Wie erleben Urlaubsgäste La Palma?

Vulkan - UrlaubsgästeFoto: Gabriele und Jürgen

Urlaubsgäste während und nach dem Vulkanausbruch berichten -

Kreuzfahrtschiffe auf La Palma
Kreuzfahrtschiffe auf La Palma

Heu­te las­sen wir Urlaubs­gäs­te und La Pal­ma Lieb­ha­ber zu Wort kom­men, um über ihre Erfah­rung und den gewon­ne­nen Ein­druck selbst zu erzäh­len. Für die Mit­wir­kung mei­nen Dank.

Sil­via und Frank schreiben:

„Vor­ab, wir sind beken­nen­de La Pal­ma Fans. Des­halb sind unse­re Ein­drü­cke sicher sehr subjektiv.

Seit meh­re­ren Jah­ren besu­chen wir im Win­ter La Pal­ma. Auch im“ Coro­na-Jahr 2021“ und auch 2022 nach dem Vul­kan­aus­bruch. Im Freun­des- und Bekann­ten­kreis wer­den wir manch­mal gefragt, ob das nicht gefähr­lich dort ist, oder ob dort nicht alles kaputt ist. Kann man da über­haupt hin?  Ja, man kann. Man­che Orte gibt es nicht mehr, man­che sind wegen gefähr­li­cher Gase noch immer nicht erreich­bar, man­che Stra­ße endet plötz­lich vor einer schwar­zen Mau­er aus Lava.

Lava - Urlaubsgäste

Foto: Sil­via und Frank

Drachenbaum

Foto: Foto: Sil­via und Frank

Und trotz­dem – unse­re Ein­drü­cke und Erfah­run­gen sind ande­re: Nur ein klei­ner Teil der Insel, wenn auch einer der schöns­ten, ist vom Vul­kan­aus­bruch betrof­fen. Aber La Pal­ma hat so vie­le wei­te­re schö­ne Din­ge zu sehen und zu erle­ben. Der Atlan­tik am Strand von Puer­to de Taza­cor­te, die Ber­ge, die Fahrt durch atem­be­rau­ben­de Land­schaft mit traum­haf­ten Aus­bli­cken, hüb­sche klei­ne Orte, die Alt­stadt von San­ta Cruz. Ein ange­neh­mes Kli­ma, gera­de wenn in Mit­tel­eu­ro­pa Win­ter herrscht.

Aber was wäre die Insel ohne die Men­schen, die dort leben? Trotz der Schlä­ge, die sie in den letz­ten Jah­ren ver­kraf­ten muss­ten, Tou­ris­mus ein­ge­bro­chen wegen Covid, ein gro­ßer Wald­brand, schließ­lich ein mona­te­lan­ger Vulkanausbruch.

Vie­le haben alles ver­lo­ren, pro­tes­tie­ren, nicht ohne Grund, weil es ihnen zu lang­sam vor­an geht. Und trotz­dem sind die Pal­me­ros gelas­se­ner, freund­li­cher, lebens­lus­ti­ger, gast­freund­li­cher als wir es oft in Deutsch­land erleben.

Des­halb: „Wer noch nicht auf La Pal­ma war, reist hin und tut euch und den Men­schen auf La Pal­ma etwas Gutes!“

 

Die aufregenden Stunden selbst miterlebt!

Gabrie­le und Jür­gen schil­dern die Situation:

„Wir Gabrie­le und Jür­gen sind seit 20 Jah­ren von der Viel­falt der Natur, vom ange­neh­men Kli­ma, vom schö­nen Licht, den her­vor­ra­gen­den Wan­der­mög­lich­kei­ten und den freund­li­chen Men­schen auf der Insel La Pal­ma begeistert.

2021 wur­den wir wäh­rend unse­res La Pal­ma Urlaubs sogar Augen- und Ohren­zeu­gen des Vul­kan­aus­bruchs ober­halb der Cabe­za de Vaca. Wir hat­ten, wie mehr­fach in den letz­ten Jah­ren, ein schö­nes Feri­en­haus mit wei­tem Blick zwi­schen der Mon­ta­na Raja­da und Mon­ta­na Cogo­te (direkt neben der ehe­ma­li­gen Pho­to­vol­ta­ik- Anla­ge in Las Man­chas) gemietet.

