Ist Vulkan Schwefeldioxid eine Gefahr?

Lavastrom - Schwefeldioxid

Schwefeldioxid gefährdet das Aridanetal und den ganzen Westen von La Palma -

Schwe­fel­di­oxid (SO2) schä­digt in hohen Kon­zen­tra­tio­nen Mensch, Tie­re und Pflan­zen. Die Oxi­da­ti­ons­pro­duk­te füh­ren zu „sau­rem Regen“, der emp­find­li­che Öko­sys­te­me wie Wald und Seen gefähr­det sowie Gebäu­de und Mate­ria­li­en angreift.

Bei einem Vul­kan­aus­bruch ist der Aus­tritt von gro­ßen Men­gen an Schwe­fel­di­oxid in Kom­bi­na­ti­on mit Vul­kan­asche (PM10) äußerst ungüns­tig und kann die  Gesund­heit der betrof­fe­nen Bevöl­ke­rung ernst­haft in Gefahr bringen.

Grafik - Schwefeldioxid 

Nach der heu­ti­gen Tabel­le zur Luft­be­las­tung am Bei­spiel Los Lla­nos, lie­gen neben der Vul­kan­asche (PM10), die Schwe­fel­di­oxid­wer­te am Mor­gen bei rund 270 ug/m³.  Im Jahr 2021 hat die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ihre Luft­gü­te-Richt­li­nie nach unten hin ange­passt. Die neue Emp­feh­lung bei Schwe­fel­di­oxid liegt bei 40 µg/m3 im 24-Stunden-Mittel.

Eine Grö­ße, die bei einem Vul­kan­aus­bruch natür­lich nicht ein­zu­hal­ten ist. Betrof­fen sind die Gemein­den El Paso, Los Lla­nos de Ari­da­ne, Taza­cor­te, Tija­ra­fe und Punt­agor­da, also fast der gesam­te Wes­ten von La Pal­ma. Seit Tagen ist bereits der Schul­un­ter­richt in den betrof­fe­nen Gemein­den ein­ge­stellt. Den Anwoh­nern wird emp­foh­len zu Hau­se zu blei­ben und Fens­ter und Türen geschlos­sen zu hal­ten. Bei einem Auf­ent­halt im Frei­en wird eine FFP2-Mas­ke und eine Schutz­bril­le emp­foh­len. Mas­ken hal­ten sicher Vul­kan­asche ab, dürf­ten aber gegen Schwe­fel­di­oxid nicht all­zu viel ausrichten.

Es sind kei­ne kurz­fris­tig hohen Schwe­fel­di­oxid Belas­tun­gen. Die Grenz­wer­te lie­gen schon seit Wochen Tag und Nacht über der Belas­tungs­gren­ze und dürf­ten im Lau­fe der Zeit ihre Spu­ren hin­ter­las­sen. Rund 30.000 Men­schen zu eva­ku­ie­ren lässt sich auf La Pal­ma nicht machen.

Was bewirkt Schwefeldioxid?

Schwe­fel­di­oxid (SO2) ist ein farb­lo­ses, ste­chend rie­chen­des (riecht nach fau­len Eiern), was­ser­lös­li­ches Gas, das Mensch und Umwelt beein­träch­tigt. In der Atmo­sphä­re aus Schwe­fel­di­oxid ent­ste­hen­de Sul­fat­par­ti­kel tra­gen zudem zur Belas­tung mit Fein­staub (PM10) bei.

Schwe­fel­di­oxid ist ein sau­res Reiz­gas und wirkt vor­wie­gend auf die Schleim­häu­te der Atem­we­ge und der Augen. Die Wir­kung kann noch deut­lich ver­stärkt wer­den, wenn SO2 zu Sul­fat wird. Dann hat es direk­te Wir­kung auf den Atem­trakt und es kön­nen auch Bron­chi­tis und Trache­itis (Luft­röh­ren­ent­zün­dung) ver­ur­sacht werden.

