Welches war das stärkste Erdbeben in der Geschichte der Kanarischen Inseln?

Seismograf zeichnet Erdbeben auf
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Eine Spurensuche im Atlantik!

Stärkstes Erdbeben Kanarische Inseln:  Wusstest du, dass auf den Kanarischen Inseln Erdbeben mit einer Stärke von über ML6 registriert wurden? Das Leben inmitten von aktiven Vulkanen birgt so manche Besonderheit. Für uns, die wir die Kanaren lieben oder hier leben, gehört die gelegentliche Bewegung unter unseren Füßen fast schon zum Alltag. Doch wo liegt eigentlich der absolute, historische Rekord? Ich habe mich für dich auf Spurensuche in die Archive begeben.

Der absolute Rekord: Ein Blick zurück ins Jahr 1705

Um das stärkste dokumentierte Erdbeben der kanarischen Geschichte zu finden, müssen wir über drei Jahrhunderte in der Zeit zurückreisen. Im Januar 1705 erlebte die Region um Fasnia im Osten Teneriffas ein heftiges Beben, dessen Stärke Wissenschaftler heute basierend auf historischen Berichten und Zerstörungsgraden auf stolze 6,1 auf der Richterskala schätzen.

Dieses Ereignis trat nicht isoliert auf: Es stand in direktem Zusammenhang mit dem Ausbruch der Vulkane Fasnia und Arafo. Laut den offiziellen Katalogen des Nationalen Geografischen Instituts Spaniens (IGN) gilt dieser seismische Schock bis heute als das intensivste jemals aufgezeichnete Erdbeben des Archipels.

Die feurigen Jahre von Lanzarote (1730–1731)

Nur wenige Jahrzehnte später erzitterte der Nordosten der Inselgruppe. Während des gigantischen, sechs Jahre andauernden Ausbruchs des Timanfaya-Vulkans auf Lanzarote wurden in den Jahren 1730 und 1731 mindestens zwei schwere Erschütterungen verzeichnet. Experten gehen heute davon aus, dass diese eine Magnitude von rund 6,0 erreicht haben dürften. Man kann sich kaum vorstellen, wie sich der Boden angefühlt haben muss, während zeitgleich die Erde aufriss und weite Teile Lanzarotes unter Lavamassen begrub.

📌 Der „große Schrecken“ von 1989: Der Vulkan Enmedio

Für alle, die ein gutes Gedächtnis haben oder die Kanaren schon länger bereisen, ist der 9. Mai 1989 ein unvergessliches Datum. Am helllichten Tag erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,2 bis 5,3 die Häuser. Das Epizentrum lag im Meereskanal zwischen Teneriffa und Gran Canaria, direkt am Unterseevulkan Enmedio. Es war das stärkste Beben der sogenannten instrumentellen Ära – also seitdem moderne Messgeräte präzise Daten liefern.

Moderne Ereignisse: El Hierro (2011) und La Palma (2021)

Auch in der jüngeren Vergangenheit hat uns die Natur daran erinnert, wer hier der Chef ist. Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 2011: Vor der Küste von El Hierro kam es im Zuge der dortigen submarinen Eruption (Vulkan Tagoro) zu heftigen seismischen Schwärmen, die in einem weithin spürbaren Beben der Stärke ML 5,1 gipfelten.

Und natürlich der jüngste Meilenstein, den wir alle noch lebhaft vor Augen haben: Der Ausbruch des Tajogaite auf La Palma im Jahr 2021. Während dieser monatelangen Eruption im Aridane-Tal hielt uns die Erde ununterbrochen in Atem. Tausende Erschütterungen wurden registriert, wobei die stärksten Spitzen Magnituden von 5,1 erreichten. Diese Erbeben traten vor allem in größeren Tiefen auf (oft um die 30–35 km) und zeigten eindrucksvoll, wie sich das Magma tief im Mantel seinen Weg nach oben bahnte.

