Puerto Naos CO₂: Was steckt hinter der hartnäckigen „Zona Negra“?

Strandpromenade von Puerto Naos/ CO2Strandpromenade von Puerto Naos. Die „Zona Negra“ (die schwarze Zone) umfasst heute keine großflächige Straßensperrung mehr, sondern ist auf einen sehr spezifischen, lokalisierten Bereich im Norden von Puerto Naos zusammengeschrumpft.
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Das CO₂-Rätsel von Puerto Naos: Warum sich in der „Zona Negra“ scheinbar nichts bewegt!

Ein netter Leser schrieb mir unlängst einen Kommentar: „Vielen Dank für deine Berichte und auch dieser zu den Gasen ist super. Hast du nicht auch mal Lust einen Artikel zu dem Thema CO2 in Puerto Naos zu machen? Es gibt da ja noch eine kleine Zona Negro und irgendwie bewegt sich da nix weiter.“

Erst einmal: Herzlichen Dank für das Lob! Genau dieses Thema brennt schließlich nicht nur vielen unter den Nägeln, sondern drückt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Untergrund. Warum bewegt sich in der berüchtigten „Zona Negra“ (der schwarzen Zone) von Puerto Naos gefühlt überhaupt nichts weiter, während der Rest der Strandpromenade langsam wieder aufatmet?

Setzen wir uns also die Geologenbrille auf und schauen tief in den Schlund der jüngsten Inselgeschichte.

Der blockierte Vorreiter: Was passierte vor dem großen Knall?

Um zu verstehen, warum ausgerechnet Puerto Naos zum CO₂-Dauerpatienten wurde, müssen wir das Rad der Zeit ein wenig zurückdrehen. Genauer gesagt bis kurz vor den Ausbruch des Tajogaite im Herbst 2021. Wie ich bereits im November 2023 in meinem Beitrag „Ursache der hohen Gasbelastung in Puerto Naos gefunden?“ aufgedröselt habe, gab es unter dem Küstenort ein ganz eigenes, fast schon heimliches geologisches Drama.

Bevor das Hauptfeuerwerk weiter oben auf der Cumbre Vieja losging, suchte sich das Magma im Untergrund verschiedene Wege. Ein direkter, astreiner Magmakanal schoss geradewegs in Richtung Puerto Naos vor. Doch kurz vor dem großen Durchbruch passierte das, was wir auch aus dem morgendlichen Berufsverkehr kennen: Stau. Der Magmastrom geriet ins Stocken, verlor an Schwung und blieb stecken, während sich der Hauptkanal weiter nordöstlich den Weg an die Oberfläche bahnte.

Heute, Jahre nach der Eruption, sitzt diese steckengebliebene Magmainjektion wie ein gigantischer, unterirdischer Heizkörper tief unter unseren Füßen. Sie ist zwar inzwischen am Erkalten – aber das geht bei Jahrmillionen alten Naturprozessen eben nicht im Fast-Forward-Modus. Beim Abkühlen zieht sich das Gestein zusammen, es entstehen Risse, Klüfte und perfekte Verbindungen zum weiter oben verlaufenden, offenen Eruptionskanal des Tajogaite. Und was wandert am liebsten durch solche Risse nach oben? Richtig, Gase.

Wie entsteht eigentlich vulkanisches Kohlendioxid (CO₂)?

Vulkanisches Kohlendioxid ist kein menschengemachtes Abgas, sondern ein reines Naturprodukt, das tief im Erdmantel gebraut wird. Wenn Magma unter extremem Druck im Erdinneren schmilzt, sind darin enorme Mengen an flüchtigen Gasen gelöst – im Prinzip genau wie die Kohlensäure in einer extrem gut geschüttelten Sektflasche.

Steigt das Magma auf oder kühlt es (wie unsere vergessene Magmatasche unter Puerto Naos) langsam ab, sinkt der Druck im System. Das Gas kann nicht mehr in der zähflüssigen Schmelze gehalten werden und fängt an auszugasen. Die chemische Formel lautet schlicht CO₂, aber der Weg nach oben ist ein physikalisches Kunststück. Da dieses Gas durch das weit verzweigte Kluftsystem der alten und neuen Kanäle wandert, sucht es sich immer den Weg des geringsten Widerstands. Die „Zona Negra“ in Puerto Naos liegt unglücklicherweise genau über einer solchen aktiven Aufstiegszone. Hier strömt das Gas kontinuierlich aus dem abkühlenden Magmakörper nach oben.

Die Wirkung auf Lebewesen: Warum CO₂ kein schlechter Scherz ist

Kohlendioxid ist an sich farblos, geruchlos und man schmeckt es nicht. Genau das macht es so tückisch. In geringen Konzentrationen in unserer Atemluft (ca. 0,04 %) hält es unsere Pflanzen grün und ist völlig harmlos. Wenn die Werte jedoch steigen, wird es schnell ungemütlich:

  1. Der Erstickungseffekt: CO₂ ist deutlich schwerer als der normale Sauerstoff in der Luft. In windstillen Senken, Kellern, Garagen oder Erdgeschossen sammelt es sich wie unsichtbares Wasser am Boden und verdrängt den lebenswichtigen Sauerstoff nach oben.

  2. Die Wirkung im Körper: Atmen wir Luft mit erhöhtem CO₂-Gehalt ein, steigt der CO₂-Spiegel im Blut rasant an. Das führt ab etwa 3 % zu Kopfschmerzen, Schwindel und beschleunigtem Puls (der Körper versucht verzweifelt, den Sauerstoffmangel auszugleichen). Ab 8 bis 10 % führt das Gas rasch zur Bewusstlosigkeit und schließlich zum Erstickungstod.

Genau aus diesem Grund verstehen die Behörden bei den Sperrungen und der Einrichtung der „Zona Negra“ absolut keinen Spaß. Es geht hier nicht um bösen Willen oder Bürokratie, sondern um knallharte, tödliche Physik.

Wo stehen wir heute? Die aktuellen Messwerte

Wer wissen möchte, ob sich im Untergrund nicht doch heimlich etwas tut, kann sich jederzeit auf der Live-Seite informieren. Unter Erdbeben La Palma Live-Seismogramm & Bodenhebung aktuell sind die aktuellen Gasmesswerte von Puerto Naos rund um die Uhr einsehbar.

Man sieht dort recht deutlich: Die Natur arbeitet in ihrem eigenen, sturen Tempo – und das deckt sich leider selten mit dem Tempo, das wir uns für den Tourismus und den Alltag auf der Insel wünschen.

Fazit: Es bewegt sich im Untergrund durchaus etwas – das Magma kühlt ab. Doch genau dieser unaufhaltsame Prozess hält die Gaszufuhr durch die feinen Risse der alten Magmakanäle vorerst stabil. Die „Zona Negra“ bleibt uns also wohl noch ein Weilchen als geologisches Mahnmal erhalten.

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Über den Autor

Manfred Betzwieser
Manfred Betzwieser lebt seit 30 Jahren auf La Palma und dokumentiert als Autor und Newsman die Natur, Geologie und aktuellen Entwicklungen der Kanareninsel. Mit tiefem Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung vor Ort bietet er verlässliche Berichterstattung abseits des Massentourismus. Entdecke seine Bücher und Projekte auf der Autorenseite. - Mein Link

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