Erzählt Lava die Frühgeschichte?

Lava El Hierro

El Hierro Restingolitas als Zeitmesser?

Lava El HierroEtwas mehr Licht in den Ursprung der Kanarischen Inseln soll eine Studie der Uni­ver­sität Upp­sala in Schwe­den brin­gen. Als Aus­gangs­ma­te­r­i­al wurde die 2011 bei der Eld­is­cre­to Erup­tion aus­ge­wor­fene Lava — die  Restin­goli­tas (Foto) genom­men. Jene sel­tene Lava mit schwarz­er Haut und weißem Kern, das nach dem nahen Küstenort La Restin­ga auf El Hier­ro benan­nt wurde. Aufgeschmolzenes Sed­i­ment­gestein, außergewöhn­lich radioak­tiv und nur in den ersten Stun­den der Erup­tion Ende 2011 an der Meere­sober­fläche aufge­taucht. Bekan­nt und ver­mutet wur­den alte Muschel und Kalk­a­blagerung auf dem Meeres­grund, die von der auf­steigen­den rund 1100°C heißen Mag­ma als erstes weg­geräumt und aufgeschmolzen wurde. Eine bish­er in dieser Form noch nicht gekan­nte Lava Mis­chung.

 

Restingolitas Lava auf dem Prüfstand

RestingolitasEin Team von Forsch­ern, an dem auch die Uni­ver­sität Las Pal­mas de Gran Canaria, Uni Liss­abon und die CSIC (Con­se­jo Supe­ri­or de Inves­ti­ga­ciones Cien­tí­fi­cas) beteiligt waren, nen­nen die rät­sel­haft aufge­taucht­en Lavabrock­en Xeno-Pumi­ta. Mit deter­min­is­tis­chen Meth­o­d­en wur­den die im Restin­goli­ta enthal­te­nen Nan­no­fos­silien aufges­pal­tet um ein Alterungs- bzw. Entste­hungsmod­ell der Kanaren zu gewin­nen. Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift Nature (Bilder) veröf­fentlicht wor­den.

Zunächst wurde fest­gestellt, dass das unter El Hier­ro lagernde Sed­i­ment­gestein in ein­er tem­porären Tiefe von 4,5 bis 5 Kilo­me­ter liegt. Die Sed­i­ment­dicke dürfte 0,5 bis 1 km stark sein und reich­lich Gas enthal­ten. Das erk­lärt auch den raschen Auf­stieg aus dem Reser­voir zur Meere­sober­fläche. Beim Trans­port zur Wasser­ober­fläche ver­loren die Restin­goli­tas ihre Auftrieb­skraft um dann nach ein­er kurzen Ver­weil­dauer an der Ober­fläche, vollge­saugt mit Wass­er, auf den Meeres­grund zurück zufall­en. Dort liegen sie noch heute und wur­den von der nachrück­enden schwarzen Lava begraben.

Es war schon ein Glücks­fall, dass während dieser ersten 3 bis 4 Stun­den der Erup­tion, ein Boot der Küstenwache direkt an den Erup­tion­sstrudel fuhr und einige Restin­goli­tas an Bord nehmen kon­nte. Dies ermöglicht heute eine Alters­bes­tim­mung des Sed­i­ment­ma­te­r­i­al, auf dem sich dann später die Insel El Hier­ro aufge­baut hat.

Es sind natür­lich keine exak­ten Jahre­sangaben möglich und nötig. In der geol­o­gis­chen Zeitrech­nung sind tausend oder hun­dert­tausend Jahre schon recht genaue “Minu­te­nangaben”. El Hier­ro ist auch nicht in weni­gen Jahren, son­dern über einen lan­gen Zeitraum ent­standen … und die Insel­bil­dung ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

 

So wuchsen die Kanarischen Inseln

Lava El Hierro

Von Osten nach West­en sind die Kanarischen Inseln gewach­sen. Fuerteven­tu­ra vor 20,6 Mil­lio­nen Jahren bis zu den jüng­sten Inseln des Archipel im West­en wie La Pal­ma (1,7 Mio) und El Hier­ro von 1,1 Mio. Jahren. Es waren Tief­bohrun­gen und Meeres­bo­den Unter­suchun­gen die erst eine exak­te Zeitbes­tim­mung ermöglicht­en.

Durch die Ver­schiebung der afrikanis­chen Plat­te von jährlich 2 bis 3 Zen­time­ter nach Nor­dosten, wan­dert der Hotspot immer weit­er nach Süd­west­en. Auch in Zukun­ft wer­den hier neue Inseln entste­hen, während die “alten” Ostin­seln durch die Ero­sion irgend­wann im Atlantik versinken wer­den. Das ist der Kreis­lauf der Zeit, der nir­gends dauer­hafte Mon­u­mente für alle Ewigkeit hin­ter­lässt.

Wir kön­nen uns jedoch trotz­dem beruhigt zurück lehnen. Unser Leben dauert nur einen Wim­pern­schlag in der ganzen Geochronolo­gie.

 



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