Als am Sonn­tag, dem 19.9.2021 die Erd­be­ben im Haus mor­gens immer deut­li­cher spür­bar wur­den, haben wir Leu­te gefragt, wie wir als Indi­vi­du­al­tou­ris­ten bei einer Eska­la­ti­on der Lage infor­miert wür­den. Ein Poli­zist aus dem benach­bar­ten Cor­a­con­cil­lo (Las Man­chas) mein­te, dass die Poli­zei im Kata­stro­phen­fall mit dem Auto durch die Stra­ßen fah­ren und in 3 Spra­chen den Not­fall aus­ru­fen wer­de. Wir müss­ten dann inner­halb von 6 Stun­den das Haus ver­las­sen und uns zur zen­tra­len Sam­mel­stel­le im Sta­di­on von El Paso begeben.

Aber kei­ne Sor­ge, dazu wer­de es nicht kom­men. Am Mit­tag spra­chen wir mit einem Mit­ar­bei­ter des Cen­tro de Cue­va de Las Palo­mas. Er mein­te, dass das Aus­ru­fen der Stu­fe 3 des Not­fall­plans am Nach­mit­tag bevor­stün­de. Man begin­ne mit der Eva­ku­ie­rung von Per­so­nen mit mas­si­ven Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen. Er gab uns eine Tele­fon­num­mer, wo wir neue Ent­wick­lun­gen auch in Eng­lisch oder Deutsch erhal­ten könnten.
Nach unse­ren Recher­chen zum Ver­hal­ten bei einem zu erwar­ten­den Vul­kan­aus­bruch hat­ten wir unse­re Kof­fer und Ruck­sä­cke am Sonn­tag­mor­gen gepackt und unser Auto auch in Fahrt­rich­tung geparkt. Unter Umstän­den muss man ja schnell auf­bre­chen. So setz­ten wir uns nun mit einem Kaf­fee auf unse­re Ter­ras­se mit Blick auf die Ber­ge. Die spür­ba­ren Erd­be­ben nah­men an Stär­ke und Fre­quenz zu.

Dann tat sich die Erde auf

Kurz nach 15:00 gab es ein recht hef­ti­ges Beben, das das Haus kräf­tig erschüt­ter­te. Dar­auf­hin habe ich das Glas­dach unse­res „Pati­os“ und die Außen­wän­de kurz auf Ris­se inspi­ziert. Es gab zum Glück kei­ne Ris­se. Kurz dar­auf sahen wir, dass in ca. 1,3 km Luft­li­nie Ent­fer­nung etwas ober­halb der Cabe­za de Vaca die Erde unter unge­heu­rem Lärm auf­riss und sich schnell ganz grau ver­färb­te. Die­ser Ort wird auf man­chen Kar­ten „Las Plan­tas“ genannt. Ich mach­te ca. 3 min nach dem Aus­bruch eini­ge Auf­nah­men. Ich hat­te wenig Angst, dass die Lava bald vor unse­rem Haus stünde.

Lavastrom

Foto: Gabrie­le und Jürgen

Das Gelän­de dort oben kann­ten wir von Wan­de­run­gen und wir sind auch oft über die LP 212 gefah­ren. Es war eher zu befürch­ten, dass die Lava in eini­gen Stun­den zunächst nörd­lich der Raja­da in Rich­tung El Para­di­so flie­ßen wür­de. Aber wir muss­ten auch die Mög­lich­keit wei­te­rer Öff­nun­gen in Betracht zie­hen. Unse­re ers­te Sor­ge galt eher einem mög­li­chen Flä­chen­brand durch Fun­ken­flug. Die Land­schaft war ja sehr ausgetrocknet.

Etwa 15 Minu­ten nach dem Aus­bruch haben wir unser gelieb­tes Feri­en­haus sei­nem Schick­sal über­las­sen und sind über die LP2 nach El Paso gefah­ren. Spä­ter wären die Stra­ßen viel­leicht ver­stopft. In Coro­na-Zei­ten woll­ten wir Näch­te in einer Mas­sen­un­ter­kunft ver­mei­den. Der Tun­nel nach Osten wäre hof­fent­lich trotz der Erd­be­ben noch offen. Das war auch so. Von dort kamen uns bereits Poli­zei, Feu­er­weh­ren und Kran­ken­wa­gen vom Osten der Insel entgegen.

