) nach­ho­len. Dies gilt auch für Tou­ris­ten aus Madrid oder Barcelona.

Nicht, dass es so wie einem deut­schen Flug­pas­sa­gier auf Lan­za­ro­te ergeht, der trotz deut­scher Qua­ran­tä­ne­pflicht auf die Insel reis­te. Hier arbei­ten die Behör­den schnell. Ein Schnell­ge­richt auf Lan­za­ro­te hat ihn zu 1500 € Stra­fe ver­ur­teilt und in Qua­ran­tä­ne geschickt.

Die aktu­el­len Zah­len der Kana­ren gibt es auf Coro­na Ent­wick­lung.

Es sind natür­lich nur tages­ak­tu­el­le Zah­len. Mehr Flie­ger und Schif­fe und mehr Tou­ris­ten kön­nen die Infek­ti­ons­ra­te schnell in die Höhe trei­ben. Das Coro­na­vi­rus ist wei­ter vor­han­den und war­tet nur auf sei­ne Chance.

„Als hätte man die Pest“

Die kana­ri­sche Gesell­schaft ist nor­ma­ler­wei­se eher auf Impro­vi­sa­ti­on aus­ge­leg­te und dis­zi­pli­niert. Sie zeigt gro­ße Ver­ant­wor­tung. Der typi­sche Kör­per­kon­takt mit Umar­mung und Küss­chen wird jetzt ver­mie­den. Auch wenn es schwer­fällt die ver­ord­ne­ten Abstands­re­geln ein­zu­hal­ten, wur­de der neue zwi­schen­mensch­li­che Umgang inzwi­schen verinnerlicht.

„Als hät­te man die Pest“ oder eine noch viel schlim­me­re anste­cken­de Krank­heit, wer­den ent­ge­gen kom­men­de Pas­san­ten in einem gro­ßen Bogen umgan­gen. Auch vor den Super­märk­ten oder Gesund­heits­zen­tren bil­den sich zu Stoß­zei­ten lan­ge Schlan­gen mit dem vor­ge­schrie­be­nen 1,5 Meter Abstand zwi­schen jeder Per­son. Kein Gedrän­ge, Gemau­le oder ein Lamen­to ist zu hören.

Auf La Pal­ma gab es bis­her 6 Coro­na-Tote, Kana­ren weit sind 283 Men­schen ver­stor­ben und 17.346 waren oder sind infi­ziert. Kein Bewoh­ner hat Inter­es­se dar­an mit dem Virus Bekannt­schaft zu machen.

Die Kana­ren hat­ten bereits beim ers­ten Spa­ni­en wei­ten Lock­down von März bis Juni viel stren­ge­re Rege­lun­gen, wie eine tota­le Aus­gangs­sper­re zu ertra­gen. Die jet­zi­gen Maß­nah­men sind dage­gen viel leich­ter und locke­rer zu nehmen.

Der unsichtbare Feind hält viele vom Reisen ab

Auch ohne deut­sche oder eng­li­sche Risi­ko­war­nung kom­men nur weni­ge Gäs­te auf die Inseln. In unsi­che­ren Zei­ten bleibt man lie­ber Zuhau­se in den ver­trau­ten eige­nen Wän­den. Der erwar­te­te gro­ße Tou­ris­ten­boom auf die Kana­ren bleibt auch im Win­ter aus.

Gut die Hälf­te der Hotels und Läden bleibt geschlos­sen oder ist plei­te. Der CEOE Eco­no­mic Situa­ti­on Report pro­gnos­ti­ziert einen Rück­gang des BIP 2020 in der Regi­on um 24,5%. Die Arbeits­lo­sen­quo­te soll bis zum Jah­res­en­de 30% errei­chen. Auch wirt­schaft­lich schlägt der Coro­na­vi­rus auf den Kana­ren voll zu.  An eine schnel­le Erho­lung ist nicht zu den­ken. Es wird Jah­re brau­chen, bis sich wie­der ein wirt­schaft­lich loh­nen­der Tou­ris­mus ent­wi­ckelt, der auch Lohn und Brot für die Arbeit­neh­mer brin­gen wird.

Vie­le wer­den umsat­teln müs­sen und ande­re Ein­kom­mens­quel­len suchen und viel­leicht auch fin­den. Nicht leicht auf einer Insel wie La Pal­ma, die tra­di­tio­nell vom Bana­nen­an­bau und seit gut 30 Jah­ren vom Tou­ris­mus lebt.

Kreuzfahrt Tourismus ist auch nicht das „Gelbe vom Ei“

Kreuzfahrt - unsichtbare Feind

AIDA Crui­ses hat alle für Novem­ber geplan­ten Kreuz­fahr­ten abge­sagt. Die Ree­de­rei schreibt:

AIDA Crui­ses unter­stützt die Bun­des­re­gie­rung voll­um­fäng­lich in ihren Bemü­hun­gen, das aktu­el­le Pan­de­mie­ge­sche­hen in Deutsch­land zu kon­trol­lie­ren, und hat daher ent­schie­den, die Kreuz­fahrt­sai­son zu unterbrechen.“

Nur TUI Crui­ses hält noch eini­ge Fahr­ten um die Kana­ren ter­min­lich aufrecht.