Im All­ge­mei­nen zei­gen schwe­fe­li­ge Sub­stan­zen fol­gen­de Wir­kun­gen auf die mensch­li­che Gesundheit:

- Aus­wir­kun­gen auf das Ner­ven­sys­tem und Verhaltensänderungen
– Stö­run­gen im Blutkreislauf
– Herzschäden
– Beein­träch­ti­gung der Augen und der Sehkraft
– Stö­run­gen der Fortpflanzung
– Schä­den beim Immunsystem
– Magen- und Darmbeschwerden
– Schä­den an Leber und Nieren
– Fehl­funk­tio­nen des Hörapparats
– Stö­run­gen des Hormonhaushalts
– Hautausschläge
– Ersti­cken und Lungenembolie

Gesundheitsgefahr - Schwefeldioxid

For­scher des Helm­holtz-Zen­trums Mün­chen unter­such­ten mög­li­che Gesund­heits­ri­si­ken für den Men­schen durch Vul­kan­ga­se. Epi­de­mio­lo­gisch erwar­ten die Wis­sen­schaft­ler aller­dings kei­ne Gesund­heits­ri­si­ken und auch toxi­ko­lo­gisch sind in grö­ße­rem Abstand zu einem Vul­kan kei­ne gesund­heit­li­chen Risi­ken mehr zu befürch­ten. In unmit­tel­ba­rer Nähe zum Vul­kan kann H2S aller­dings toxisch, also gif­tig bzw. sogar töd­lich sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen dürf­ten für das Ari­dane­tal gege­ben sein.

In gerin­ger Men­ge wird Schwe­fel­di­oxid auch in der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie ein­ge­setzt, um die Halt­bar­keit von Lebens­mit­teln zu erhö­hen und ist eines der ältes­ten Kon­ser­vie­rungs­mit­tel der Welt. Bekann­te Ver­wen­dungs­ge­bie­te für Schwe­fel­di­oxid in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie sind Wei­ne, getrock­ne­tes Gemü­se und Tro­cken­früch­te. Der Stoff wird anti­oxi­da­tiv und ver­hin­dert, dass sich Vit­ami­ne, Aro­men und Farb­stof­fe abbau­en und hin­dert zudem Pil­ze und Bak­te­ri­en am Wachstum.

 

11.10 UhrMit­tei­lung der IGN – Seit der letz­ten Stel­lung­nah­me wur­den 62 Erd­be­ben in dem von der vul­ka­ni­schen Reak­ti­vie­rung von Cumbre Vie­ja betrof­fe­nen Gebiet loka­li­siert , 7 die­ser Erd­be­ben wur­den von der Bevöl­ke­rung gespürt und erreich­ten die maxi­ma­le Inten­si­tät in der Epi­zen­tral­zo­ne von IV (EMS98) . Das stärks­te Erd­be­ben ereig­ne­te sich ges­tern um 17:07:10 (UTC) mit einer Magnitu­de von 4,6 mbLg in 37 km Tie­fe und mit Inten­si­tät IV auf der Insel La Pal­ma. 8 Sekun­den spä­ter wur­de im glei­chen Gebiet, 38 km tief, ein wei­te­res Erd­be­ben der Stär­ke 4,5 geor­tet und bil­de­te somit ein Dop­pel­be­ben. Im betrach­te­ten Zeit­raum wur­den 7 Erd­be­ben in einer Tie­fe von etwa 30 km loka­li­siert, die rest­li­chen Hypo­zen­tren des Zeit­raums befin­den sich in gerin­ge­rer Tie­fe, etwa 12 km.

Die Ampli­tu­de des vul­ka­ni­schen Tre­mor­si­gnals hat deut­lich abge­nom­men, mit nied­ri­gen mitt­le­ren Pegeln und ohne Ver­stär­kungs­im­pul­se. Das Netz der per­ma­nen­ten GNSS- Sta­tio­nen der Insel zeigt, dass die Höhe, die an den Tagen 4 und 5 an der Sta­ti­on LP03, die den Erup­ti­ons­zen­tren am nächs­ten liegt, auf­ge­zeich­net wur­de, auf ein nied­ri­ge­res Niveau als zuvor ermit­telt wur­de. Die an der Sta­ti­on auf­ge­zeich­ne­te Süd­west­de­for­ma­ti­on setzt sich fort. In den übri­gen Sta­tio­nen wird eine leich­te Defla­ti­on bei­be­hal­ten, mög­li­cher­wei­se im Zusam­men­hang mit tie­fer Seis­mi­zi­tät. Ange­sichts des kali­brier­ten Bil­des wird um 08:45 UTC eine Säu­len­hö­he von 2.500 m geschätzt, mit süd­west­li­cher Richtung.