Vulkan - Urlaubsgäste

Vom Hotel Para­dor auf der Ost­sei­te (Foto: Gabrie­le und Jürgen)

Wir sind für zwei Näch­te in den „Para­dor“ gegan­gen. Unse­re ört­li­che Ver­mie­tungs­agen­tur und die Stadt El Paso haben wir noch am Abend über unse­ren Ver­bleib infor­miert. Es soll­te uns ja nie­mand unnö­tig suchen. Abends war vom Hotel aus schon die Rauch­säu­le über dem neu­en Vul­kan gut zu sehen. In den nächs­ten bei­den Tagen haben wir den neu­en Vul­kan noch etwas von der LP 212 bei Tacan­de aus etwas beob­ach­tet. Der Park­platz bei der Kir­che von Taju­ya war bereits zu der Zeit stark über­füllt. Die Sper­re auf der LP 212 lag direkt hin­ter dem Abzweig der Cal­le Eschedey.

Unter­wegs tra­fen wir in den Tagen bald ers­te Opfer die­ser Natur­ka­ta­stro­phe. Ihnen galt und gilt unser beson­de­res Mit­ge­fühl. Der Ver­lust der meis­ten per­sön­li­chen Erin­ne­rungs­stü­cke durch Brand, Vul­kan­aus­bruch oder Krieg sind ein sehr ein­schnei­den­des kri­ti­sches Lebens­er­eig­nis. Bei sol­chen Kata­stro­phen müs­sen auch die psy­chi­schen Fol­gen gut beach­tet wer­den. Das wur­de auf La Pal­ma 2021 ja auch von einem Team von Psycholog:innen geleistet.

Die wei­te­ren Tage nach dem Aus­bruch haben wir im Roman­tik-Hotel in Bar­lo­ven­to ver­bracht. Die dor­ti­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter waren sehr zuvor­kom­mend und aus­ge­spro­chen hilfs­be­reit, beson­ders als wir beim Online-Check-in vor unse­rer Abrei­se gegen 21:00 erfuh­ren, dass unser Rück­flug mit Con­dor am nächs­ten Mit­tag nicht ab La Pal­ma, son­dern wegen der Flug-Asche ab Tene­rif­fa-Süd gehen sollte.

Mit Hil­fe von Hotel­mit­ar­bei­te­rin­nen haben wir die ers­te Fäh­re nach Tene­rif­fa mor­gens noch gut erreicht und konn­ten unser Miet­au­to auch ein­fach im Hafen abstel­len. Der Flug ab Tene­rif­fa ging dann aber doch erst am nächs­ten Tag. Eine wei­te­re Hotel­su­che war auch nicht ange­nehm, aber das sind klei­ne Unan­nehm­lich­kei­ten im Ver­gleich zum Ver­lust eines Hau­ses durch einen Lava­strom. Ach ja, unser gemie­te­tes Feri­en­haus fiel in der ers­ten Woche auch einem Lava­strom zum Opfer… Wirk­lich sehr scha­de um die­ses schö­ne Haus. Aber es war nur gemie­tet, der Ver­mie­ter hat­te auch eine Ver­si­che­rung dafür. Es ist schlimm, aber oft gibt es noch Schlim­me­res. Viel hängt davon ab, womit man sei­nen Scha­den vergleicht.

In die­sen Tagen haben wir, sehr geehr­ter Herr Bet­z­wie­ser, Ihre La Pal­ma News ent­deckt und abon­niert. Ihre vie­len Blogs und Bil­der haben uns über die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen auf La Pal­ma nach dem Vul­kan­aus­bruch sehr gut auf dem Lau­fen­den gehal­ten. Wir haben dabei viel über Vul­ka­nis­mus, über Kri­sen­be­wäl­ti­gung in Spa­ni­en und den Fort­gang für die pal­me­ri­schen Men­schen wäh­rend und nach die­sem Vul­kan­aus­bruch erfah­ren. Wir ahnen, dass Ihnen man­cher Bericht viel Arbeit gemacht hat. Für Ihre infor­ma­ti­ven Sei­ten dan­ken wir Ihnen von Herzen.