Die große Übersicht: Historische und moderne Spitzenwerte

Hier habe ich dir die wichtigsten Eckdaten der kanarischen Seismik zusammengefasst:

Datum Standort / Region Magnitude (ca.) Historische Notizen & Hintergrund
24.01.1705 Fasnia (Teneriffa) 6.1 Gekoppelt mit dem Ausbruch von Fasnia/Arafo. Historischer Höchstwert.
1730–1731 Timanfaya (Lanzarote) 6.0 Zwei Großereignisse während der verheerenden Langzeiteruption.
09.05.1989 Vulkan Enmedio (Kanal) 5.2 – 5.3 Stärkstes im Detail instrumental gemessenes Beben. Weithin spürbar.
2011 El Hierro (Submaringebiet) 5.1 Höhepunkt des seismischen Schwarms vor der Tagoro-Eruption.
Okt/Nov 2021 Tajogaite (La Palma) 5.1 Tiefenseismik während des verheerenden Vulkanausbruchs.
19.02.1913 Ingenio (Gran Canaria) 4.6 Der höchste jemals auf Gran Canaria gemessene Wert.

Vulkanische und Tektonische Erdbeben: Warum bei uns bei 6,1 Schluss ist

Stärkstes Erdbeben Kanarische Inseln. Vielleicht fragst du dich jetzt, warum wir auf den Kanaren keine Katastrophenbeben wie in Japan, Chile oder San Francisco mit Magnituden von 7, 8 oder gar 9 erleben. Die Antwort liegt in der Physik und der Natur der Ursache:

  • Tektonische Beben: Sie machen rund 90 % der weltweiten Ereignisse aus. Sie entstehen, wenn sich gigantische tektonische Erdplatten (wie die Pazifische oder San-Andreas-Platte) verhaken. Die Spannung baut sich über Jahrhunderte auf riesigen Flächen auf und entlädt sich ruckartig. Hier entstehen Megabeben.

  • Vulkanische Beben: Auf den Kanaren bewegen sich die Platten kaum gegeneinander (wir befinden uns auf der Afrikanischen Platte weit ab von den Grenzen). Unsere Beben entstehen, wenn Magma im Untergrund aufsteigt, Gestein weitet, Platz bricht oder hydrothermale Gase Druck ausüben. Für diese rein vulkanisch bedingten Beben ist physikalisch gesehen meist bei einer Stärke von ML 6,0 bis maximal ML 6,5 Schluss – mehr Energie kann das lokale Gesteinsgefüge nicht speichern, bevor es bricht.

Sicherheit auf den Inseln: Ein topmodernes Überwachungsnetz

Auch wenn die Vorstellung von Erschütterungen der Stärke ML6 im ersten Moment unheimlich wirkt, kann ich dich beruhigen. Die Kanarischen Inseln verfügen heute über eines der weltweit modernsten und lückenlosesten seismischen und vulkanologischen Überwachungsnetze, angeführt vom Nationalen Geografischen Institut (IGN) und dem Vulkanologischen Institut der Kanaren (Involcan). Jedes noch so kleine Mikrobeben im Atlantischen Ozean wird sofort registriert und ausgewertet. Verhindern oder Vorhersagen lassen sich Beben damit allerdings auch nicht.

Die Experten sind sich einig: Ein zerstörerisches tektonisches Erdbeben der Stärke 7 oder 8 ist extrem unwahrscheinlich. Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass wir die Stärke 6 als die natürliche, bereits erreichte Grenze unseres Archipels respektieren müssen. Das Leben auf den „Inseln des ewigen Frühlings“ bedeutet eben auch, im ständigen, faszinierenden Dialog mit der Kraft der Erde zu stehen.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Buchautor und begeisterter Naturliebhaber. Lebe seit 25 Jahren mit meiner Familie auf der Kanareninsel La Palma. Mehr auf meiner Autorenseite - Mein Link

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