Auch hier wur­de aller­dings die geplan­te Über­füh­rungs­fahrt der MS2 mit Pas­sa­gie­ren von Ham­burg nach Las Pal­mas ges­tern stor­niert. Die spa­ni­schen Behör­den hat­ten bereits vor Mona­ten nur Fahr­ten zwi­schen den Kana­ri­schen Inseln gestat­tet. Ham­burg oder die Insel Madei­ra gehö­ren ein­fach nicht dazu.

Nun ist Mein Schiff 2 ohne Pas­sa­gie­re als „Geis­ter­schiff“ nach Gran Cana­ria unter­wegs. Ob die vor­ge­se­hen Kana­ren-Tou­ren so statt­fin­den, wird sich noch zei­gen. Aktu­ell immer auf mei­nem Kreuz­fahrt­blog.

 

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4 Kommentare zu "Der unsichtbare Feind lähmt das Kanaren Leben"

  1. Elisabeth Pichler | 14. November 2020 um 8:49 | Antworten

    Dan­ke­für Ihre inter­es­san­ten Bei­trä­ge. Ich ver­su­che, inner­halb der nächs­ten zwei Mona­te nach La Pal­ma zu kom­men, um da eini­ge Mona­te zu blei­ben. Lei­der scheint Con­dor die geplan­ten Flü­ge ab Mün­chen wie­der gestri­chen zu haben. Hof­fent­lich klappt das irgendwie.

  2. Paul Laudenberg | 2. November 2020 um 19:24 | Antworten

    Dan­ke­schön!

    Ist auf jeden Fall von Vor­teil, dass Sie moderieren/filtern. Denn was auf der Sei­te mit der Zahl „24“ im Namen so alles zu lesen ist, kann man echt vergessen.

    Und wie ich soeben in einem Nach­rich­ten­sen­der sehen konn­te, rech­net der Hygie­ne­ex­per­te Dr. Georg-Chris­ti­an Zinn – Zen­trum für Hygie­ne und Infek­ti­ons­prä­ven­ti­on (ZHI)- bis zum Jah­res­en­de mit min­des­tens einem zuge­las­se­nen Impf­stoff. Schön wäre es jeden­falls, das wird drin­gend gebraucht.

  3. Hal­lo Herr Laudenberg,

    dan­ke – die Leser sind nur weni­ger kom­men­tier­freu­dig. Täg­lich, wenn ich der Goog­le Sta­tis­tik traue, zwi­schen 1000 und 1500 Besu­cher. Sonst wür­de ich nicht Schrei­ben. Wür­de mir auch mehr Kom­men­ta­re wünschen.

    Es ist im Moment eine unsi­che­re Sache über­haupt irgend­wo Urlaub zu machen. Immer mit dem Gefühl im Nacken, was wohl in den nächs­ten Tagen noch kommt. La Pal­ma braucht eigent­lich Gäs­te. Die letz­ten Jah­re war es aller­dings zu viel. Der Charme und die Ruhe blieb auf der Strecke.
    Auch die Kreuz­fahrt hat förm­lich stun­den­wei­se die Insel über­rollt. An die­sen Tagen in San­ta Cruz de La Pal­ma zu fla­nie­ren, war der Horror.

    Jetzt ist es ruhig, zu ruhig. Man kann nur wün­schen, dass sich in Zukunft ein ver­nünf­ti­ges Mit­tel­maß an Tou­ris­ten einstellt.
    Ich wün­sche Ihnen alles Gute!

  4. Paul Laudenberg | 2. November 2020 um 17:49 | Antworten

    Dan­ke, mal wie­der ger­ne gele­sen. Irgend­wie scheint ihre infor­ma­ti­ve Sei­te nicht so viel gele­sen zu wer­den, es sei denn, hier wird mehr gele­sen und weni­ger kommentiert.

    Die neu­en Bestim­mun­gen, die dann wohl ab 14.11. gül­tig sein sol­len, sind ja wie­der­um nur vor­läu­fi­ge Maß­nah­men und je län­ger man bleibt, des­to grö­ßer die Wahr­schein­lich­keit, dass es auch unan­ge­neh­me Über­ra­schun­gen geben dürf­te und wenn es die Flug­ge­sell­schaft selbst ist, die über einen kur­zen Text mit­teilt: „Mit Bedau­ern müs­sen wir Ihnen mit­tei­len, dass ihr Rück­flug lei­der aus­fällt (…). Wir hof­fen Ihnen damit kei­ne zu gro­ßen Unan­nehm­lich­kei­ten zu berei­ten und schla­gen vor (…)“. Wie auch immer, ent­spann­ten Urlaub stellt man sich anders vor, zumal man stän­dig ein „Auge“ auf die wei­te­re Ent­wick­lung hal­ten muss, um viel­leicht selbst noch recht­zei­tig agie­ren zu können.

    Blei­ben Sie gesund und genie­ßen Sie ihre wun­der­schö­ne Insel. Auf dem Roque de los Mucha­chos dürf­te es ja wie­der ruhig zuge­hen, wie man es frü­her noch kann­te, als die Bus­se noch nicht die Tages­be­su­cher von den Kreuz­fahrt­schif­fen ankarr­ten. Das war im Win­ter 2019 jeden­falls zeit­wei­lig ziem­lich krass.

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