Vor eini­gen Tagen sind wir wie­der auf La Pal­ma ange­kom­men. Bes­ser als alle Bil­der und Tex­te sind schließ­lich oft eige­ne Erfah­run­gen vor Ort. Wir woh­nen nun in La Pun­ta in einem klei­nen kana­ri­schen Feri­en­haus mit wun­der­ba­rer Aus­sicht auf den Atlan­tik und den nächt­li­chen Sternenhimmel.

Am Sonn­tag haben wir den Tajo­gai­te von ver­schie­de­nen Aus­sichts­punk­ten ange­schaut. Am ein­drucks­volls­ten fan­den wir die Ansicht von dem namen­lo­sen Fuß­weg, der ab El Paso am Ende der LP 212 kurz hin­ter dem Abzweig der „Cabe­za de Vaca“ vor der hohen Lava­wand nach Wes­ten führt. Oben liegt der mäch­ti­ge Vul­kan, unten die dunk­len Lava­schich­ten, die die hier einst grü­ne, oft blü­hen­de Land­schaft mit bun­ten Häu­sern völ­lig aus­ge­löscht haben.
Das ist ein sehr trau­ri­ger Anblick. Ande­rer­seits, was wäre La Pal­ma ohne sei­nen Vul­ka­nis­mus? Wir hof­fen jedoch sehr, dass alle Men­schen, die die Lava von ihren Häu­sern und Gär­ten ver­trie­ben hat, bald wie­der eine neue Blei­be und den Mut für einen Neu­an­fang fin­den. Man soll­te bei der Wahl eines Wohn­ge­bie­tes aber auch die mög­li­chen Natur­kräf­te berücksichtigen.“

Mei­ne Anmer­kung: Viel­leicht einen klei­nen Kom­men­tar dazu oder eige­ne Erleb­nis­se schil­dern wäre nett!

 

Donnerstag, der 22. September 2022

8.40 Uhr - Ein Jahr nach Beginn des Aus­bruchs wer­den in nur 3 Metern Tie­fe im hei­ßes­ten Teil der neu­en Lava­pis­te zwi­schen La Lagu­na und Las Nori­as, Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 600 und 650 Grad Cel­si­us gemes­sen. Wäh­rend die durch­schnitt­li­che Kon­vek­ti­ons­tem­pe­ra­tur (die Tem­pe­ra­tur, die uns die Erde von unten nach oben gibt) auf der gesam­ten Platt­form etwa 80–100 Grad beträgt. Die­se Tem­pe­ra­tu­ren wer­den schät­zungs­wei­se Jahr­zehn­te andau­ern. Ab Anfang Novem­ber soll die Pis­te auch nachts geöff­net werden.

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9.00 Uhr – Das Natio­na­le Hur­ri­kan­zen­trum hat die Ent­ste­hung eines tro­pi­schen Wir­bel­sturms in der Nähe der Kana­ri­schen Inseln „im Auge“.

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, der 23. September 2022

8.10 Uhr - Für das Wochen­de wer­den star­ke Nie­der­schlä­ge erwar­tet. Begin­nend ab Sams­tag­nach­mit­tag bis Mon­tag­abend. Für Sonn­tag hat die AEMET den Gel­ben Wet­te­ralarm akti­viert. Die Regen­men­ge soll über 100 l/m² betra­gen. Der Wind kommt aus Osten/Nordosten. Mehr auf der Wet­ter­sei­te.

  • Fort­set­zung folgt

 

Wetteraussichten für La Palma



1 Kommentar zu "Wie erleben Urlaubsgäste La Palma?"

  1. Hal­lo Gabrie­le und Jür­gen, ihr habt es ja wirk­lich haut­nah mit­er­lebt. Sowas ver­gisst man wahr­schein­lich nie wie­der im Leben. Schön , dass ihr unbe­scha­det raus­ge­kom­men seid. Und vor­al­lem, dass eure Lie­be zu LaPal­ma erhal­ten blieb. Wir wün­schen euch eine schö­ne Zeit. Herz­li­che Grü­ße Sil­via und Frank

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