11.30 Uhr – Wie die Pevol­ca erklärt, ist die Luft­qua­li­tät in Punt­agor­da auf­grund von Schwe­fel­di­oxid sehr ungüns­tig. Wie in der Erklä­rung ange­ge­ben, liegt die Schwe­fel­di­oxid-Warn­schwel­le (500 pg/m3) an der Sta­ti­on Punt­agor­da heu­te am Mon­tag bei einer stünd­li­chen Kon­zen­tra­ti­on von 671 pg / m3.

12.20 Uhr - Im Zeit­raf­fer sieht man den Pas­sat­wind, der von einer Sei­te kommt und die Wol­ke vom Vul­kan mitnimmt.

13.20 Uhr - Die vom Vul­kan betrof­fe­nen Per­so­nen wer­den von den Ver­kehrs­ge­büh­ren für den Ver­lust beschä­dig­ter Fahr­zeu­ge und Dupli­ka­te ver­lo­re­ner Ver­kehrs­ge­neh­mi­gun­gen befreit.

13.37 Uhr - Für die Über­wa­chung des Vul­kans wer­den mor­gen zwei Unter­was­ser­seis­mo­me­ter hin­zu­fügt. Die Daten wer­den die­je­ni­gen ergän­zen, die bereits von den seis­mi­schen Sta­tio­nen an Land vom Bar­ce­lo­na Insti­tu­te of Mari­ne Sci­en­ces der CSIC gesam­melt wer­den (Foto: Geomar).

Forschungsschiff

 

17.30 UhrNoch kein Ende der Erup­ti­on abseh­bar – Der Vul­kan Cabe­za auf der Insel La Pal­ma ver­zeich­net wei­ter­hin einen Rück­gang der ver­schie­de­nen mit die­sem Phä­no­men ver­bun­de­nen Para­me­ter (Schwe­fel­di­oxid­ra­te, Ver­for­mung, Seis­mi­zi­tät usw.), aber Wis­sen­schaft­ler war­nen wei­ter­hin, dass es noch zu früh ist, um über das Ende der Erup­ti­on spre­chen zu können.

Die natio­na­le Direk­to­rin der Vul­kan­über­wa­chung des Natio­nal Geo­gra­phic Insti­tu­te (IGN) und Spre­che­rin des Wis­sen­schaft­li­chen Komi­tees von Pevol­ca, Car­men López, erin­ner­te dar­an, dass es erst vor weni­gen Tagen eine Infla­ti­ons­epi­so­de in der dem Erup­ti­ons­zen­trum am nächs­ten gele­ge­nen Sta­ti­on (LP03) gab. Dort wur­de eine ver­ti­ka­le Ver­for­mung von 9 cm aufgezeichnet.

Car­men López beton­te, dass Epi­so­den wie die­se wider­spie­geln, dass die erup­ti­ve Dyna­mik immer noch „inten­siv“ ist, also muss man „vor­sich­tig“ sein und abwar­ten, ob die­se [abstei­gen­den] Trends „zeit­ge­recht“ sind und ob sie wirk­lich den Tag bestä­ti­gen, um das Ende des Vul­kan­aus­bruchs vor­her­se­hen zu können.

18.20 UhrAuf dem Flug heu­te mit dem Hub­schrau­ber der Guar­dia Civil sehen wir durch Ther­mo­gra­fie, wie sich der Lava-Haupt­strom in der Umge­bung von El Ped­re­gal ansammelt.

18.35 Uhr - Unser Vul­kan Cabe­za wirft im Moment wie­der gro­ße Men­gen an Asche aus. Strö­mungs­rich­tung nach Wes­ten auf den Atlan­tik.  Die star­ken Beben aus der Mag­ma­haupt­kam­mer in 35 km Tie­fe blei­ben im Moment noch aus.

  • Fort­set­zung folgt

Wetteraussichten für La Palma



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