Staubwolke erhöht Sterblichkeit

Sandsturm

Sahara-Sand über La Palma -

Wie ein grau­es Tuch lag in den ver­gan­ge­nen Tagen wie­der eine dicke Staub­wol­ke über La Pal­ma und den Kana­ren. Der Cali­ma wie er hier genannt wird, schau­felt aus der Saha­ra Mil­lio­nen von Ton­nen Sand über die Inseln auf den Atlan­tik.

Flughafen Mazo in Staubwolke

Start eines Cana­ry Fly ATR-72 im Sand­sturm am Diens­tag vom Flug­ha­fen Mazo auf La Pal­ma

Star­ke Ost­win­de mit Geschwin­dig­kei­ten bis zu 106 km/h schränk­ten mit dem Sand nicht nur die Sicht­wei­te ein, son­dern las­sen dar­un­ter wie in einem Gewächs­haus die Tem­pe­ra­tu­ren kräf­tig nach oben anschwel­len. Über +28° C am Tage und 21° C in der Nacht und das Anfang Febru­ar 2020. Wer­te wie im Hoch­som­mer. Cali­ma, eine für die Kana­ri­schen Inseln mehr als ver­trau­te Wet­ter­si­tua­ti­on die mehr­mals im Jahr für eini­ge Tage auf­tritt.

 

Eine Staubwolke die Menschen umbringen kann

Berge um Mazo

Die Ber­ge der Cumbre sind kaum mehr zu erken­nen

Eine Luft zum Schnei­den und ver­gleich­bar mit den Smog­zo­nen in manch einer chi­ne­si­schen Mil­lio­nen­me­tro­po­le.

Nur sind es kei­ne Abga­se aus der Indus­trie oder dem Auto­ver­kehr mit gefähr­li­chen che­mi­schen Bestand­tei­len, son­dern kleins­te Sand­par­ti­keln aus der nahen Wüs­te Saha­ra in Nord­afri­ka.

Für Asth­ma­ti­ker und Men­schen mit Atem­wegs­pro­ble­men schon jeher ein gro­ßes Pro­blem. Jetzt hat eine neue Stu­die des Spa­ni­schen Natio­na­len For­schungs­ra­tes (CSIC) und der Uni­ver­si­täts­kli­nik der Kana­ri­schen Inseln eine erhöh­te Sterb­lich­keit von herz­kran­ken Pati­en­ten fest­ge­stellt.

Die Todes­ra­te von Herz­kran­ken steigt wäh­rend einer Cali­ma Peri­ode um bis zu 86 Pro­zent an, stell­ten die Wis­sen­schaft­ler fest. Es wur­den in der Zeit zwi­schen 2014 und 2017 Daten von 829 Pati­en­ten gesam­melt, die mit der Dia­gno­se Herz­in­suf­fi­zi­enz in der Not­auf­nah­me der Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken der Kana­ri­schen Inseln auf­ge­nom­men wur­den.

Wäh­rend auf den Kana­ren die Luft­be­las­tung nor­mal um den Wert PM2,5 bis 10 liegt, steigt mit der Saha­ra Staub­wol­ke die Belas­tung um das 36 fache und mehr an. Wer­te von PM360 ug/m³ wur­den bei Cali­ma schon gemes­sen. Für Herz­kran­ke ein immenses Risi­ko mit erhöh­ter Sterb­lich­keits­ra­te und jetzt auch wis­sen­schaft­lich belegt. Die Stu­die wur­de im Jour­nal of Cli­ni­cal Medi­ci­ne am 30. Janu­ar 2020 ver­öf­fent­licht.

Bei allen Pati­en­ten wur­den Daten zur kli­ni­schen Vor­ge­schich­te und die aus­lö­sen­den Fak­to­ren zur Herz­in­suf­fi­zi­enz detail­liert erho­ben. Auch die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on sieht die Luft­ver­schmut­zung als erns­tes Gesund­heits­pro­blem. Schät­zungs­wei­se drei Mil­lio­nen Todes­fäl­le wer­den jähr­lich welt­weit dadurch ver­ur­sacht.

Schon lan­ge raten die Gesund­heits­be­hör­den der Kana­ren für die Risi­ko­grup­pen wäh­rend des meist zwei bis drei Tage andau­ern­den Cali­ma im Haus zu blei­ben.

Calima kann auch nützlich sein

So fol­gen­reich die Staub­wol­ke für die Pro­blem­grup­pen, so nütz­lich ist Cali­ma aber für die Bota­nik. Mit der Staub­wol­ke wer­den auch Mine­ra­li­en und wert­vol­le Dün­ger trans­por­tiert. Bis in den Ama­zo­nas flie­gen Phos­phor und Eisen­par­ti­kel aus der Saha­ra. Das wur­de von eng­li­schen Bio­lo­gen fest­ge­stellt. Sie­he hier­zu auch „Cali­ma – ein Geschenk des Him­mels“.

Kei­ne men­schen­ge­mach­te Kala­mi­tät, son­dern ein ech­tes Natur­phä­no­men. Die Natur wird schon wis­sen, war­um regel­mä­ßig Lan­za­ro­te, Tene­rif­fa, El Hier­ro oder La Pal­ma unter einem Sand­schlei­er ver­sin­ken. Jede, auch vom Men­schen nicht ver­stan­de­ne oder als bedroh­lich ein­ge­stuf­te Reak­ti­on der Natur hat sei­nen Sinn. Wer­den die­se Kreis­läu­fe unter­bro­chen oder umge­lei­tet, ent­ste­hen not­wen­di­ger­wei­se Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men die weit­aus grö­ße­re nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf das mensch­li­che Leben nach sich zie­hen kön­nen.

 



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